Portugal – erste Eindrücke

Vor drei Tagen sind wir in Portugal eingetroffen, Zeit für erste Eindrücke.

Unser erster Ort war Guimarães, eine Stadt im Norden Portugals, klein aber nett. Zunächst fällt auf, und dieser Eindruck hält sich, dass das Fußballfieber hier deutlich stärker grassiert. Ein Sender ist ständig am Berichten, Spiele, Training, Pressekonferenz, Berichte, Klassiker, … Die Fahnen an den Häusern, Geschäften, Restaurants etc. sind auch nicht zu übersehen. Das hat doch andere Ausmaße als in Deutschland.

Zum zweiten wohnten wir in Guimarães neben einem Einkaufszentrum, das ist auch besser als in D., es gibt immer eine Etage mit Restaurants, neben Baguettes (frisch gefertigt) gibt es Suppen, Pizza, eine Fast-Food-Kette und viele andere Leckereien mehr. Zudem schmeckt es. Erstaunlich.

guimaraesguimaraes1 Guimarães selbst bietet einen schönen Palast und einen Ausflugshügel mit tollem Blick. Alles mitgemacht. Beim Tanken kam die Überraschung, dass Diesel genausoviel kostet wie in F. oder D. Bloß Spanien war biliger. Dafür wird dort gestreikt, wir verfolgen das mit Interesse, wir müssen ja durch Spanien wieder zurück.

coimbraCoimbra ist die alte Hauptstadt von Portugal, als es die Könige noch gab und das Wünschen noch geholfen hat. Zu dieser Zeit wurden Paläste auf Berge gebaut, dementsprechend gibt es viele Höhenmeter zu überwinden bis zum geschlossenen Kloster, der geschlossenen alten Kathedrale, der geschlossenen neuen Kathedrale und der offenen Universität. War Sonntag. Montag neuer Anlauf, neue Kathedrale immer noch zu, alte schön, Kloster mit Messe, daher zu. Mist.

Trotzdem ist Coimbra zu empfehlen, hat viel Flair und eine angemessene Gelassenheit. Wenn man nicht gerade in eine italienische Reisegruppe gerät.

lissabon1lissabon2Lissabon ist da anders: Großstadt, hektisch, lebhaft. Uns wurden schon dreimal Haschisch und Kokain angeboten, wir haben abgelehnt. Wir kaufen unser Dope nicht bei wildfremden Leuten auf der Haupteinkaufsstraße, Drogenkauf ist Vertrauenssache. Eine Sonnenbrille von Polaroid mit polarisierten Gläsern, ok. Eine Gemeinsamkeit mit Coimbra sind die Höhenunterschiede, es gibt extra Fahrstühle, um diese zu überwinden. Fahrstühle im Stil Eiffels, mit viel Luft und Platz zum runterschauen. Höhenangst – ich komme.

sintra1sintra2sintra3Um dem Trubel etwas zu entkommen, bietet sich ein Ausflug nach Sintra an, die Stadt ist zwar uninteressant, aber zwei Paläste und eine Burgruine laden zum Entdecken ein. Die Paläste sind beeindruckend. So kann man leben. Die Burgruine ist eng, steil, mit viel Platz zum Runterschauen. Hab’s geschafft, aber mit viel Bodenblick. Es sollte Scheuklappen zu Kaufen geben. Es gab auch Sonnenbrand, aber damit war zu rechnen.

Den Abschluss bildete ein Bad im Pool des Hotels auf dem Dach (8. Etage), das ist schön dekadent. Morgen spielt Portugal wieder, diesmal sind wir in einer Kneipe dabei (ist ja schon 17 Uhr Ortszeit).

I sagt: Trotz der Schilderung in der ersten Person Singular bei der Maurenburg: ich war auch dabei. Morgen wird das Portugal-Shirt getragen!

PS: Gerechte Strafe für Griechenlands Spielweise. Schweden olé.

