Rotterdam im Dies

Oh Rotterdam, Du diesige Stadt, die bei Wärme wenig Luft hereinlässt, wenn man sich nicht gerade am Hafenbecken befindet. Der Dies steht über Dir wie eine Glucke über ihren Küken und entlässt den Beobachter mit Blicken, die nicht in die Ferne, sondern in die Nähe schweifen.

Dafür gibt es tolles Eis, neppige Tapas-Bars und ein annehmbares Stadion mit einem wenig begeisterungsfähigen Publikum, das noch während der Show zur Ordnung gerufen werden muss, damit Privatgespräche eingestellt werden.

Die Radinfrastruktur ist besser hier, aber auch viele aufgemalte Linien und eng überholende Autos – da ist auch nicht alles Gold.

Sonst sehr schön.

Kritik: Rammstein – Streichholz

Das neue Rammstein-Album ist raus und ich werde oft gefragt, wie ich es finde.

Mäßig bis besser, zu langsam.

Live deutlich besser.

Deutschland – musikalisch gut, textlich hinter meinen Erwartungen zurück. Wenn man dreißig Jahre kein neues Album rausgebracht hat, sollte die erste Single schon irgendwie der Bringer sein. Der Text ist typisch Rammstein, für das Thema aber deutlich zu zurückhaltend. In der Anfangszeit wäre das noch ok gewesen, aber das Land hat sich seit den Neunzigern geändert, das kann Till durchaus in den Texten berücksichtigen. Inhaltlich hab ich da einfach mehr erwartet. Das Video dazu fand ich ok, die Aufregung zu groß für den Inhalt.

Besonders blöd: “Wer hoch steigt, der wird tief fallen.”. Was soll hier “hoch gestiegen” bedeuten?

Radio – gefällt mir rundum. Musik, Text, Video passt. Highlights: “Meine Ohren werden Augen” und “Jenes Liedgut war verboten. So gefährlich fremde Noten.”

Zeig Dich – sehr gut, hätte ich mir im Refrain wuchtiger gewünscht. Highlight der Text. “Aus Versehen sich An Kindern vergehen”

Ausländer – von bis. Von “Ich bin kein Mann für eine Nacht – Ich bleibe höchstens ein zwei Stunden” (Yeah) bis “Du kommen mit, ich dir machen gutt” (WTF?) Musikalisch gut, das Video rassistisch. Wie bei “Deutschland” – die Zeiten haben sich seit den 90ern geändert, das sollte auch Rammstein anerkennen. Ich weiß, dass sie keine Rassisten sind, aber diese Unbekümmertheit ist nicht mehr angebracht. Und ja: auch Nichtrassisten können rassistische Dinge tun. Wieder ein Fall von: da hätte ich mehr erwartet. Referenz dazu wäre z.B. das Video zu “Mein Land”.

Sex – Text ok, Musik meh. Potential, aber zündet nicht. Schön: “Denn besser liederlich als wieder nicht”

Puppe – so soll das. Mit Abstrichen. Text Klasse, Musik passend aber zu zurückhaltend, die hätte im Refrain gerne noch abgefahrener sein können. Aber das ist in dem Fall Meckern auf hohem Niveau. “Dam dam”

Was ich liebe – na ja, nicht meins. Sehr melancholisch, als hätte Till noch was zu verarbeiten gehabt. Musikalisch auch nicht der Bringer.

Diamant – wie “Was ich liebe” nicht meins, immer noch was zu verarbeiten. Aber Text und Musik gehen in Ordnung. Ballade.

Weit weg – Oh. Oh je. Nee. Wieder nicht meins.

Tattoo – Potential, Text ok, Musik ok, aber irgendwie beliebig. Highlight: “Deinen Namen stech’ ich mir. Dann bist du für immer hier. Aber wenn du uns entzweist. Such’ ich mir jemand, der genauso heißt”

Hallomann – Idee genial. Text sehr gut,etwas zu verklausuliert. Musik bleibt dahinter zurück. Schöne Melodie aber zu langsam, keine Wucht.

Tja, ich hoffe, das ist nicht die langfristige Richtung, dieses langsame. Ich kann über mittelmäßigen Text hinwegsehen, wenn die Musik stimmt, umgedreht ist das leider nicht so. Und wenn beides mäßig ist, kommt “Bückstabü” raus.

Trotzdem gibt es einige sehr gute Lieder, der Rest ist mittel, richtig schlecht ist keins. Ist ok.

Live gehen auch die mäßigen Lieder gut, Feuer und Lautstärke helfen.

