Kritik: Night Of The Jumps

2016-02-27_NOTJWie jedes Jahr kommt die Night Of The Jumps nach Berlin, immer in die O2-World, die jetzt Mercedes-Benz-Arena heißt und mehr Werbung enthält.

Und wie jedes Jahr fällt uns die Entscheidung schwer, ob wir hingehen: Einerseits wirklich interessanter Motorsport und hochinteressanter, leider sehr kurzer BMX-Sport. Andererseits ein niveauloser Moderator, der nicht auf die Situation eingehen kann, jede Stimmung tötet, für den Fahrer durch ihre Körpergröße definiert werden, die dann auch lächerlich gemacht werden müssen und Frauen noch “Babes” sind…

2016-02-27_NOTJ1Mal sehen, wie wir uns nächstes Jahr entscheiden, da ist die Veranstaltung am Sonntag, warum auch immer, dieses Jahr sind wir wieder dagewesen.

Und es war wie erwartet: die Fahrer sind gut, die Stimmung ist gut, die Tricks sind Klasse. Auch dieses Jahr wieder hochinteressante Moves, die durch die Judges gejudget werden. Oder so.

Und auch der Moderator war mies wie immer, subjektiv wird er immer schlimmer, das kann auch Einbildung sein, wer weiß… Nur die deutschen Fahrer werden angespornt, alles andere wird niedergeschrieben, wenn die Leute dann ruhig werden, wundert er sich. Das wäre alles auch noch erträglich, wenn wenigstens die Leistung gewürdigt werden würde. Aber auch das gilt nur für seine Lieblinge und die Deutschen, alle anderen werden ignoriert oder darübergeredet. Insbesondere die Fahrradfahrer konnten machen was sie wollten, es war einfach egal. Und die waren gut und motiviert. Sollte halt nicht sein.

Fazit: es fällt uns zunehmend schwerer, Moderator und Drumherum zu ignorieren, sportlich war es Klasse wie immer.

Snooker: Gould vs. Dott

Einige Gedanken zum Halbfinale der German Open im Snooker:

Das Tempodrom ist eine durchaus ansehnliche Austragungsstätte.

Aber die Toiletten riechen doch sehr streng.

Genau wie die Luft im Raum, wird da nie gelüftet?

Muss man nachmittags um zwei schon Bier zum Snooker trinken?

Warum haben die Leute mit den stärksten Meinungen die lautesten Stimmen?

Vier Bier bis 16 Uhr? Ernsthaft?

Warum denke ich immer, Gould müsste Eliot heißen?

Aber er sammelt Pluspunkte, denn er läuft mit Lemmy ein.

Der Schiri sorgt für die besten drei Lacher. Angenehm.

Ein fünftes Bier? WTF?

Vier Stunden Snooker reichen aus.

Der Rauch aller Raucher vor dem Gebäude kommt ungehindert rein. Dreck.

Dott hat einen schlechten Tag erwischt.

Wenn im F’hain demonstriert wird, sorgt das für erstaunlich volle Straßen.

Polizeigewalt, Fußball und Bürgerbeteiligung

OK, nur die beiden ersten Themen gehören heute zusammen, Bürgerbeteiligung läuft extra.

Seit einiger Zeit divergieren Berichte von Polizei/Medien und Fußballfans/Beteiligten an Fußballrandalen erheblich. Während in Medien und Polizeistellungsnahmen immer nur Chaoten auftreten, sind es bei den Fußballfans oft auch überreagierende Polizisten. Und während sich die Medien noch vor zwanzig Jahren eine eigene Meinung erlaubten, wird heutzutage ausschließlich aus Polizeisichtwinkel berichtet (freiwilliges(!) Staatsfernsehen und -presse).

So z.B. beim Schweinske-Cup am 6.1.12, bei dem ein Turnier von rechten Schlägern überfallen wurden, die Leute beleidigten, beklauten, schlugen und danach vor den Augen der Polizei die Halle verließen. Diese eroberte dann die Halle, benutzte ausgiebig Pfefferspray und richtete noch einmal deutlich mehr Schaden an als die blöden Nazis.

Natürlich waren in der Halle alles gewaltbereite Idioten und die Polizei hat natürlich angemessen und mit Augenmaß gehandelt. Klar.

