Türkei – Deniz Yücel

Einen sehr angenehmen Text dazu haben die Prinzessinnenreporter geschrieben: „Endlich ist er weg,Trööt!“ : Sehr sehr gute Berichterstattung über Deniz Yücel

Die Situation in der Türkei ist derzeit schlimm. Wie auch z.B. in Russland die Situation schlimm ist. Kann man satirisch und journalistisch auswerten, aber nicht schlechte Witze drüber machen, welchen Promi man einsperren solte etc. Und nicht so gehässige Kommentare wie in der Welt schreiben.

Und dann gibt es da noch die Gruppe der Nicht-Kollegen, auch Leser genannt, die sich heimlich freut. [… Die] der Meinung sind, wer für die WELT, respektive den Axel Springer Verlag, schreibe, den könne man ruhig wegsperren, das interessiere sowieso niemanden – sind das die Gleichen, die sich über die Rechten beschweren, wenn sie “Lügenpresse!” skandieren, aber auf der „linken“ Friedensdemo dann doch Applaus spenden, wenn es gegen „die Systempresse“ geht? Ich habe ganz ehrlich keine Geduld mehr mit diesen Menschen. […] Ich fürchte, für jeden der journalistisch tätig ist, ist bei diesen Menschen nichts mehr zu holen. Sie lesen Zeitung, sie lesen Onlinemagazine, sie schauen fern und am Ende des Tages legen sie alles beiseite und rufen “Das hätte ich denen auch sagen können” oder wahlweise “Als ob die uns die Wahrheit sagen würden”.

[…] Erdogans Regierung begeht in großem Stile – auch nach türkischem Recht – Verfassungsbruch mit der Inhaftierung mehrerer hundert Journalisten und der Forderung von teilweise mehrfach lebenslänglichen Haftstrafen für Oppositionspolitiker. Das ist kein Punkt mehr, an dem ich Witzchen mache, wem ich lieber als Deniz 120 Jahre Haft wünschen würde in einem der völlig überfüllten Gefängnisse.

(Quelle: Prinzessinnenreporter)

Tote Radfahrerin – 2.800 €, kein Führerscheinentzug

So sieht es aus. Die Staatsanwältin hat gefordert: 3.600 € Strafe.

Da fühlt man sich doch gleich von der Staatsmacht beschützt: Menschen töten ist halt nicht so schlimm. Führerscheinentzug kommt nicht mal der Staatsanwältin in den Sinn. War halt nur eine Radfahrerin.

Eine nüchterne Schilderung ist bei der Rad-Spannerei zu lesen: “70 Tagessätze Strafe gegen LKW-Fahrer wegen fahrlässiger Tötung von Radfahrerin

Als die Ampel auf grün springt, setzt der Fahrer seinen Truck in Bewegung und biegt mit einer Geschwindigkeit von 11 bis 13 km/h nach rechts ab. Danach nimmt er Fahrt auf und wird 430 Meter weiter von einem PKW-Fahrer gestoppt, der beobachtet hat, dass der LKW-Fahrer beim Abbiegevorgang eine 32-jährige Radfahrerin überfahren hat.

[…] Der Sachverständige konnte ebenfalls berichten, dass das Fahrrad der Frau mit funktionierendem Seitenläuferdynamo sowie Vorderlicht und Rücklicht ausgestattet war. Ob das Licht der Radfahrerin angeschaltet war, ließ sich angesichts des zerstörten Fahrrads nicht ermitteln.

Aber jetzt kommts, ich versuche, ruhig zu bleiben:

[…] Die Verteidigung forderte einen Freispruch für ihren Mandanten und begründete das damit, dass sich “Radfahrer nur eingeschränkt an die Straßenverkehrsordnung halten”.