“Richtig ist was Richtig ist”

Kritik: Rammstein in Nîmes

Apropos Rammstein, 2017 trat die Band in Nîmes auf, wer die Stadt kennt und auch den Konzertfilm von Nîmes, weiß, dass das etwas sehr außergewöhnliches ist.

Die Chance musste ergriffen werden, Kurzurlaub genommen, Auto gestartet, ab nach Nîmes. Auf dem Weg einen Sprung in der Windschutzscheibe eingehandelt, der uns auch den ganzen Rückweg über begleitete – so eine Scheibe ist halt ohne Ersatzscheibe nicht so schnell ausgewechselt.

Das Wetter in Nîmes war sehr sonnig, wir hatten ausgiebig Gelegenheit, die Stadt zu erkunden, sehr empfehlenswert. Eine sehr hübsche verwinkelte Altstadt, in Fußwegentfernung ein Park mit Aussichtsturm, römische Bauten und nicht die geringste davon – die Arena.

Bei unserem ersten Besuch hatten wir die Arena als Amphitheater bereits besichtigt, ohne Band drin, trotzdem sehr beeindruckend. Jetzt stand uns Rammstein bevor – würde das Konzert unseren Erwartungen standhalten?

Jetzt muss man zugeben – Rammstein ist eine der besten Livebands der Welt, unterstützt durch eine bombastische Show – so was sieht mal selten. Sehr selten. Also waren unsere Erwartungen nicht nur hoch, sondern durchaus berechtigt hoch. Außerdem hatten wir das Konzert schon in der Waldbühne gesehen, wussten also, was kommt.

In der Arena selbst findet man sich schnell zurecht, der Einlass war sehr gut organisiert, in meinem Alter gönnen wir uns auch numerierte Plätze, I muss da mit, obwohl sie das altersmäßig noch nicht müsste. Schon den Platz einnehmen, die ganzen Fans sehen, das stimmt einen auf einen schönen Abend ein. Apropos Fans – sehr unterschiedlich, von alt (icke) bis jung, von Stino (wieder icke) bis Gothic – kein Problem. Vor allem herrschte dort eine sehr freundliche Atmosphäre – wann hat man das schon einmal.

Den Anfang machten zwei Frauen am Klavier, die Rammstein spielten. Das war schon gut. Sie sangen auch dazu, das war nur teilweise gut. Mir hätte das Spielen gereicht, dafür gerne mehr davon. Insgesamt aber ein sehr guter Auftakt.

Dann warten auf Rammstein – Umbau, Toilette, gucken, Atmosphäre der Arena genießen. Ruhe. Der Countdown. Mitzählen. Freuen. Lachen. Der Vorhang fällt – Rammstein kommt – Lärm.

Es ist sehr schwer, das Konzert zu beschreiben. Es passte einfach alles. Die Arena, dazu die Musik, die Show, Feuer, begeisterte Menschen, unglaublich gut. Neben dem Konzert in der O2-World das beste Konzert von Rammstein bisher. Die Arena macht das perfekt.

Zweieinhalb Stunden genießen, ein bisschen zur Seite rücken, damit die schwangere Frau hinter einem auch was sieht, mitsingen (oder auch nicht), ein wenig wippen, und hoffen, dass das Konzert noch lange hält.

Als Abschluss dann Frühling in Paris…

Kritik: Rammstein: Paris

Ein Konzertfilm über das Paris-Konzert von Rammstein vom März 2012. Das Konzert war Teil der “Made in Germany 1995–2011”-Tour, wir hatten das Konzert in der O2-World gesehen. Habe ich nicht drüber geschrieben, war aber eines der besten Konzerte von Rammstein und überhaupt, die ich gesehen habe. Eine Band mit einem Riesen-Ego, die ein Konzert spielen über mehrere Bühnen, mit Pausen dazwischen, genialen Einfällen, Brücken über die Bühne, peitschenden Bandmitgliedern, “Mann gegen Mann”, was soll ich sagen – schaut es Euch selbst an.

Dafür ist der Film gut geeignet, ist natürlich nicht so gut wie live, aber Regisseur Akerlund hat sich halbwegs zurückgehalten mit Extremschnitten und Nachverfremdung, so dass man sich das Konzert gut ansehen kann. Es hilft natürlich, wenn man laut machen kann. Und eine große Leinwand hat.

Daher waren wir im Zoo-Palast, um das Atmos-Kino mal auszureizen. Das Kino selbst war eine eher zwiespältige Erfahrung. Einerseits große Leinwand, guter Sound. Andererseits offene Türen mit viel Nebenlicht und undisziplinierten Ordnern. Wir waren danach nicht noch mal in diesem Kino.

Fazit: sehr guter Konzertfilm eines denkwürdigen Konzerts.