Katzen

Da unsere Miezen uns ganz niederträchtig zu vergessen haben scheinen, sogar Lemmy schnurrt unter der Hand der Catsitterin, müssen wir jetzt hier jede Mieze beschreien, die wir sehen. Es gibt derer viele. Sie sind alle furchtbar mager, ganz anders als Ronnie und Lemmy. Sie sind außerdem bunt, getigert, schwarz-weiß, manchmal scheint ein Straßenkater eine Perserkatze überfallen zu haben, einige waren richtig räudig und im allgemeinen aber können sie laut miauen. Das wird besonders gern gemacht, wenn ein potientieller Futtergeber in der Nähe ist. Die Katzen existieren eigentlich überall, in der Großstadt, im Kloster, die Straße überquerend, in der Burg, bei Höhlen und in den abgelegensten Hinkelsteinbetrachtungsgegenden. Dann gibt es noch die in Stein gehauenen Großkatzen, die haben wir auch oft fotografiert. Sie befinden sich meist unter Sarkophagen oder auf Denkmälern. Ihr Gesichtsausdruck wechselt von ziemlich blöd bis aggressiv, je nach Begabung des Künstlers.

Es gibt auch viele Hunde, die alle herrenlos zu sein scheinen. Sie liegen gern mal auf der Hauptstraße in der Sonne oder bahnen sich kopulierend ihren Weg durch den Ferienort. Aber die haben wir weniger beachtet, schließlich mögen wir als Katzenbesitzer keine Hunde!

Porto

Nach dem Besuch von Porto müssen wir uns stark daran erinnern, dass es sonst in Portugal sehr schön, sauber, sonnig, freundlich und ruhig war.

Porto ist anders.

Die Straßen sind eng, die Häuser verfallen, der Dreck auf der Straße ist wie in Berlin, nur mehr Kippen, die Viecher sind räudig und mitten in der Stadt wird man im Hotel vom Krähen der Hähne geweckt, die gegen 6 Uhr dem wolkenverhangenen Himmel trotzen.

Porto bietet alles, was wir in Portugal bisher nicht vermisst hatten: Bettler, aufdringliche Bettler, Bettler mit offenen Wunden, Straßenverkäufer, Musiker, die an den Tisch kommen und einem mit dem Akkordeon ins Ohr brüllen, Brillenverkäufer, die einen am Ausruhen stören und Vögel, die einem im Flug auf den Kopf scheißen.

Andererseits haben sie schöne Brücken hier und Portwein.

Mal sehen, was das Fest des São João bringt, er scheint der Heilige mit dem Hammer (wörtlich) zu sein, denn es gibt überall Plastehämmer zu kaufen, die einen unschönen Ton von sich geben, wenn man mit ihnen auf das Pflaster, auf die Hand, an Beine, an Arme oder auf den Kopf schlägt.

Gestern haben wir “Molwanien” gehört und mäßig lustig gefunden, heute haben wir Teile wiedererkannt.

Fest überlebt, einige Eindrücke: Das auf-den-Kopf-Hämmern ist ein Brauch, der für Kinder erfunden wurde und von diesen, wie auch den Erwachsenen exzessiv betrieben wird. Das ist lustiger, als es sich anhört, solange mit wenig Kraft und kleinen Hämmern gehämmert wird. Alternativ kann man auch dem Gegenüber mit einer Blume oder einem Gewürzkraut ins Gesicht stupsen. Vor dem großen Feuerwerk hörten wir Experimental-Trommelmusik, nicht unbedingt zu empfehlen.

Das Feuerwerk war Klasse, da sind die Portugiesen sehr gut. Thema war Filmmusik, gut in Feuerwerk umgesetzt mit dem typischen großen Abschlussgeknalle. Ist wirklich empfehlenswert. Dabei ist die Wahl des Standorts jedoch von besonderer Wichtigkeit, wir standen am Portuenser Flussufer und damit falsch. Dort sieht man die Bodenillumination auf dem Fluss nicht richtig. Außerdem sind zu viele Menschen für das Ufer unterwegs, nach Abschluss standen wir in einem Gedränge, wie wir es noch nicht erlebt haben. Die Menge war mehrere Male kurz vor einer Panik. Nicht schön. Daher: anderes Flussufer oder erhöhten Aussichtspunkt suchen. Oder 1-2 Stunden warten einplanen und nach dem Gedränge nach Hause gehen.

