Autos als Mittel der Kontrolle, Einschüchterung und Bestrafung

Christine schreibt in Radfahren in Stuttgart über die Doktorarbeit von Tara Goddard von der Portland State University, die sich mit dem Verhalten von Autofahrern gegenüber Radfahrern beschäftigt. Die Arbeit hab ich im Original noch nicht durchgelesen, die Auszüge, die Christine beschreibt, sind sehr erhellend.

Die Arbeit geht von der Frage aus, die sich Radfahrende immer wieder stellen: Warum hassen uns die Autofahrer? Und zwar zuweilen so sehr, dass sie unseren Tod in Kauf nehmen indem sie gnadenlos knapp überholen oder schnell abbiegen. Warum geben wir so schnell den Radfahrern die Schuld an ihren Unfällen, zumindest aber eine Mitschuld?

Yepp. Heute nur auf dem Hinweg dreimal.

Von außen gesehen sind Autos anonym, sie sind Gegenstände. Deshalb fällt es uns schwer, Autos zu hassen, aber ganz leicht, Radfahrer zu hassen. Denn Radfahrer sind in ihrer jeweils individuellen Gestalt sichtbar, als Männer, als Frauen, als Kinder, als Alte oder Junge, als elegant oder schlampig angezogen, als sportlich oder unsportlich. Autofahrer reagieren darauf, sie halten einer älteren Studie zufolge mehr Abstand zu Radfahrenden, wenn sie weiblich sind und keinen Helm tragen. Sie halten weniger Abstand zu männlichen und jungen Radlern mit Helm und Schutzweste.

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Ich selber beobachte: Je mehr Radfahrer Fußgängern gleichen (aufrecht, normal angezogen, langsam unterwegs), desto rücksichtsvoller verhalten sich Autofahrer. Sehen sie hingegen einen über den Lenker geduckten Langstreckenradler mit Helm, Rucksack und Radlertrikot, dann geht es plötzlich um mehr: Nämlich um einen Machtkampf um den Platz auf der Straße. Dann zeigt so mancher Autofahrer dem jungen Mann auf dem Rad, wer das Sagen hat auf den Straßen: er hupt, er schneidet ihn beim Überholen, er übersieht ihn beim Abbiegen. Es ist eine Machtdemonstration im Vollgefühl, im Recht zu sein, die unsere Gesellschaft toleriert.

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Autofahrer fühlen sich in der Mehrheit (die sie in Städten oft gar nicht mehr sind) und darum glauben sie sich oben in der Hierarchie. Sie reklamieren mehr Rechte und Vorteile für sich als sie den “Unteren” zugestehen wollen. So lehnt ein Teil der Autofahrer beispielsweise Tempoblitzer als “Abzocke” ab (also Kontrollen ihres Fehlverhaltens), fordern aber gleichzeitig dass Räder mit Nummernschildern versehen werden, damit man das Verhalten von Radfahrern besser kontrollieren kann.

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Die Fahrbahn wird zum Schlachtfeld, auf dem die Autogesellschaft ihre Vorherrschaft behaupten will, ganz hautnah durch hupen, dicht auffahren, nicht an Zebrastreifen bremsen, keine Straßensperren beachten, auf Radwegen parken, zu eng überholen, nicht gucken beim Abbiegen, zum teils tödlichen Nachteil für Fußgänger und Radfahrer. Autos werden wie Waffen zur Kontrolle und Einschüchterung, sogar zur Bestrafung Schwächerer eingesetzt.

Das belegt Goddard mit vielen Umfrageergebnissen. So sind die eingefleischtesten Autofahrer beispielsweise gar nicht willens, sich nach einem Radfahrer umzuschauen, wenn sie abbiegen. Sie sind ihnen egal. Und je mehr sie Radfahrer hassen, desto eher sind sie auch bereit, sie totzufahren.

Yepp. Einfach selbst lesen, sind noch viele interessante Erkenntnisse drin.

(Quelle: Radfahren in Stuttgart)

Ich bekenne: Ich fahre bei Rot über Ampeln!

Ein sehr schöner Beitrag von Martin Junghöfer bei it started with a fight über Radfahren und Ampeln. Viele schöne Ideen drin, manches diskussionswürdig.

