Die Stadt ist voll

Das ist in den letzten Tagen auffällig: die Stadt ist einfach voll. Der Autoverkehr fährt nur selten, im Berufsverkehr steht man. Mit dem Fahrrad komme ich gut vorbei, aber schon mit dem Motorrad würde das schwer werden.

Was tun? Wahrscheinlich konsequent den individuellen motorisierten Verkehr aus der Stadt holen, auf Öffentlichen Nahverkehr, Busse, Taxis, und Fahrräder setzen. Und das Ganze weniger über Verbote, sondern über Förderung des “richtigen” Verkehrs. Das würde auch die Lebensqualität in der Stadt erhöhen, die derzeit hauptsächlich von “Autos ausweichen” und “den Autos weichen” geprägt ist.

Werde ich das noch erleben? Wahrscheinlich nicht. Dafür ist das Auto als Synonym für Verkehr zu fest in den Köpfen drin. Egal, ob man da nur im Stau steht, Hauptsache nicht Öffis oder Fahrrad.

Was bedeutet das für mich konkret? Ich werde noch öfter von Autofahrern aggressiv abgedrängt, belästigt, geschnitten, ausgebremst etc. werden, weil die mittlerweile jede Möglichkeit zum Vorankommen nutzen und offensichtlich auch neidisch auf jeden sind, der schneller vorankommt (siehe die Autotüröffner im Stau, wenn man mit dem Motorrad kommt). Das kann nicht sein, also wird es mit Gewalt verhindert.

Was wäre schön: mediales und politisches Umdenken.

Biken ist SICHER cool!

Ja. Das ist der Slogan der Polizei Berlin und ihrer Partner der Verkehrssicherheit für die neue Motorradsaison. Das ist so uncool und dabei auch noch inhaltlich sehr weit am Problem vorbei.

Was wird so geboten?

Zu Beginn der Motorradsaison bietet die Polizei Berlin zusammen mit unseren Partnern für Verkehrssicherheit in ihrer Aktion „Biken ist SICHER cool!“ umfassende Informationsangebote rund um das Thema Motorradsicherheit an.

Die konkreten Angebote: bitte selbst lesen.

Das Problem: ähnlich wie die viele Aktionen für Fahrräder konzentriert sich das Ganze auf Motorradfahrer_innen und Radfahrer_innen. Die sind meist nicht das Problem, sondern die Autofahrer_innen. Z.B.  erst gestern wieder. Einfach mal Motorrad umgefahren.

Das zweite Problem: im Verbund mit den Partnern und einer sinnbefreiten Presse wird immer wieder der Eindruck erweckt, die (Motor-) Radfahrer_innen wären diejenigen, die das größte Fehlverhalten an den Tag legen würden und deshalb zwangsläufig verletzt werden oder sterben müssen. Dass dem nicht so ist, ist einfach egal.

Denn dann müssten ja auch die Autofahrer_innen mal ihr Verhalten überdenken und, oh Schreck, auch einmal Rücksicht zeigen, oder, noch viel schlimmer, sich an die Verkehrsregeln halten. Soweit kommt es noch.

Bevor sowas einreißt, lieber Opferschelte (Victim-Blaming) betreiben. Ist einfacher. Und wohlfeiler.

(Quelle: Polizeimeldungen Nr. 0783 und 0779 vom 31.03.2015)

Wieder mal knapp

Auto vom rechten Fahrbahnrand wendet über drei Fahrspuren hinweg, ohne zu blinken, ohne sich umzusehen. Wie auch, musste ja am Handy was machen.

Eine Notbremsung später (neue Bremsbeläge am Motorrad), die ihn nicht interessiert, bin ich unverletzt.

Hat ihn überhaupt nicht interessiert. Einzige Reaktion “Aber ich hab’ doch geblinkt.” Interessant auch auf meine Nachfrage, wie das mit dem Handy war: “Aber ich hab doch trotzdem geblinkt.” Der glaubt das auch, dass er geblinkt hat.

Ja, das sind die Deppen, die andere ins Krankenhaus fahren.

Drängelnder Taxifahrer

Da war gestern noch der Taxifahrer (B-GK…), der die gesamte Französische Straße versuchte, rechts oder links von mir (Motorrad) vorbeizufahren. Abstand zwischen 10 und 20 cm. Ging aber nicht auf einer zweispurigen Straße mit Baustellen und Gegenverkehr.

