Alltagsrassismus

Dazu hat Sami Omar im MiGazin einen sehr schönen Beitrag verfasst: “Was nach dem Berlin-Anschlag für mich als schwarzen Deutschen zu tun ist”

Einfach mal sacken lassen.

Ich kenne das schon. Ich ziehe mir etwas Anständiges an. Vielleicht sogar eine Krawatte. Das macht schon mal einen Unterschied. Auch wenn mein Deutsch tadellos ist, spreche ich sehr klar und etwas elaboriert zu den Leuten.[…]

Ich bin evangelisch, aber das will jetzt keiner hören. Aus welchem Land ich komme, wird jetzt wieder häufiger gefragt werden. Ich komme aus Baden-Württemberg, aber das wird als Scherz meinerseits eingestuft. ‘Ha, sehr gut. Aber ich meinte gebürtig!’ […]

Ich mache es ihnen und mir einfach. Ich kleide mich und spreche so, dass die Überschneidungsmenge unserer kulturellen Identitäten möglichst groß ist. […] Ich zeige schlicht: Ich habe viel mit Euch gemein. Das reicht schon. […]

Wenn der Sturm sich gelegt hat, gehe ich auch wieder ins Fitness-Studio. Im Moment ist das undenkbar. Ohne meinen Kaschmir-Mantel und meine Brille, hielten mich die Leute dort für einen Ausländer – das kann ich derzeit nicht riskieren.

Silvesterkontrollen in Köln (juristisch)

Schön knapp zusammengefasst hat diese aus juristischer Sicht RA Stadler.

[…] dass ausländisch aussehende Menschen zu einem Ausgang zur Kontrolle geschickt wurden, während alle deutsch aussehenden Menschen einen anderen Ausgang nehmen und unmittelbar zur Domplatte weitergehen konnten.

Man muss der Kölner Polizeiführung keine rassistischen Motive unterstellen, um das bedenklich zu finden. […]

Was den Rechtsstaat seit jeher vom Unrechtsstaat unterschieden hat, ist das unumstößliche Postulat, dass es keine Strafverfolgung um jeden Preis geben darf, selbst wenn sie geeignet wäre, die Ergreifung des Täters zu ermöglichen. Gleiches gilt für die Gefahrenabwehr. Es gibt keine Gefahrenabwehr um jeden Preis, selbst wenn sie von der Intention geleitet ist, Straftaten zu verhindern.

Das Verhalten der Kölner Polizei rüttelt an den Grundfesten unserer Verfassung. […]

So sieht es aus.

Bundestagswahl 2017

Die Prinzessinnenreporter haben sehr schön aufgeschrieben, wie sich Parteien für die Bundestagswahl 2017 aufstellen könnten. Werden sie nicht machen, aber wer weiß…

Hier ein paar Auszüge:

[…] Sie sollte – und da liegt unser Problem mit Euch – vor allem aber auch dafür einstehen, die Ideologie der AfD aus der Politik fernzuhalten, statt dieser hinterherzurennen wie der sprichwörtliche Esel der vor der Nase baumelnden Möhre. Damit gewinnt Ihr keine Wähler von den Arschisten zurück, die wählen nämlich lieber das Original.

[…]

Zumal wir wirklich nicht wissen, worin das kleinere Übel von Parteien bestehen soll, deren Spitzenpersonal wahlweise Interviews bei RT Deutsch gibt (Wagenknecht), in Onkel-Gottfried-Manier über „political correctness“ jammert (Kretschmann), auf „Überfremdungsängste eingehen“ will (Gabriel) oder aber persönlich vielleicht sogar halbwegs okay ist (Merkel), aber leider der gleichen Partei angehört wie Thomas de Maizière und Erika Steinbach.

Wählenswert wäre dagegen eine Partei, die zur Abwechslung mal die Sorgen und Ängste jener 84 Prozent der Bevölkerung ernst nehmen würde, die laut ARD-Deutschlandtrend die größte Gefahr im Land in rechtsextremen Anschlägen und Übergriffen sehen. […]

(Quelle: Prinzessinnenreporter)

Der Hass ist nicht neu. Für uns nicht.