Reisezeit – Literaturzeit

(geschrieben am 7.6.08): Zunächst einmal schockierende Nachrichten von der Katzenfront: Lemmy frisst schon nach zwei Tagen der Katzensitterin aus der Hand. Dass Ronnie ein Futterverräter ist, wussten wir ja, aber dass auch Lemmy uns so schnell vergisst – das tut weh.

gegend2Heute war wieder ein ausgedehnter Reisetag, der dritte nacheinander. Dafür sind wir in Portugal angekommen, in Guimarães. Die letzten drei Tage sind wir 2.605 km gefahren, das strengt mal mehr, mal weniger an. Es empfiehlt sich ein Diesel (fährt sich einfach ruhiger), ein ausgeglichenes Wesen (und da komme ich ins Spiel), sowie angemessene Unterhaltung. Da man sich auf einer langen Fahrt nicht ständig unterhalten kann, haben wir Hörspiele mitgenommen, das hilft selbst über die spanischen Ebenen oder die wolkenverhangenen französischen Augensteppen hinweg.

forcafussballHeute war auch der Auftakt der EM, wir sind zwar zum ersten Spiel zu spät gekommen, haben dafür das zweite gesehen, “wir” haben auch verdient gewonnen. Bisher macht Portugal einen netten Eindruck, die Autobahnen sehr neu, leider waren daher auch die Raststätten noch nicht fertig. Auch in Spanien gab es kaum welche, dort wird man von der Autobahn weg durch trostlose Dörfer geleitet (bei denen nur der abgerissene Strauch fehlt, der durch die Straßen weht), das war nicht unser Ding. Der Einstieg in Spanien war auch gewöhnungsbedürftig, wir hielten an einer Raststätte, bei der ich darauf wartete, dass ein Mexikaner, der größte Mexikaner, den ich je gesehen habe, durch die Tür kommt. Sein Gesicht liegt im Schatten. Immer, wenn man denkt, jetzt müsste es beleuchtet werden, zieht sich das Licht zurück. In seiner Hand hält er einen Gitarrenkoffer…

gegend1Zu den Gegenden selbst: Tschechien und Deutschland haben volle Straßen, dort ist auch die Fahrt eher interessant (Agatha Christie). Frankreich bietet dem Auge wenig Abwechslung, die Straßen sind mal mehr, mal weniger voll, ergibt langweilige Fahrten (Ake Edwardson, John Grisham). Spanien war am Anfang sehr interessant: bergige, abwechslungsreiche Gegend mit Meeresblick, nach einer Weile kommt man auf die spanische (Hoch?)Ebene, dort wird es richtig langweilig. Größte Abwechslung: blaue Brückengeländer (Ken Follett). Der Übergang nach Portugal ist wieder bergiger und damit interessanter.

Das Wetter hat sich zum Besseren gewendet, nach 30°C in Berlin durchlitten wir 22°C in Prag, 9-12°C in Frankreich, 14-22°C in Spanien und sind derzeit bei 24°C angelangt.

I sagt: Ein Tempomat wäre auch nicht schlecht für die langweiligen, leeren spanischen Autobahnen. In Portugal gab es auf der Autobahn so Notausfahrten für wenn man nicht mehr bremsen kann, eine sah schon benutzt aus…Portugal allez!

Franzosen können nicht ausparken

unfallDaher haben wir heute am ersten Reisetag schöne Lackschäden rechts hinten bekommen. Es ist schon interessant, wie man ein ganzes Auto übersehen kann, das hinter einem steht.

Wir waren, wie uns der Europäische Unfallbericht ans Herz legt, höflich und ruhig, die Franzosen auch, haben im Regen den Bericht ausgefüllt und werden das wohl selbst bezahlen dürfen. War zumindestens damals mit den Engländern so.

Hoffen wir, dass es tatsächlich nur der Lack war.

Ansonsten gut durchgekommen, eine Stunde Verspätung wegen Baustellen und Staus, nach Brutto 11 Stunde Fahrt in Nuits Saint Georges gelandet. In Prag Sonne, dann kalt und Regen, hier sind es noch 13 Grad. Brrr.

Prag

Prag – die goldene Stadt.

Das war wohl einmal, oder immer schon nur auf die Innenstadt bezogen. Oder ohne Regen. Wer weiß.

truebnassSo ein regnerischer Tag ist nicht die beste Voraussetzung, eine Stadt anzuschauen. Da muss schon einiges stimmen, um einen schönen Tag draus zu machen. Es war z.B. ok, dass es warm war, trotz Regen froren wir nicht.