Dafür konnte er dann bei Rot (Oberwallstraße) an mir vorbei und in den Schinkelplatz einbiegen. Merke: Autofahrer fahren nur deswegen so selten bei Rot, weil ein Auto vor ihnen steht. An Motorrädern kommt man besser vorbei.

Gestern hat sowas bei jemand anderem zu einem Unfall geführt hat. Habe ich wohl Glück gehabt.

Noch unbekannt ist ein Autofahrer, der gestern Abend gegen 21.15 Uhr in der Hermannstraße mit seinem Pkw in einen Unfall verwickelt war. Als ein 58-jähriger Mopedfahrer in Höhe der Hausnummer 78 nach bisherigen Erkenntnissen einen Radfahrer überholen wollte, wurde er seinerseits von einem Kleinwagen überholt. Der Pkw streifte das Moped, worauf der 58-Jährige stürzte. Er wurde mit einer schweren Schulterverletzung in ein Krankenhaus gebracht.

Autofahrer

Autofahrer.

Es ist Zeit für einen komplett ironiefreien Eintrag und sei es, damit Du nicht sagen kannst “das hätte mir mal jemand sagen müssen”. Und: ja, es wird profan.

Du bist die Gefahr im Straßenverkehr. Wenn jemand darüber redet, dass “der Straßenverkehr” Opfer fordert, wenn Menschen im Straßenverkehr sterben oder verletzt werden, dann bist Du das. Es sind nicht die Radfahrer, die Fußgänger, die Motorradfahrer, nein, Du.

Kinder tragen beim Schulanfang leuchtende Mützen, weil Du Dich nicht beherrschen kannst, wenigstens vor Schulen ordentlich zu fahren. Du fährst Deine Kinder mit einem SUV zur Schule und merkst nicht mal, wie lächerlich das ist.

Fußgänger werden vollgemeckert, wenn sie dunkle Sachen tragen und von Dir umgefahren werden.

Radfahrer werden auf den Helm hingewiesen, weil Du Dich nachgewiesenermaßen nicht an die Regeln hältst und alle resigniert feststellen müssen, dass Du das auch nicht mehr tun wirst. Du bist bei jedem Unfall das Opfer, auch wenn im Unfallbericht immer steht “Der Autofahrer blieb unverletzt, der Radfahrer ist tot.”

Wenn eine Radfahrerin, wie z.B. gestern geschehen, gegen eine Autotür fährt, dann “verletzt sie sich nicht”. Nein, Du hast die Tür aufgemacht und sie verletzt. Du warst das. Nicht die Umstände, nicht die mangelnde Sicht – Du hast einfach nicht geguckt.

Wenn Du einen Radfahrer beim Abbiegen umfährst (oder ein Kind, wie heute geschehen) oder Motorradfahrer killst, dann liegt das nicht daran, dass die aus dem Nichts auftauchen oder schwer zu sehen sind. Du hast einfach nicht hingeschaut, weil es Dir egal ist. Ja, es ist Dir egal, ob Menschen verletzt werden. Das ist der Preis, den Du bereit bist zu zahlen. Verletzte andere Menschen.

Letztes Jahr hast Du mit dem LKW sechs Menschen beim Abbiegen umgebracht. Meist wird zunächst nach der Schuld bei den Toten geschaut. Die hätten vom toten Winkel wissen müssen. Du natürlich nicht, der Du ein tonnenschweres Fahrzeug durch die Stadt bewegst ohne sehen zu können, wohin Du fährst. Der tote Winkel ist nicht gottgegeben. Es gibt Spiegel. Es gibt Beifahrer.

Ach ja, Du bist auch derjenige, der den Verkehr lahmlegt. Das sind nicht die Radfahrer vor Dir auf der Fahrbahn oder neben Dir auf dem Radweg. Die können Dich gar nicht aufhalten. Nein, der Einzige, der den Verkehr lähmen kann, bist Du, wenn Du Dich in Kolonnen hinstellst oder auf der Autobahn mal wieder einen Unfall verursachst.