Einfache Möglichkeiten, das Radfahren in Berlin zu verbessern

Während der Radentscheid wieder zerredet wird und auf irgendeine lange, politische Bank geschoben wird, ein paar kurze Ideen, wie das Radfahren in Berlin schnell und sogar kostensparend verbessert werden kann:

  • keine separaten Radampeln mehr. Die kosten nur Geld und sorgen ausschließich für Unmut. (spart Geld)
  • vor Änderungen überlegen, wie Radfahrerinnen geführt werden sollen, damit nicht noch mal sowas wie am Hauptbahnhof oder am Alex passiert
  • überdachte Abstellanlagen an Bahnhöfen, z.B. in der Tiefgarage des Hauptbahnhofs (bringt Geld)
  • an geeigneten Kreuzungen Rot für den Radverkehr als Anhalteempfehlung einführen, damit man nicht unsinnig an leeren Fußgängerüberwegen oder T-Kreuzungen stehen muss (so eine Art grüner Pfeil)
  • Knöllchen und Abschleppen von Autos, die auf Radwegen parken (bringt Geld)
  • Knöllchen für Autos, die zu eng überholen oder sonstwie Scheiße bauen (bringt Geld)

Wer noch Ideen hat – her damit, aber das oben ist alles nicht schwierig, spart oder bringt Geld und hilft schon enorm.

Alltagsrassismus

Dazu hat Sami Omar im MiGazin einen sehr schönen Beitrag verfasst: “Was nach dem Berlin-Anschlag für mich als schwarzen Deutschen zu tun ist”

Einfach mal sacken lassen.

Ich kenne das schon. Ich ziehe mir etwas Anständiges an. Vielleicht sogar eine Krawatte. Das macht schon mal einen Unterschied. Auch wenn mein Deutsch tadellos ist, spreche ich sehr klar und etwas elaboriert zu den Leuten.[…]

Ich bin evangelisch, aber das will jetzt keiner hören. Aus welchem Land ich komme, wird jetzt wieder häufiger gefragt werden. Ich komme aus Baden-Württemberg, aber das wird als Scherz meinerseits eingestuft. ‘Ha, sehr gut. Aber ich meinte gebürtig!’ […]

Ich mache es ihnen und mir einfach. Ich kleide mich und spreche so, dass die Überschneidungsmenge unserer kulturellen Identitäten möglichst groß ist. […] Ich zeige schlicht: Ich habe viel mit Euch gemein. Das reicht schon. […]

Wenn der Sturm sich gelegt hat, gehe ich auch wieder ins Fitness-Studio. Im Moment ist das undenkbar. Ohne meinen Kaschmir-Mantel und meine Brille, hielten mich die Leute dort für einen Ausländer – das kann ich derzeit nicht riskieren.

Silvesterkontrollen in Köln (juristisch)

Schön knapp zusammengefasst hat diese aus juristischer Sicht RA Stadler.

[…] dass ausländisch aussehende Menschen zu einem Ausgang zur Kontrolle geschickt wurden, während alle deutsch aussehenden Menschen einen anderen Ausgang nehmen und unmittelbar zur Domplatte weitergehen konnten.

Man muss der Kölner Polizeiführung keine rassistischen Motive unterstellen, um das bedenklich zu finden. […]

Was den Rechtsstaat seit jeher vom Unrechtsstaat unterschieden hat, ist das unumstößliche Postulat, dass es keine Strafverfolgung um jeden Preis geben darf, selbst wenn sie geeignet wäre, die Ergreifung des Täters zu ermöglichen. Gleiches gilt für die Gefahrenabwehr. Es gibt keine Gefahrenabwehr um jeden Preis, selbst wenn sie von der Intention geleitet ist, Straftaten zu verhindern.

Das Verhalten der Kölner Polizei rüttelt an den Grundfesten unserer Verfassung. […]

So sieht es aus.

Bundestagswahl 2017

Die Prinzessinnenreporter haben sehr schön aufgeschrieben, wie sich Parteien für die Bundestagswahl 2017 aufstellen könnten. Werden sie nicht machen, aber wer weiß…

Hier ein paar Auszüge:

[…] Sie sollte – und da liegt unser Problem mit Euch – vor allem aber auch dafür einstehen, die Ideologie der AfD aus der Politik fernzuhalten, statt dieser hinterherzurennen wie der sprichwörtliche Esel der vor der Nase baumelnden Möhre. Damit gewinnt Ihr keine Wähler von den Arschisten zurück, die wählen nämlich lieber das Original.

