Om Shanti Om

Jetzt habe ich ihn mir angesehen, den neuen Film von SRK. Denn so wird er in Fachkreisen ausschließlich genannt.

Das Thema Wiedergeburt ist uns Europäern doch etwas fremd, ebenso wie die Kleidung der Inder in der 70er Jahren. Aber ich schweife ab, es geht um Om, einen Kleindarsteller des Bollywood-Kinos, der Shanti liebt. Beide sterben, Om wird wiedergeboren diesmal als Star der Filmindustrie und nimmt Rache. Dazu viel Tanz und Musik, wie üblich und nicht zu vergessen die Cameo-Auftritt-Orgie. Lustig war auch der Abspann, da durfte jeder mal auftreten bis hin zu den Spot Boys – in Indien hält so ein Anzug ein ganzes Leben lang. 😉

Fazit: Mal etwas anderes Bollywood Kino bei dem nicht ganz soviel auf die Tränendrüse gedrückt wird. SRK zeigt Sixpack und kann wirklich alles spielen. 😀 Endgesang erinnerte mich stark an das Phantom der Oper. Ich fand den Film gut.

Tempelhof retten

Ich weiß nicht, ob man das im Rest der Republik so mitbekommt, nächstes Wochenende ist eine Volksabstimmung in Berlin, ob Tempelhof als Flughafen erhalten bleiben soll. Die Abstimmung wurde vom ICAT e.V. maßgeblich in die Wege geleitet, einer Bürgerinitiative (Eigendarstellung). Präsident des ICAT ist Bernhard Liscutin, früher Direktor einer Fluggesellschaft und Sprecher der Tempelhofer Airlines. Soweit, so gut/fair/was-auch-immer.

Interessant ist, dass die Rettung von Tempelhof ganz zur Aufgabe von Friedbert Pflüger (CDU) geworden ist, ohne dessen und die breite Unterstützung von Bild das Volksbegehren schon gescheitert wäre. Pflüger erhofft sich, nicht zu unrecht, wie ich meine, dass er dadurch Klaus Wowereit als Regierenden Bürgermeister beschädigen kann und damit bei der nächsten Wahl eine Chance hat. Das zeigt auch die Kampagne, die sich weniger auf Fakten stützt, sondern auf Stimmungsmache und Pöbelei gegen den Regierenden. Die entsprechenden Plakate habe ich noch nicht fotografiert, reiche ich nach.

Unterstützt wird Pflüger, wie bereits erwähnt durch Bild (Bildblog berichtete), jetzt, gegen Ende der Kampagne werden alle Politiker und Prominienten aufgefahren, die nicht an sich halten können, den unrühmlichen Höhepunkt bildete Angela Merkel am Freitag.

Was gewinnt die CDU nun durch diese, meiner Meinung nach von vornherein zum Scheitern verurteilte Volksabstimmung?

Ganz einfach: Wowereit kommt aus der Sache nicht ungeschoren raus, egal wie es ausgeht. Er wird Tempelhof schließen, denn der neue Flughafen BBI wird nur gebaut und sinnvoll zu betreiben sein, wenn Tempelhof geschlossen wird. Darauf zielen die meisten Gerichtsurteile ab, die für BBI entschieden haben, jeweils mit dem Hinweis, dass durch den BBI Tempelhof geschlossen werden kann und die Abwägung dann für BBI ausfällt. Bleibt Tempelhof offen, gehen die Klagen sofort wieder los, dann ist der BBI aus. Wowereit muss also Tempelhof schließen, so wie es schon Eberhard Diepgen (CDU) bei der Planung von BBI beschlossen hat. Wowereit hat das auch angekündigt, daher erste Stimmungsmache: den interessiert der Volkswillen nicht.

Zweitens ist für den Ausgang des Entscheids die Mehrheit der Teilnehmer und mindestens ein Viertel der Wahlberechtigten notwendig. Das wird wohl kaum zu schaffen sein. Aber eine Mehrheit der Teilnehmer würde ich schon erwarten, denn die “Nein”-Stimmer bleiben wohl potentiell zu Hause. Also wieder ein Punkt, dass die “Mehrheit” der Berliner für Tempelhof ist und es den Regierenden nicht interessiert.

Es mag nicht viel sein, zeigt aber ganz gut, wie in Berlin Politik gemacht wird. Da profiliert sich ein Kandidat nicht durch gute Politik oder durch Ausmisten des Berliner Saustalls CDU oder durch Kappen der alten Zöpfe oder durch irgendwas Positives. Nein, er muss dem Regierenden ans Bein pinkeln. Und Springer macht mit, wie immer.

Die Plakate beider Seiten sind übrigens von bemerkenswerter Schlichtheit. Beispiele unten.

Kritik: Doomsday

Die 80er sind zurück. Snake Plissken, Aliens, Mad Max, sie alle haben einen würdigen Nachfolger gefunden: Doomsday von Neil Marshall.

Neil Marshall hat ja schon für einige Perlen gesorgt: Dog Soldiers oder The Descent (bei dem das erste “e” als kurzes “äh” gesprochen wird, wie in “at”, nicht als “i”, nur mal so nebenbei). Während diese beiden Film reine Genrefilme der Bereiche Werwolf und Survival-Horror sind, ist Doomsday eine wilde Mischung aus 80er-Jahre-Action-Filmen, dem Video zu “Wild Boys”, Liedern der 80er Jahre, Excalibur und dem Besten von heute.