Und weil das so ist, brauchst Du auch nicht hinter Radfahrern hupen oder die eng überholen. Erstens bringt Dir das keinen Zeitgewinn. Zweitens verstößt es gegen die Straßenverkehrsordnung. Du kennst doch die StVO? Vom Namen her? Schau’ mal rein, da sind viele Regeln anders als Du denkst.

Zum Beispiel existiert die Regel nicht, dass Du Leute bestrafen darfst, die Deiner Meinung was falsch machen. Schau’ nach. Das steht da nicht drin. Abgesehen davon, dass Deine Meinung meist falsch ist. Insbesondere, wenn es um Radfahrer geht.

Und umgedreht: wenn Du jemanden eng überholst oder fast umfährst oder die Vorfahrt nimmst: Du bist Schuld. Du darfst die Leute dann nicht einfach beleidigen oder umfahren oder anspucken. Wenn die sich wie Du verhalten würden, dürften sie Dir sofort ein Bein brechen oder ähnliches.

Wenn Du was falsch gemacht hast (und das kommt vor): entschuldige Dich. Das ist ganz einfach. “Entschuldigung.” Fertig.

Und komme mir nicht mit “aber …” Jedesmal, wenn Du mit “aber” anfängst, kommt Unsinn dran, der nichts zur Sache tut. “Aber die Radfahrer fahren alle bei Rot.” Das ist kein Argument. Das ist Scheiße. Das Letzte, was ich hören will, wenn Du mich umgefahren hast ist “Aber wir machen doch alle mal Fehler. Aber da müssen wir alle mal Rücksicht nehmen.” Scheiße. Dreck. Mist.

“Aber die anderen halten sich auch nicht an die Regeln.” Scheiße.

“Aber der ist auf der Straße gefahren obwohl da ein Radweg war.” Scheiße.

“Aber ich konnte nix sehen, da bin ich einfach losgefahren.” Scheiße.

“Aber alle fahren 10 drüber.” Scheiße.

“Der Verkehr ist so unübersichtlich geworden.” Wenn Du nicht mehr den Verkehr beherrscht: fahre nicht mehr Auto. Eisenbahnen, Straßenbahnen, Busse, Taxis, Fahrräder – das alles ist bereits erfunden worden.

Und Du bist nicht nur gefährlich, Du bist offensichtlich auch doof. Da werden Verkehrskontrollen angekündigt mit Karten, wo Blitzer stehen und Du fährst trotzdem rein. Das ist doof.

Bei Kontrollen beschwerst Du Dich sowieso immer über die Abzocke. Nein, die machen das nicht nur wegen des Geldes. Die machen das, weil Du sonst Leute tot- oder ins Krankenhaus fährst. Deswegen. Wenn es Dir um die Abzocke geht: fahr’ vorschriftsmäßig. Dann zahlst Du kein Geld. Ist einfach.

Also noch mal zum Mitschreiben: wenn Du den Verkehr sicherer und schneller machen willst: halte Dich an die Verkehrsregeln. Ohne “aber”.

Übrigens: Das alles gilt in vollem Unfang auch für Autofahrerinnen.

Taxifahrer

Taxifahrer: Ihr würdet Euch mehr Sympathie einhandeln, wenn Ihr Euch an die Verkehrsregeln halten würdet.

Ihr würdet auch für mehr Sicherheit im Straßenverkehr sorgen, wenn Ihr Euch an die Verkehrsregeln halten würdet.

Ihr würdet auch nicht vor Gericht rumweinen müssen, dass Berufskraftfahrer auf ihren Führerschein angewiesen sind, wenn Ihr Euch an die Verkehrsregeln halten würdet.

Auf einer halbstündigen Fahrt einmal fast umgefahren zu werden und einmal auf der Hauptstraße übersehen zu werden ist nicht der Brüller und äußerst gefährlich für mich. Dann noch zu schauen, als ob nicht gewesen wäre, erhöht das Verständnis auch nicht wirklich.

Und wenn ich bei drei Taxifahrten von zwei Taxifahrern mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit befördert werde, ist mir das nicht angenehm oder recht.

Warum denkt Ihr eigentlich, dass Verkehrsregeln nur für die anderen gelten? Oder dass Ihr im Griff habt, wenn Ihr zu schnell seid? Weil Ihr das beruflich macht? Dann müsste ich ja nicht dauern Notbremsungen einleiten, oder?