I sagt: Sogar das Wetter ist schlechter in Porto. Grau und wolkenverhangen. Es riecht nach gegrillten Sardinen, überall! Sogar im Hotelzimmer!

Fatima

kinderAm 13. Mai 1917 erschien drei Hirtenkindern auf dem Feld von Fatima die Mutter Gottes und sprach zu ihnen. Sie versprach, jeweils am 13. eines Monats zu erscheinen, bis Oktober. Das tat sie auch, außer im August, da waren die Kinder verhindert (sie wurden vom Ortsvorsteher des Nachbarorts entführt), als sie am 19. August wieder konnten, erschien auch Maria wieder.

Die letzten Erscheinungen wurden von vielen tausend Menschen begleitet, inklusive des Sonnenwunders, das am 13. Oktober 1917 stattfand: die Sonne drehte sich, tanzte, trocknete nach einem Regen die Sachen, sandte bunte Strahlen aus etc. Leider stimmen die Beschreibungen der Menschen nicht überein, jedoch sind sich alle einig, dass ein Sonnenwunder stattfand. Es scheint einen Umkreis von 18 km berührt zu haben, darüber hinaus ist Astronomen und anderen Menschen nichts aufgefallen.

fatimaAus dieser Geschichte entstand ein Kult, der heute noch anhält. Die Kirche erkannte die Erscheinungen und das Wunder an. Eine Kapelle wurde gebaut und ein Wallfahrtsort. Den haben wir besucht, die Erleuchtung blieb auch dieses Mal aus.

Den Kindern wurden drei Prophezeihungen gemacht, die ersten beiden sagten (laut Zusammenfassung in Fatima) den Tod zweier Kinder (Jacinta und Francisco) und den zweiten Weltkrieg voraus. Das dritte Kind, Lucia, die mittlerweile im Kloster lebte, schrieb die Prophezeihungen 1940 auf, vorher kannte sie kein anderer Mensch. Die dritte Prophezeihung sagte den Anschlag auf Papst Johannes Paul II. voraus, so jedenfalls die Deutung der Prophezeihung nach dem Attentat. Die Prophezeihungen kann jeder selbst nachlesen und interpretieren.

Während wir da waren, gab es keine Wunderheilungen, Erscheinungen oder andere Wunder. Aber wir waren auch nicht am 13. des Monats da und nicht am 13. Mai oder 13. Oktober, den zwei Tagen, an denen die Wunderwahrscheinlichkeit steigt.

feuerAndererseits hält sich der Nepp in Grenzen, die Preise sind moderat, das Wallfahrtsgelände schön, man kann zelten, billige Kerzen ins Feuer werfen und auf Knien um die Kapelle am Ort der Erscheinungen rutschen, ohne dafür bezahlen zu müssen. Das haben wir in Österreich schon anders gesehen.

I sagt: Lieber nachmittags nach Fatima fahren, denn dann ist es nicht so voll. Anscheinend fängt hier auch der frühe Vogel den Wurm respektive die Wunderwahrscheinlichkeit.

Kritik: O Reino Proibido

Das verbotene Königreich (The Forbidden Kingdom), so wird der neue Jackie-Chan/Jet-Li-Film wohl heißen, wenn/falls er in D veröffentlicht wird. Wir konnten eine der letzten Vorstellungen in Portugal besuchen, hier läuft der Film seit Mitte Mai.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Gut gegen Böse in exotischem Ambiente. Es gibt einen unscheinbaren aber nicht ganz unsympathischen Hauptheld zu sehen. Jackie Chan darf Drunken-Stil vorführen und diverse andere Stile. Jet Li sieht alt aus, darf aber auch einiges zeigen, beide kämpfen gegeneinander – eindeutig der Höhepunkt des Films. Eine schöne Asiatin (die wohl Amerikanerin ist) fehlt auch nicht, alles züchtig, humorvoll, leicht und schnell erzählt. Selbst alte Bekannte des Kung-Fu-Films, die lustige Lernphase des Schülers (Junge, Du willst doch noch Kinder kriegen!) wurde integriert.

Es gab drei Mankos am Film: zum einen war die Leinwand nicht gerade, der Film daher teilweise unscharf, zum anderen können weder Jackie Chan noch Jet Li gut Englisch sprechen, Jet Li ist völlig unverständlich. Drittens setzt der Film sehr plakativ auf Gewalt als Problemlösung (ok, das von mir klingt seltsam, ich bin gerade von Koontz’ Odd-Geschichten etwas sensibilisiert).

Fazit: leichte Kost, ordentlich gemacht.