[…]

Zumal wir wirklich nicht wissen, worin das kleinere Übel von Parteien bestehen soll, deren Spitzenpersonal wahlweise Interviews bei RT Deutsch gibt (Wagenknecht), in Onkel-Gottfried-Manier über „political correctness“ jammert (Kretschmann), auf „Überfremdungsängste eingehen“ will (Gabriel) oder aber persönlich vielleicht sogar halbwegs okay ist (Merkel), aber leider der gleichen Partei angehört wie Thomas de Maizière und Erika Steinbach.

Wählenswert wäre dagegen eine Partei, die zur Abwechslung mal die Sorgen und Ängste jener 84 Prozent der Bevölkerung ernst nehmen würde, die laut ARD-Deutschlandtrend die größte Gefahr im Land in rechtsextremen Anschlägen und Übergriffen sehen. […]

(Quelle: Prinzessinnenreporter)

Der Hass ist nicht neu. Für uns nicht.

Eine sehr schöne Rede von Mely Kiyak, die aufzeigt, dass der ganze Hass, die Menschenverachtung, die rassistische Grundhaltung, die immer offener geäußert werden, schon lange existieren und wir es uns nur geleistet haben, das zu ignorieren, weil wir nicht betroffen waren.

Rassistische Gewalt? Halt alles Einzelfälle. Hunderte davon.

Und Frau Kiyak hat Recht. Einfach mal durchlesen und drüber nachdenken.

Seit zehn Jahren schreibe ich ohne Unterbrechung jede Woche eine politische Kolumne. Für diese Kolumnen werde ich mit einer geradezu barocken Opulenz mit Ablehnung beschenkt. Es gibt Leser, die mich für diese Texte am liebsten umnieten würden.

[…] Ich spreche übrigens nicht von Online-Kommentaren, sondern von echten Briefen oder Emails. Woche für Woche hagelt es Empörung, Beschimpfung, Anzeigen, Drohungen. Selten handelt ein Brief davon, wovon ich schrieb; meistens davon, dass ich schrieb.

Und wer ganz schmerzfrei ist, kann gerne die Kommentare unter der Rede lesen, die genau diesen Mechanismus aufzeigen.

(Quelle: übermedien)

Kein Geld für Rechts

An sich eine schöne Idee: Firmen ansprechen, die auf rechten Seiten werben und fragen, ob sie das wissen und/oder gut finden.

Frag doch gerne mal bei einer bekannten Marke, die du auf einschlägigen rechtsradikalen Seiten findest, nach, ob sie wissen, wo sie werben. Ein Tweet, eine Facebook Nachricht oder ein E-Mail: manchmal wirken sie Wunder.

[…] Das System hinter Online-Werbung begünstigt derzeit, dass diese Seiten von uns finanziert werden.

Und ich finde, das kann man auch stoppen. Ganz einfach aus dem Ohrensessel – und so, dass es den Zukunftsvergiftern weh tut. Und wenn du magst, kannst du natürlich auch diesen Artikel teilen.

Was ich hiermit tue. Mein einziges Problem dabei: ich bin nicht auf einschlägigen rechtsradikalen Seiten unterwegs.

Aber evtl. wird man da ja mal draufgeleitet, dann wirft man kurz einen Blick auf die Banner, bevor man sich schnell wieder verabschiedet.

(Quelle: davaidavai, via Bildblog)

Über Trump

Ein Kommentar über Trump bei Whatever:

I’m afraid, and I’m a straight, white, christian, middle-class male, so I’m one of the chosen people in Trump’s vision for America, but I am still very afraid of a Trump presidency, and my fear has nothing to do with party or politics. My fear is rooted in one single thing: Trump’s narcissism.