Los ging’s vom Hotel mit der Straßenbahn in die Innenstadt. Es ist deprimierend, zu sehen, wie es eine Grenze innerhalb einer Stadt gibt, hinter der die Gebäude auf einmal renoviert sind, alles glänzt, schöne Häuser stehen etc. An der Innenstadt gibt es nichts auszusetzen, außer vielleicht die große Anzahl von Touristen. Aber da können wir wohl schlecht meckern.

hradschinuhrkathedraleDie Sehenswürdigkeiten sind beeindruckend, angefangen von Kirchen über die astronomische Uhr und Karlsbrücke bis zum Palast auf dem Hradschin. Alte Gebäude, geschichtsträchtig aufgeladen und gut in Schuss – da hat der Touri seine Freude dran. Leider auch viel Nepp dabei, gerade der alte Königspalast oder die goldene Gasse sind ihr Eintrittsgeld nicht wert. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau, denn die Substanz ist vorhanden.

motorräderIm dritten Schlosshof fand eine Vorführung der Motorradstaffel statt, die (mit BMWs) Kunststücke vollführten, dass das Herz lachte. So in der Art: im-Kreis-fahren, voreinander-Abbiegen oder auf-Kommando-anhalten. Das alles begleitet von mitreißenden Rhythmen der Blaskapelle, die Lieder wie “Rosamunde” intonierte. Alles in allem erinnerte das stark an Zirkus, aufgrund der hohen Polizistendichte trauten wir uns erst in einiger Entfernung, zu lachen. Dafür aber umso herzhafter.

wenzelsplatzNach einem nassen Rückweg und einem kurzen Abstecher ins Nationalmuseum (ich dachte, dort gibt es Technik, die Prager dachten, sie müssten Naturkunde ausstellen) war unsere Erkundungslust vorbei. Wir hätten gerne noch etwas in der Stadt gesessen, aber Bänke waren Mangelware, insbesondere trockene.

kreuzungSo bleibt ein zwiespältiges Gefühl (ähnlich zum Besuch auf Neuschwanstein): die Sehenswürdigkeiten sind toll, alles ist gut organisiert, aber es ist etwas zu glatt und außerhalb der Touristenwege ist längst nicht alles so, wie es sein soll. Schon manches junge Mädchen wurde vor der Zeit… Unser Hotel beispielsweise: neu, nett aber direkt im Rotlichtbezirk mit riesiger Kreuzung. Und die Häuser drumrum: reden wir nicht von.

Letzter großer Kritikpunkt: das ständige Gerauche. Überall. Immer. Aber da kann Prag nicht direkt was für.

I sagt: Ich hätte mir gern noch die Gärten um die Burg herum angesehen, aber wie schon erwähnt, machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Sämtliche Läden auf dem Weg zur Burg waren unter Ramsch zu verbuchen. Auf dem Rückweg hat sich ein Hund auf meinen Schuh gesetzt.

Mnemic, Machine Head, Metallica

karteWenn man schon keine Karten für Metallica in D. bekommt, muss man flexibel sein und nach Prag fahren. Gesagt, getan, das Stadion von Slavia Prag erwartete uns. Den Weg fanden wir schnell, geparkt wurde in einer kleinen Siedlung vor dem Stadion, nach etwas Suchen war ein Parkplatz frei, Entfernung zum Stadion ca. 1,5 km.

Das Konzert war für 19 Uhr angesetzt, wir stiegen 17:30 aus dem Auto und hörten schon die erste Vorband spielen. Es ist eine Unsitte, irgendeine Zeit auf den Karten anzugeben, aber nicht die Zeit, zu der die erste Band anfängt zu spielen. Also zum Stadion geeilt, noch ein Mohnhörnchen hintergeschoben und rein ins Vergnügen. Schon auf dem Weg zum Stadion wurde uns bewusst, dass das Ganze eine laute Angelegenheit wird, wie laut, erfuhren wir erst im Stadion selbst.

Mnemic gefiel uns sehr gut, jedenfalls die anderthalb Lieder, die wir noch hören durften. Sehr laut. Das waren endlich Bässe, die auch in etlicher Entfernung durch den Körper wummerten. Zusätzlich sehr schnell und mitreissend. Müssen wir mal zu Hause was besorgen und in Ruhe reinhören.