Portugiesen blinken nicht

wacheWer das Kloster von Batalha besichtigt, wird auch am Grab des unbekannten Soldaten vorbeikommen, das dort von einer Ehrenwache, bestehend aus zwei Soldaten, bewacht wird. Über dem Grab hängt der “Jesus der Schützengräben”, der angeblich ohne Beine, aber sonst stehend in den Schützengräben des ersten Weltkriegs gefunden wurde. Außerdem brennt eine Lampe mit Olivenöl.

briefDas Bild des Jesus, stehend in den Schützengräben, kann im Museum um die Ecke besichtigt werden. Dort findet der Besucher auch einen Brief von Hindenburg an einen portugiesischen Hauptmann, in dem Hindenburg richtigstellt, dass die Passage seiner Autobiographie, die die Flucht der portugiesischen Truppen vor dem Feind darstellt, nicht korrekt ist. Vielmehr seien die deutschen Truppen einfach besser gewesen und konnten die Portugiesen so überrennen. Das mannhafte Eintreten des Hauptmanns für die Truppenehre erfreue das alte Soldatenherz und die Passage werde berichtigt.

Heutzutage sind die Portugiesen natürlich nicht weniger mannhaft und tapfer, es fehlt jedoch ein größerer Krieg, um das zu beweisen. Daher haben sich vor allem zwei Verhaltensweisen im Straßenverkehr durchgesetzt: nah auffahren und nicht blinken.

Das nahe Auffahren signalisiert die Verachtung des Portugiesen vor dem Tod und zeugt von der Überlegenheit der portugiesischen Reaktionszeit gegenüber physikalischen Gesetzen. Abstände von mehr als drei Metern werden – unabhängig von der Geschwindigkeit – als unehrenhaft angesehen und sind Ausländern mit Angst um die Unversehrtheit ihres Autos vorbehalten.

Der zweite wichtige Punkt ist, dem Feind keine Gelegenheit zu bieten, etwaige eigene Schachzüge vorherzuahnen oder ihnen gar zu begegnen. Daher blinken Portugiesen nicht.

I sagt: Auch das wilde Parken scheint zur portugiesischen Lebensweise zu gehören. Autos kann man in vielerlei Reihe parken und Mopeds auf der Landstraße und im Gebüsch. Ältere Portugiesen haben aber anscheinend alle obigen Verhaltensweisen vollkommen verloren, nicht aber die Lust am Autofahren bei rasanten 30 km/h.

Kurz und buendig (2)

Porto ist eine grosse Stadt, unser Stadtplan klein. Daher als Tip: Buchladen suchen, Karte holen, fotografieren und danach orientieren. Hat gut geklappt.

Douro als Fluss ist gross und lang, die Strecke am Ufer entlang ist nicht zu empfehlen. Da waere eine Flussfahrt besser.

Hier in Portugal gibt es extrem viele Stoerche, sie nisten in den Hochspannungsmasten von oben bis unten. Und fliegen rum. Storchorado (kleiner Wortscherz).

Die viele Sonne kann einen schon nerven. Na ja, muessen wir durch.

Halbfinale!

Algarve

strand1strand2strand3Die Algarve ist, wie ich gelernt habe, die Küste im Süden Portugals. Sie ist, bis auf Kleinigkeiten, sehr schön. Zum Beispiel gibt es Sandstrände mit feinstem Sand, denen Felsen vorgelagert sind, die aus einem Piratenfilm stammen könnten. Die Felsen sind zum Klettern, die Strände sauber, bewacht und mit Toiletten versehen, die benutzbar sind. Das Wasser ist sauber und getestet keimfrei. Spricht man kein Portugiesisch, kommt man mit Englisch gut zurecht. Such’ das mal in Deutschland.

Apropos Deutschland, mit Rumpelfußball erster Klasse haben wir es ja nun ins Viertelfinale geschafft. Ansehnlich ist was anderes, zwingend auch. Es ist schon erstaunlich, wie harmlos eine Mannschaft sein kann. Überboten wurde das nur noch durch die Österreicher, die im Chancenverwerten die Deutschen noch unterboten haben. Daher gibt es am Donnerstag einen kleinen Anfeuerungskonflikt in der Familie, wenn “wir” (D) allerdings nicht besser spielen, werden “wir” (P) zu recht gewinnen. Obwohl meine Vorhersage ist, dass D durch einen Standard oder abgefälschten Ball 1:0 gewinnt, während P im ganzen Spiel Chancen in Massen haben wird, die Pfosten, Latte oder Lehmann abwehren.