Eine sehr schöne Rede von Mely Kiyak, die aufzeigt, dass der ganze Hass, die Menschenverachtung, die rassistische Grundhaltung, die immer offener geäußert werden, schon lange existieren und wir es uns nur geleistet haben, das zu ignorieren, weil wir nicht betroffen waren.

Rassistische Gewalt? Halt alles Einzelfälle. Hunderte davon.

Und Frau Kiyak hat Recht. Einfach mal durchlesen und drüber nachdenken.

Seit zehn Jahren schreibe ich ohne Unterbrechung jede Woche eine politische Kolumne. Für diese Kolumnen werde ich mit einer geradezu barocken Opulenz mit Ablehnung beschenkt. Es gibt Leser, die mich für diese Texte am liebsten umnieten würden.

[…] Ich spreche übrigens nicht von Online-Kommentaren, sondern von echten Briefen oder Emails. Woche für Woche hagelt es Empörung, Beschimpfung, Anzeigen, Drohungen. Selten handelt ein Brief davon, wovon ich schrieb; meistens davon, dass ich schrieb.

Und wer ganz schmerzfrei ist, kann gerne die Kommentare unter der Rede lesen, die genau diesen Mechanismus aufzeigen.

(Quelle: übermedien)

Kein Geld für Rechts

An sich eine schöne Idee: Firmen ansprechen, die auf rechten Seiten werben und fragen, ob sie das wissen und/oder gut finden.

Frag doch gerne mal bei einer bekannten Marke, die du auf einschlägigen rechtsradikalen Seiten findest, nach, ob sie wissen, wo sie werben. Ein Tweet, eine Facebook Nachricht oder ein E-Mail: manchmal wirken sie Wunder.

[…] Das System hinter Online-Werbung begünstigt derzeit, dass diese Seiten von uns finanziert werden.

Und ich finde, das kann man auch stoppen. Ganz einfach aus dem Ohrensessel – und so, dass es den Zukunftsvergiftern weh tut. Und wenn du magst, kannst du natürlich auch diesen Artikel teilen.

Was ich hiermit tue. Mein einziges Problem dabei: ich bin nicht auf einschlägigen rechtsradikalen Seiten unterwegs.

Aber evtl. wird man da ja mal draufgeleitet, dann wirft man kurz einen Blick auf die Banner, bevor man sich schnell wieder verabschiedet.

(Quelle: davaidavai, via Bildblog)

Warum schaffen es viele Medien nicht, Oettinger einen Rassisten zu nennen?

Das ist eine gute Frage. Wie rassistisch muss sich Oettinger noch äußern, um endlich auch den Titel Rassist führen zu dürfen?

Zur Erinnerung, wir reden über den Mann der gesagt hat:

Anders als in einigen Nachrufen zu lesen, gilt es festzuhalten: Hans Filbinger war kein Nationalsozialist. Im Gegenteil: Er war ein Gegner des NS-Regimes

Filbinger. Der Filbinger:

1978 wurden infolge seiner Unterlassungsklage gegen den Dramatiker Rolf Hochhuth schrittweise vier Todesurteile bekannt, die Filbinger, damals NSDAP-Mitglied, als Marinerichter 1943 und 1945 beantragt oder gefällt hatte.

Das Bildblog in Person von Johannes Kram hat da anlässlich der neuen rassistischen, homophoben Rede ein paar gute Gedanken zu, die ich jedem ans Herz lege.

Wäre Oettinger AfD-Mitglied, wäre die Sache anders.

[…]

Was deutsche Medien hingegen verblüffend selten zu entlarven versuchen, ist der Rassismus. Es scheint fast so, als müsse sich in Deutschland niemand einen Rassisten nennen lassen, solange er keine Asylbewerberheime anzündet, als hätte in einem Land, in dem sich nicht mal die Nazis als Nazis bezeichnen, die Aussage, „gegen Nazis“ zu sein, schon irgendeinen Wert.