Ich drehe den Spieß um, ich rede mich nicht raus, sondern ich bekenne offen, daß ich gelegentlich absichtlich und mit vollem Bewußtsein bei Rot über Ampeln fahre! Und ich begründe dieses “ordnungswidrige” Verhalten folgendermaßen:

  1. Bei Induktionsampeln kann ich nicht vorhersagen, ob sie auf mich reagieren.
  2. Es gibt Ampeln, die sind für Autofahrer sinnvoll, für Radfahrer aber nicht.
  3. Ampeln sind undemokratische Zwangsmaßnahmen, ihre Übertretung ein Tabubruch.
  4. Die Ampelinflation ist neurotisch.
  5. Verkehrsverflüssigung und Verkehrsberuhigung gilt nur für Autofahrer.
  6. Die Taktung der Fußgängerampeln ist für Radfahrer unsinnig.
  7. Ampeln sind für Autofahrer erfunden worden.
  8. Der Gesetzgeber will nicht, daß Radfahrer – entgegen gebetsmühlenartig wiederholter Propaganda – Verkehrsteilnehmer wie alle anderen sind.
  9. Warum heißt der Kotflügel „Kotflügel“?
  10. Die StVO ist grundgesetzwidrig.

(Quelle: it started with a fight)

Mahnwache für getötete Radfahrerin

Gestern ist eine 31-jährige Radfahrerin verstorben, die am Mittwoch von einem abbiegenden Lkw-Fahrer überfahren wurde. Wieder einmal zeigen nutzlose Straßenmalereien und unsicheres Kreuzungsdesign, dass dringender politischer Handlungsbedarf für eine sichere Radinfrastruktur besteht. Der Volksentscheid Fahrrad, der ADFC Berlin, das Netzwerk Fahrradfreundliches Pankow und andere Initiativen rufen gemeinsam zur Mahnwache morgen, Freitag, 30. Juni 2017 um 18:30 Uhr auf. Sie wünschen sich ein Machtwort des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Michael Müller, Radverkehrssicherheit zur Chefsache zu machen.

Mahnwache:
Ort: Danziger Straße Ecke Greifswalder Straße, Pankow
Zeit: Freitag, 30. Juni 2017 von 18:30 bis 19:30 Uhr

Mehr bei der Rad-Spannerei.

Taxifahrer, reißt Euch mal zusammen

Zuerst Parken im Halteverbot, dann auf dem Radstreifen. Dann ein Taxifahrer, der im Gegenverkehr stand und mich bedrängte, um wieder auf die richtige Spur zu kommen (Tip: einfach vorher warten). Dann ein Taxifahrer, der auf dem Radstreifen stand und 200 Meter weiter noch einer, der auf dem Radstreifen stand.

Und den krönenden Abschluss dann der Fahrer, der von der linken Spur über meine Spur rückwärts in die Bushaltestelle abbog, nicht guckte, mich fast umfuhr (Vollbremsung meinerseits) und dann anschrie.

Das alles war nur die Hinfahrt, 25 Minuten.

Reißt Euch mal am Riemen. Schaut mal in die StVO. Haltet Euch dran.

Überholabstand eines @DB_Bahn-Bus

Nicht viel, würde ich sagen, extrem viel, sagen der Busfahrer und sein Begleiter.

Denn, he, schneller war der Bus nur an der roten Ampel dran, dann hatten wir Zeit. Und statt kurz die Hand zu heben oder sich sonstwie zu entschuldigen, konnte der Fahrer gut gestikulieren, wie viel Platz er gelassen hatte. Sein Kollege im Bus war dann einer der “hab Dich nicht so”-Leute. Klar, warum aufrege, wenn man fast überfahren wird.

Übrigens, BVG-Busse fahren da üblicherweise hinterher oder warten auf eine Lücke zum Überholen.

2017-05-22_Eng_DB-Bus

Brooks-Probleme again

2017-04-06_BrooksIch weiß nicht, ich habe eigentlich einen Brooks-Sattel, weil die so unkaputtbar sind. Da ist es schon erbärmlich, dass mir jetzt der zweite durchgebrochen ist – nach zwei Jahren (7.000 km), der erste war nach drei Jahren (ca. 10.000 km) gebrochen.

2017-04-06_SQLabJetzt probiere ich SQLab aus, mal gucken. Fuhr sich heute erst mal deutlich angenehmer als Brooks, vielleicht hält er ja auch länger…

Tarnkappe Fahrrad

Der beste Weg, unsichtbar zu werden, ist auf ein Fahrrad zu steigen.

Sobald man draufsitzt wird man nicht mehr gesehen. Weder von Autos, Fußgängern oder anderen Radfahrern. Da ist es egal, was man anzieht oder wo man fährt. Ganz besonders unsichtbar ist man an Kreuzungen, an denen LKW rechts oder links abbiegen wollen.

Kannste nix machen.

Das heißt – doch. Wenn Du gesehen werden willst, schalte nachts das Licht aus. In kürzester Zeit wirst Du angehupt von Leuten, die Dir dann zurufen, dass sich Dich wegen des fehlenden Lichts nicht sehen können.