sonne1sonne2sonne3Was ist an der Algarve nicht gut? Der Sternenhimmel ist enttäuschend, so viele Sterne sehe ich auch in Berlin. Da haben die Portugiesen geschludert. Auch der Sonnenuntergang ist nicht berauschend, die Sonne geht unter und fertig. Kein roter Himmel, kein Glühen, nix. Wozu fährt man an die Südwestspitze des Kontinents und steht bei 16 °C im scharfen Westwind? Außerdem sind die Radiosender Mist, dauernd kommt Queen oder nichtssagende Musik. Wie in Sachsen oder Anhalt. Genau wie die Touristen, Deutsche, wohin man sieht. Bisher aber nette Deutsche, zugegeben.

Lustig waren die Spiele der Gruppe C, die wir auf Langwelle von Spaniern kommentiert im Auto hörten, während wir den Sonnenuntergang erwarteten. Drei bis sechs Kommentatoren redeten durcheinander, rollten das “r” und lachten dauernd. Schön war’s.

Morgen noch einmal Strand, dann geht es stetig Richtung Berlin (sind nun mal am weitesten Punkt der Reise angelangt). Mal sehen, wann wo gestreikt wird, in Portugal bekommt man noch Diesel, Spanien haben wir aus den Augen verloren, könnten wir aber mit einer Tankfüllung überbrücken. Frankreich wird schwieriger, die sind aber auch erst in den Streikvorbereitungen.

eisZum Schluss noch der ultimative Eistip für Schokoeisliebhaber (und für den Abschluss der Mittagspause des WIAS/ISST): Temptation Chocolate von Olé (Langnese).

I sagt: Das Eis kann man jeden Tag genießen, vorausgesetzt man findet einen Laden, der es anbietet. Die Preise variieren hierbei allerdings von Normal bis der Touri hat’s ja. Die spanischen Kommentatoren waren auch sehr laut und sangen die Werbung mit. Und ja, für alle die es vorhergesagt haben, der Atlantik ist kalt. Aber bei 30 Grad, war uns das herzlich egal.

Kritik: O Incrível Hulk

Der unglaubliche Hulk ist schon wieder verfilmt worden, dieses Mal mit Edward Norton als Bruce Banner. Zum Glück werden Filme in Portugal nicht synchronisiert, sondern mit Untertiteln versehen. Das hat zwei Vorteile: die Bevölkerung lernt schneller Englisch und Urlauber können bei schlechtem Wetter das Kino aufsuchen.

Werbung kam wenig, Trailer (Speed Racer scheint schlimm zu werden, der Film mit Angline Jolie wird wohl ein Jungenfilm) ein paar. Mittendrin eine Pause. Kino klimatisiert, aber wir hatten lange Hosen und Pullover mit. Hätte schlimmer werden können.

Viel haben wir uns vom Film nicht erwartet, der Trailer sah schon wieder nach viel Computer und wenig Schauspiel aus, das haben wir auch bekommen.

Die Erschaffung des Hulk ist eher Nebensache, der Film konzentriert sich darauf, wie Banner mit seiner ungebetenen Gabe fertig wird. Außerdem gibt es ja noch Liv Tyler, die von der Ehe mit falschen (aber aufrichtigen, verständnisvollen) Fremden erlöst werden muss. Viel Arbeit für Edward Norton, die er gewohnt gut erledigt. In den Szenen mit echten Schauspielern ist der Film gut, witzig, angenehm zu sehen.

Leider muss ja dann der Hulk auftauchen und, wenngleich Lou Ferrigno ein Cameo hat, sowie den Hulk sprechen darf, ist das Computermonster wie erwartet schlecht. Lässt das erste Auftreten noch hoffen, da dunkel gehalten, ist spätestens beim zweiten Mal Schluss. Da wird Action mit dem Füllhorn inszeniert, eine Szene dümmer und langweiliger als die andere, dann gibt es schlimme Reminiszenzen an King Kong und zum Schluss wird es vollends blöd.

Nein, zu viel gewollt, zu viel reingepackt und wenig erreicht. Der Film kann gerade mal billiges Popcornkino bieten, wenn das das Ziel war: ok. Aber warum dann gute Schauspieler für den Rest casten? Nett die Schlussanspielung auf Iron Man (die uns schon bei der Eröffnungssequenz aufgefallen ist), sonst ein fader Nachgeschmack.

Fazit: viel Potential, wenig draus gemacht.