Da das nun schon seit Jahren irgendwie immer so ist und mittlerweile Videoaufnahmen einfacher werden, lassen sich solche Schilderungen nicht mehr so einfach halten. Lest das einfach mal in Ruhe auf der Publikative nach. Ist schon erschreckend. Immerhin erkennt Hamburgs Innensenator Michael Neumann, dass das was schiefgelaufen ist und sucht den Dialog. Ein erster Schritt. Gut so. Jetzt dabei bleiben. Aber wenn er dann auch sowas sagt:

So wie es in der Fanszene einzelne Problemfälle gebe, sei auch die große Mehrheit der Polizisten anständig und ärgere sich genauso über die Vorfälle.

Dann hat er recht. Aber es gilt auch:

Neumann erwähnte, dass nach Anzeigen auch bereits zwei Ermittlungsverfahren gegen Polizisten liefen. Abzuwarten bleibt indes, ob diese nicht wie zumeist üblich im Sande verlaufen. Amnesty International beklagt seit Jahren, dass Polizeigewalt in Deutschland praktisch nie verfolgt wird – und selbst wenn, kommt es nur äußerst selten zu strafrechtlichen Konsequenzen für die vom Apparat gut geschützten Beamten.

Eben. Und solange das gilt (und das gilt noch lange, wir in Berlin wissen das), hat die Polizei einen schlechten Ruf.

Zur Bürgerbeteiligung: dass die Makulatur ist, sieht man z.B. an der Petition gegen das bestehende Verbot gewaltverherrlichender Videospiele sowie gegen die Indizierung in ihrer jetzigen Form. Diese Petition wurde zunächst vom Petitionsausschuss nicht freigeschaltet, da es eine gleichlautende Petition gab. Diese wollte zwar mehr Verbote für Videospiele, aber beide enthielten offensichtlich das Wort “Videospiele”.

Jetzt wird die Petition:

nicht zugelassen, weil sie “nicht den gewünschten Erfolg haben wird“. Dies sei der Fall, da “eine Umsetzung Ihres Anliegens angesichts der gegenwärtigen Handlungspriorität auf diesem Gebiet ausgeschlossen erscheint“.

Also: es werden nur Petitionen zugelassen, die sowieso beschlossen werden sollen? Eine andere Meinung kommt gar nicht durch? Der Bundestag muss vor dem Bürger beschützt werden? Wir wollen uns nicht mit Dingen beschäftigen, mit denen wir uns sonst nicht beschäftigen?

Aber dann wundern, wenn sich die Bürger nicht mehr beteiligen. Bestimmt war bei S21 die Beteiligung genauso einfach und transparent. Klar.

(Quellen: “Fußballchaoten” setzen Untersuchungskommission ein auf Publikative; Petition blockiert und Petition gegen Zensur abgelehnt auf Stigma Videospiele)

R.I.P. Marco Simoncelli

Vorgestern ist Marco Simoncelli beim MotoGP-Rennen in Malaysia bei einem Rennunfall gestorben. Er stürzte mit seinem Motorrad und wurde dann unglücklich von einem anderen Fahrer überfahren.

Marco Simoncelli war gerade dabei, sich von seinem schlechten Saisonstart zu erholen, sowohl fahrerisch als auch mental, am Beginn der Saison hatte er es selten geschafft, ein Rennen zu Ende zu fahren. Er war so begierig auf das Gewinnen, dass er oft überzog. Dafür erhielt er starke Kritik und begann erst in den letzten Rennen, endlich so gut zu fahren, wie sich das seine Fans, mich und I eingeschlossen, von ihm gewünscht hatten. Er hatte das Potential, die Weltmeisterschaft auch einmal zu gewinnen.

Daneben war er schon vom Aussehen her eine Bereicherung für den Motorradsport, man erkannte ihn sofort. Übrigens auch ohne Helm, denn sein Fahrstil war so auffällig, mit den weit ausladenden Beinen, dabei aber aggressiv und extrem schnell. Außerdem war Simoncelli ein lustiger Mensch.

Es ist schade, dass die deutschen Medien nur nach seinem Tod berichten und dann auch noch so, wie man es nicht will: mit ausufernden Bildstrecken und Videos seines Todes. Mal sehen, ob auch Stefan Bradl erst schlimm stürzen muss, damit über ihn berichtet wird oder ob ein erster/zweiter Platz in der WM dafür reicht. Es kotzt einen an.

Aber wir wollen uns nicht ärgern, sondern Simoncelli in guter Erinnerung behalten. Daher noch ein paar Fotos vom diesjährigen Sachsenring-GP.

Sportschau/Sportstudio

Die letzte Bundesligasaison habe ich komplett ohne Sportschau oder Sportstudio durchgehalten. Ich bin stolz auf mich und denke, ich habe nicht viel verpasst.

