Hertha – Werder Bremen

Heute waren wir bei der Hertha, um uns gepflegten Fußball anzusehen, die Partie versprach zumindestens keine Langeweile, wenn Hertha mal wieder schlecht wäre, würde das Bremen sicher rausreißen. Andererseits hat Bremen gerade den Rausschmiss im UEFA-Cup hinter sich, vielleicht waren sie ja angeknackst.

Zum Stadion zu kommen, ist mit dem Motorrad nicht schwer, vorausgesetzt, man kann durch enge Lücken navigieren. Mit dem Auto kann man die Anfahrt gar nicht empfehlen, dann lieber mit der Bahn.

Wir fuhren rechtzeitig los, um die Stadionatmosphäre zu genießen und waren kurz nach vier am Stadion, nur noch schnell die bestellten Karten abholen und rein ins Vergnügen. Wir hatten nicht mit der Tickethinterlegungsschlange gerechnet. Wir mussten geschlagene 20 Minuten warten, um unsere Tickets abzuholen, für diese Meisterleistung mussten wir 2 Euro pro Ticket extra bezahlen. Alle diejenigen, die kamen, als wir unsere Tickets hatten, sind garantiert zu spät zum Spiel gekommen, obwohl sie eine halbe Stunde vorher da waren. Das ist einfach dilettantisch.

Mit Tickets durch die Abtaster und von unserem Zeitpolster waren gerade mal 10 Minuten übriggeblieben, um einmal ums Stadion zu gehen und unseren Platz über dem Bremer Fanblock einzunehmen. Andere Karten gab es nicht mehr, aber es war ganz i.O. Wir waren nicht die einzigen, die vier mal sitzen blieben und einmal jubelten.

Mit dem Aufrufen der Spieler kamen auch wir, los ging’s. Das Spiel der Hertha war noch viel schlechter als befürchtet. Da ging gar nichts, Pässe kamen nicht an, jeder Bremer war schneller, die Bremer konnten sich den Ball stundenlang im Hertha-Strafraum zuspielen, ohne dass jemand eingriff. Es kam, wie es kommen musste: Bremen ging 1:0 in Führung. Einfach so, ohne große Raffinesse, einfach mit solidem, guten Fußball.

Der nächste Höhepunkt kam von Simunic, ohne Not trat er am eigenen Strafraum seinem Gegenspieler Schulz ins Gesicht, ohne dass der sich bücken musste. Im Gegenteil, Simunic musste dafür sogar noch hochspringen. Die fällige rote Karte nahm er eher staunend zur Kenntnis, er wollte den Platz kaum verlassen. Seine Mitspieler mussten ihn schon fast nötigen, zu gehen. Nach einer Behandlungspause wurde Schulz dann vom Platz getragen und ausgewechselt. Dabei fiel mir auf, dass Fußballfans wohl sehr asoziale Menschen sein müssen, denn das halbe Stadion pfiff Schulz aus. Es ist mir unverständlich. Statt sich für seinen eigenen Spieler zu schämen, einen verletzten Spieler auszupfeifen, ist das Letzte.

So lief das Spiel dahin, Bremen schoss noch ein paar Tore, Hertha wurde erst mit der Einwechselung von Pantelic mit einem Schlag gefährlich. Da wurden die Räume der Bremer eng, teilweise spielte nur noch Hertha und die Bremer waren am eigenen Strafraum eingeengt. Leider hielt das nur 15 Minuten an, ab der 75. Minute wurde es nur noch schlecht. Bremen brauchte nicht mehr, machte trotzdem, Hertha konnte nicht und machte nicht. Mies. Klose ist zur Zeit wirklich schlecht drauf, trotzdem noch besser als viele andere Spieler.

Fazit: es ist mir unverständlich, wie in einer 3-Millionen-Stadt nicht genug Fußballer zur Verfügung stehen können, um das, was auf dem Rasen war, zu ersetzen. Das war gar nichts. Das Olympiastadion ist ausverkauft und Bremen spielt wie eine Heimmannschaft. Da stimmt hinten und vorne nix, der Trainerwechsel hat ebenfalls nichts gebracht, das ganze Konzept und die langfristige Planung ist daneben. Ich halte viel von der Idee, Hoeness sollte aufhören und ein anderer die Geschicke des Vereins übernehmen. Vor allem halte ich viel von der Idee, das Management monetär und fußballerisch zu trennen, was wäre daran so schlimm?

Insgesamt tat mir der Eintrittspreis nicht weh, da Bremen ein gutes Spiel abgeliefert hat. Hertha sollte absteigen oder dringend sehr viel verändern.

Gerade habe ich noch die DSF-Zusammenfassung gesehen. Was ich nicht verstehe:

  • wie man ein Spiel so schlecht zusammenfassen kann, dass man als Zuschauer nachher außer den Toren nichts vom Spiel weiß
  • wie man sich als Journalist eine Geschichte zusammenschreibt und die dann auf Biegen und Brechen ins das Spiel liest
  • wie man Fußball zeigen will und nur Platitüden zusammenträgt und als Vor- und Nachberichterstattung verkauft, dafür aber nur ganz wenig Fußball zeigt
  • wie man das Foul von Simunic als nicht absichtlich und an sich fast nicht so schlimm einschätzen kann
  • wieso Hertha Simunic nicht einfach rausschmeißt. So einen brauchen wir nicht.

Olympia und Reporter

Zur Olympiade steigt meine Reporterabneigung mal wieder unvermittelt an. Jeder Tag, an dem nicht eine Medaille gewonnen wurde, ist enttäuschend. Holen die deutschen Favoriten keinen Sieg, haben sie gepatzt.

Bin ich denn der Einzige, der sich am Sport selbst erfreut und sich als Bonus zusätzlich freut, wenn ein Deutscher gewinnt. Der Abfahrtslauf z.B. war spannend und gut, da brauche ich keinen Deutschen dabei. Und beide Eisschnelläuferinnen haben alles gegeben, waren zufrieden, es gab halt Leute, die waren schneller.

Da bricht für Reporter eine Welt zusammen, ich wundere mich.

(archivierter Beitrag aus rauhesitten.blog.de vom 13.02.2006)