Go look up “Narcissistic Personality Disorder” on Wikipedia. Read it. I’ll wait…

All of that you just read, that describes my father in painful and exquisite detail. When you live with someone with NPD, _you_ are always wrong. If you disagree with them on the most minor point you are belittled mercilessly. You’re not just wrong, you’re told that there is something seriously wrong with you and that you need professional help. Or that you’re stupid. You are always inferior to a person with NPD. They learn your psychological and emotional weaknesses and exploit them to manipulate you into doing their will, behaving like they want you to behave. They have no empathy for others. They are completely unaware of other’s needs but hyperaware of their own. Your feelings either don’t matter or are invalid. If you complain about the narcissist’s behavior, _they_ say that they are the victim. Anyone who calls them on their behavior is persecuting them. They will belittle you to your face, then five minutes later deny they ever said what you say they said.

I’m not a psychiatrist or psychologist, nor do I play one on TV, so I’m not qualified to make an “official” diagnosis of Trump’s NPD. But I lived under/with a narcissist for four decades. I know the signs and symptoms very intimately. It didn’t take me long to figure out my extreme discomfort with Trump; he’s just like my father. And now someone just like my father is President.

I want to emphasize that this fear has nothing to do with party. I’m registered as independent. I voted for both Democrats and Republicans in this election. There were Republican presidential candidates I might have voted for in this election: Kasich, Graham, Bush (I voted for his dad and brother), maybe even Rubio. I’ve voted for Democrat and Republican candidates for president. Sometimes my choice won and sometimes they lost. In none of those cases was I fearful of the candidate that won. I may have disagreed with them on a few points or many points, but I never felt that they would be a danger to the American people or the place of America in world affairs. It’s not a matter of Trump’s ego. All politicians have egos; you have to to aspire to high office and to do the work necessary to get there. It’s his narcissism.

If you’ve never lived with a narcissist, it will be almost impossible for you to understand the visceral terror I’m feeling right now. If you lived with an abusive alcoholic, you might have _some_ idea. Instead of fearing for myself, my brother, or my mother, I now have to fear for the whole country, the whole world. Narcissists destroy people’s lives and sanity, they destroy families, businesses, and institutions. A narcissist like Trump (or my father), shouldn’t be allowed to run a hot dog stand, much less a country.

So yeah, I’m afraid.

Warum schaffen es viele Medien nicht, Oettinger einen Rassisten zu nennen?

Das ist eine gute Frage. Wie rassistisch muss sich Oettinger noch äußern, um endlich auch den Titel Rassist führen zu dürfen?

Zur Erinnerung, wir reden über den Mann der gesagt hat:

Anders als in einigen Nachrufen zu lesen, gilt es festzuhalten: Hans Filbinger war kein Nationalsozialist. Im Gegenteil: Er war ein Gegner des NS-Regimes

Filbinger. Der Filbinger:

1978 wurden infolge seiner Unterlassungsklage gegen den Dramatiker Rolf Hochhuth schrittweise vier Todesurteile bekannt, die Filbinger, damals NSDAP-Mitglied, als Marinerichter 1943 und 1945 beantragt oder gefällt hatte.

Das Bildblog in Person von Johannes Kram hat da anlässlich der neuen rassistischen, homophoben Rede ein paar gute Gedanken zu, die ich jedem ans Herz lege.

Wäre Oettinger AfD-Mitglied, wäre die Sache anders.

[…]

Was deutsche Medien hingegen verblüffend selten zu entlarven versuchen, ist der Rassismus. Es scheint fast so, als müsse sich in Deutschland niemand einen Rassisten nennen lassen, solange er keine Asylbewerberheime anzündet, als hätte in einem Land, in dem sich nicht mal die Nazis als Nazis bezeichnen, die Aussage, „gegen Nazis“ zu sein, schon irgendeinen Wert.

[…]

So führen auch begründete Rassismusvorwürfe nicht dazu, über Rassismus zu reden. Hätte jener Tag, an dem Günther Oettinger sich per „Welt“-Interview als rassismusfrei erklärte, nicht der Tag sein müssen, an dem Medien zum Thema machen, dass das und warum das so einfach eben nicht geht?

(Quelle: bildblog)