[…]

So führen auch begründete Rassismusvorwürfe nicht dazu, über Rassismus zu reden. Hätte jener Tag, an dem Günther Oettinger sich per „Welt“-Interview als rassismusfrei erklärte, nicht der Tag sein müssen, an dem Medien zum Thema machen, dass das und warum das so einfach eben nicht geht?

(Quelle: bildblog)

Rassismus bei “Verstehen Sie Spaß”

Ja, letzten Sonnabend gab es bei “Verstehen Sie Spaß” einen rassistischen Sketch.

Obwohl der Sender vorher darauf hingewiesen wurde. Obwohl er die Gelegenheit hatte darüber nachzudenken. Obwohl er auch den Sketch hätte ausstrahlen können, um das dann vernünftig zu thematisieren.

Alles Möglichkeiten, die zur Verfügung standen. Die ARD hat aber reagiert, wie ignorante Idioten und sich nicht mal im Ansatz inhaltlich mit der Kritik auseinandergesetzt:

Es liegt uns absolut fern, mit dieser oder anderen Masken Minderheiten zu diffamieren. Der vermeintliche Papa wird von Guido Cantz auch in keiner Weise negativ dargestellt. Die Filme bei „Verstehen Sie Spaß?“ sind eindeutig dem Genre der Comedy zuzuordnen.

  1. weil es Comedy ist, kann es nicht rassistisch sein. Aha.
  2. der Schwarze wird nicht negativ dargestellt. Nur mit wulstigen Lippen und Sprachfehler. Und als das Schlimmste, was in der Situation passieren kann. Aber nicht negativ, nein!

Es ist wirklich nicht schwer, sich mal mit dem ganzen Thema auseinanderzusetzen, ohne gleich “Zensur” oder “Tradition” schreien zu müssen. Man könnte sich einfach mal informieren.

Mal ein paar Leseempfehlungen zum Thema “Blackfacing”, gut geschrieben und informativ:

Wie immer gilt: nur bei Bedarf in die Kommentare gucken.

Flüchtlinge

sind nicht nur eine Zahl oder eine Welle oder eine Krise. Sie sind auch Menschen.

Ein interessanter Artikel dazu: Flieh um dein Leben

Genauso trafen mich die Worte des jungen Griechen Dimitri, der auf Lesbos die angespülten Leichen von Geflüchteten gewaschen und begraben hatte. Dimitri war der erste, der sich um die Versorgung der Toten kümmerte, als sich das Krankenhaus von Lesbos weigerte, dem nachzukommen. Mit jedem Satz, den mir Dimitri anvertraute, wurde mir ganz anders und ich bewunderte den Mut dieses Mannes.

[…]

Auch in Athen fragte mich die Familie: Was sollen wir tun? In Griechenland Asyl beantragen? Das Relocation-Programm (die Umverteilung von in Europa angekommenen Geflüchteten in EU-Staaten) beanspruchen und das Risiko eingehen, in einem rassistischen Staat unterzukommen – ein Staat, in dem sie also auch nicht sicher wären?

(Quelle: kleinerdrei)

Kurzer Zwischenruf: Rassismus in Deutschland

In Dresden explodieren zwei selbstgebastelte Sprengsätze, einer davon vor einer Moschee.

Der deutsche Innenminister ruft die Muslime auf, sich von extremen Strömungen in ihrer Religion zu distanzieren.

Die Tagesschau berichtet nicht als erstes über die Anschläge, es gibt keinen Brennpunkt.

Was muss denn noch passieren?

Um die taz zu zitieren:

Es ist normal geworden, dass die Nazis den vermeintlichen Volkszorn auf die Straße tragen. Es ist auch normal, dass Politiker die Beteiligung der Rechtsextremen kleinreden und die Schuld für Auseinandersetzungen stattdessen auf andere, in der Regel Schwächere schieben.

Mich wird dann auch nicht überraschen, dass herauskommt, dass die Nazis, die das waren, vom Verfassungsschutz geleitet wurden.