Wie kam es dazu?

Ich bin, wenn ich Fußball sehe, an Fußball interessiert. Ich bin auch kein so großer Experte, dass ich Rauten, Systeme, Spielaufbau etc. sehen würde. Ich kenne die Regeln, würde aber gerne mehr über Taktik erfahren, warum eine Mannschaft gewinnt, warum die andere verliert, ob mehr als ein Unentschieden drin ist, ich möchte halt etwas über den gespielten Sport erfahren.

Wie werden nun Berichte derzeit fast standardmäßig eingeleitet?

  • “Mehr von den großen Emotionen von…”
  • “Diese Geschichte müssen wir näher beleuchten…”
  • “Was sagen die Fans zu dem Spiel…”
  • “Was für eine Story…”

Es geht um Emotionen, um Nahaufnahmen, um Schicksale und Geschichten. Aber nicht um den Sport. Wozu auch, der verkauft sich anscheinend nicht gut.

Letztes Wochenende habe ich den Fehler gemacht, in das ASS einzuschalten, weil mich ein Pokalspiel interessiert hat. Großer Fehler. Das ASS beginnt grundsätzlich von hinten, erzählt eine Geschichte, passt das Spiel der Geschichte an. Man erfährt nicht, wie das Spiel war, wer Vorteile hatte, wie der Spielverlauf über 90 Minuten war oder andere unwichtige Dinge. Dafür sieht man jedes Tor (sofern jedes gezeigt wird) aus zig Blickwinkeln und Wiederholungen. Jeder Spielzug wird gestoppt, ob ein Abseits vorlag (egal wie weit der Spieler nicht im Abseits steht).

Ab und an wird ein Zuschauer oder eine Nahaufnahme des Trainers gezeigt und dann fabuliert der Reporter, was ihm dazu einfällt. Meist unglaublich “lustig”. Es wird Zeit, wieder das unsägliche “Fußballballett” einzuführen.

Jeder Spieler wird befragt. Die Trainer sowieso. Wenn sie Pech haben, dann (und damit sind wir bei der Sportschau vom Sonntag) mit den Worten “Blamage, Fehltritt, Leistungsverweigerung – was sagen Sie zum Spiel ihrer Mannschaft?”

In der Sportschau fiel auch der Nachbericht (zum Glück) aus, man hört die Reporterin noch fragen: “Was war für Sie der schönste Moment im Spiel…” dann fiel der Ton aus. Was für ein Glück.

Deswegen schaue ich nur noch Live-Fußball, wenn ich Fußball sehen möchte. Und meist mit Ton vom Inforadio oder mit Musik als Hintergrund, denn die Live-Kommentatoren – sagen wir so: ich mag es nicht, wenn ich angeschrien werde. Oder zu Tode gelangweilt mit Fakten, die kein Schwein interessieren. Oder mit den Namen der Spieler, die am Rücken abzulesen sind.

Diese Saison werde ich wohl auch wieder ohne Sportschau/Sportstudio leben können.

Ist Bierhoff ein Idiot?

Oder wäre das nur meine Definition für einen homophoben Menschen, der Kernkraft befürwortet?

Mal bei n-tv wildern über den Tatort letzten Sonntag:

Ein sich am Ende des Films als schwuler Fußballer outender Hauptdarsteller sagte zur Kommmissarin: “Wissen Sie, die halbe Nationalmannschaft ist angeblich schwul, einschließlich Trainerstab. Das ist doch schon so eine Art Volkssport, das zu verbreiten.”

Tja, was sieht Herr Bierhoff darin?

In der “Bild” versteigt sich Bierhoff sogar dazu, die harmlose Textstelle als einen Angriff auf seine “Familie – die Familie der Nationalmannschaft” zu bezeichnen.

Das lassen wir mal so stehen, ich vermute, in nächster Zeit kommt raus, dass er ganz viele Schwule kennt, die er mag und das gar nicht so gemeint hat und überhaupt. Standardausreden.

Letztes Jahr hat Bierhoff übrigens als einziger Nicht-Wirtschaftler eine Anzeige der Atomlobby für Kernkraft unterzeichnet, in seiner Eigenschaft als Manager der Nationalmannschaft, obwohl der DFB zur Neutralität verpflichtet ist. Damals sah das noch wie ein Aussetzer aus, ich denke, der ist einfach ein sehr schlichter Charakter.

(Quellen: n-tv, Greenpeace, via turi)