Danach Umbaupause, Gelegenheit, das Stadion zu betrachten. Ein neugebautes Fußballstadion, das sehr roh aussieht, die Steine wurden nicht verputzt, ein für mich eher unfertiges Aussehen. Scheint aber Absicht zu sein. Genügend Sanitärräume (außer für Frauen), dafür sehr enge Zu- und Abgänge. Und das Dach ist von unten mit Laminat bedeckt. Passt irgendwie nicht.

mhSightseeing beendet, Machine Head kam. Machine Fucking Head. Fuck yeah. Fucking great show with a fucking great band and a fucking unbelievable great fucking audience. Fuck. Musik war auch ok, laut (wie gesagt), allerdings mehr Gegröle als Gesang, ist live ok, im Radio ist das nicht mein Ding. Ein Lied (mit teilweise Akustikgitarre) hat mir sogar ausnehmend gut gefallen. Machine Head spielte ca. 70 angenehme Minuten, es war etwas kalt und der Rücken ist auch nicht mehr der Jüngste. Nachdem wir mit “fucking awesome” verabschiedet wurden, weil wir “fucking early” ins Konzert gekommen waren und deshalb die “fucking greatest audience” waren, ging es in die Umbaupause für Metallica.

Lange Umbaupause. Die Herren von der Hauptshow ließen sich Zeit bis 20 Uhr, um zu erscheinen. Sie gingen 21:50. Dazwischen gute Musik. Metallica ist einfach mein Ding. Schnell. Sehr schnell. Extrem schnell. “Damage Inc.” live ist unglaublich gut. Und “One” natürlich. Trotz der Feuerwerksraketen. Die neuen Lieder nach dem Black Album (ich weiß, Teilhäresie, weil das Black Album schon zu der neuen Zeit gehört) sind nicht so mein Ding. Langsam. Langweilig. Aber laut. Zum Glück wissen Metallica das und greifen zur Aufmunterung immer wieder auf bewährte Songs zurück. Es muss bloß frustrierend sein, zu wissen, dass das musikalisch Beste bereits mehr als fünfzehn Jahre zurückliegt.

Metallica sind eine Mitmachband. Da wird animiert, was das Zeug hält. Beispiel?

 

Who cares about you?
Metallica cares. And that’s new!

Ja, das ist schlimm. Auch das ständige drauf rumreiten, wie toll alle sind und wie schön es war. Davon etwas weniger tut’s auch. Im September ist Record-Release-Konzert in der O2-World, ich wäre gerne dort, aber Karten wird es wohl nicht geben. Ist nämlich gleichzeitig Einweihung der Halle. Daher: es war gut, Metallica noch einmal gesehen zu haben.

I sagt: Mein erstes Metallica Konzert, noch dazu gleich ein Stadionkonzert, ebenfalls mein erstes. Fazit: viel zuviele Leute 😉 ansonsten hat es mir gut gefallen. Ohne Kopfschmerzen hätte es mir sicherlich noch viel mehr gefallen. Auch die Tatsache, daß ich mal wieder ohne Ohropax (dabei habe ich es extra eingepackt) vor den Boxen dastand, linderte das Kopfweh nicht. Die Tschechen können Metallica nicht korrekt aussprechen und ich sah längst vergessene Fönfrisurdauerwellenwunder für Herren aus den 80ern wiederauferstehen.

Kurz und buendig (1)

Solange wir kein WLAN haben gibt es nur kurze Nachrichten, da wir dann live vor einem oeffentlichen Rechner (mit vielen Rauchern drumrum) schreiben muessen. Die tschechische Tastatur tut ihr uebriges.

Vor der Reise gab es ja noch Aufregung um unsere Katzenbetreuerin, sie kam nicht. Also Hektik, wir sahen uns schon aus Prag wieder heimreisen. Aber zum Glueck konnten wir Vivien fuer die Katzen gewinnen. Glueck gehabt.

Gestern gut in Prag angekommen, Hotel gefunden (im Rotlichtbezirk direkt neben einer grossen Kreuzung mit Strassenbahnen, Kopfsteinpflaster und Krankenwagen/Polizei). Konzert war gut, etwas zu spaet fuer Mnemic gekommen, gute Gruppe, laut. Danach Machine “Fucking” Head: schwer, laut. Metallica etwas anbiedernd, dafuer schnell und laut.

Heute Regen in der goldenen Stadt, da ist dann auch nicht alles Gold, was glaenzt (schlimmer Kalauer!). Trotzdem alles angeschaut. In der Innenstadt ist Prag ok, etwas voll, dafuer ist es aeusserst angeranzt hier draussen. Wie ganz Tschechien. Enttaeuschend. Die Autobahn ausgenommen, die war neu.

Waren an der frischen Luft. Haben ausreichend getrunken (nicht alkoholisch). Alle Tschechen rauchen. Ueberall.

Morgen 900 km nach Frankreich.