Doomsday wird im August herauskommen, ob geschnitten, weiß keiner. Ich habe den Film im Rahmen der Fantasy-Film-Nächte gesehen, in Anwesenheit der Regisseurs, der genau obige Mischung ankündigte. Und sie kam. Memo an mich: wenn der Regisseur kommt, was zum Signieren mitnehmen. Ich Blödmann.

Zum Film: er fängt als Escape from New York an, geht als Resident Evil: Apocalypse weiter und steigert sich zu Aliens (inclusive des tollen Fluchtfahrzeugs). Danach kommt Mad Max durchmischt mit “Wild Boys”, wir gehen über zu Excalibur und dann alles wieder in umgekehrter Reihenfolge zurück auf Anfang. Nur ein paar Highlights: Punks und “Good Thing” von den Fine Young Cannibals: der Bandname ist Programm. Oder eine Verfolgungsjagd zu “Two Tribes” von Frankie Goes To Hollywood. Grandios.

Dabei geht der Film ordentlich zur Sache, mit blutleer ist hier nix. Schauspieler, die ihren Namen verdienen, allen voran Rhona Mitra, Bob Hoskins oder Malcolm McDowell.

Die oben genannten Film- und Musikreferenzen sind sicher nicht alle, aber ich habe den Film ja erst einmal gesehen. Mir fällt zur Zeit noch ein: Pulp Fiction. Nebenbei: laut Marshall waren wir die ersten Zuschauer, die beim blutigen Abgang des Kaninchens geklatscht haben. Da waren die anderen wohl Weicheier.

Fazit: unbedingt ansehen, wenn man eine blutige Hommage an die 80er sehen will. Planet Terror ist der letzte Film, der mich derart begeistern konnte.

Kritik: Sweeney Todd

Sweeney Todd: The Demon Barber of Fleet Street, so die Verfilmung eines Musicals, das auf einer Londoner Legende basiert.

Verfilmt von Tim Burton mit Johnny Depp und Helena Bonham Carter in den Hauptrollen, verspricht das der übliche Burton zu werden. Auch die Trailer deuteten darauf hin, nur mit ein wenig Musik.

Weit gefehlt. Die Musik bestimmt den Hauptteil des Films (gut, ist halt ein Musical), die typischen Burton’schen Elemente stehen zugunsten einer musicalgetreuen Verfilmung zurück – beides tut dem Film nicht gut. Die Leichtigkeit in der Inszenierung, die schrägen Momente und interessanten Einfälle – all das fehlt bis auf wenige Momente. In diesen brilliert der Film, zu nennen sind die Szene unter dem Baum, Pirelli oder die Arie von Sweeney Todd, die in seinem Zimmer endet. Dort ist der Film herausragend, dort war ich begeistert.

Dem stehen äußerst langatmige Teile gegenüber, bei denen ich weder mit Musik, Inhalt oder Inszenierung was anfangen konnte, als Beispiel sei das Klagen des verliebten Jungen erwähnt – der hätte zuvorderst als Pastete enden sollen. Ebenfalls schade: die guten Schauspieler, die nicht genutzt wurden: wie kann man Alan Rickman so verheizen.

Lamento: warum wird nicht beachtet, dass Kino und Bühne zwei unterschiedliche Welten mit unterschiedlichen Anforderungen sind?

Fazit: ich war hin- und hergerissen zwischen gutem und schlechtem Film, Begeisterung und Langeweile. Schade.

Kritik: Untraceable

Untraceable ist ein Film, auf den ich durch einen extrem schlechten Trailer aufmerksam wurde. Da jedoch im Kino keine gute Alternative kam, biss ich in den sauren Apfel und schaute mir den Film an.

Er war überraschend gut. Im Gegensatz zum Trailer kein Splatterfilm (zumindestens nicht durchgehend), sondern ein erstaunlich nüchterner, melancholischer Film über einen Verbrecher, der Leute quält und umbringt. Obwohl für das Szenario keine Erklärung nötig gewesen wäre, wird eine geliefert, die trotzdem den Film nicht verdirbt, wie sonst üblich. Mit gutem Willen kann man sogar Medienkritik erkennen, die jedoch sehr einseitig geführt wird.

Auch die frühe Einführung des Täters nimmt nicht die Spannung, im Gegenteil, sie erhöht sie sogar. Diane Lane als Ermittlerin spielt sehr gut, sie drückt mit einem Stirnrunzeln, einer Geste soviel aus, dass es eine Freude ist, richtige Schauspieler an der Arbeit zu sehen. Noch dazu ist die die Frau von Josh Brolin, da habe ich in kurzer Zeit die ganze Familie gesehen.

Joseph Cross ist als Bösewicht gut, wenngleich er eine etwas schlechtere Rolle hat. Er macht das Beste draus. Die restliche Besetzung ist ordentlich mit einem erstaunlich nervfreien Kind. Da habe ich wohl in letzter Zeit Glück mit Kinderrollen.

Wenn etwas zu kritisieren ist, dann das Ende, das passt nicht wirklich zum Rest des Films, der sehr realistisch daherkommt. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau.

Fazit: trotz des Trailers ein sehr guter Film, fesselnd, Techtalk, schauspielerisch gut.

Kritik: No Country for Old Men

Während sich der Duft der Katzen auch nach dem zweiten Lüften noch nicht legt, hier die erste der Nachholrezensionen: No Country for Old Men.

Wir wollten den Film unbedingt sehen, denn die Coen-Brüder sollten, laut Kritik, zu ihren eher blutigen Wurzeln wie Blood Simple oder Fargo zurückkehren. Der Nachteil dabei war, dass wir dafür während der Ferien in die Kindervorstellung gehen mussten. Es erwies sich als der Fehler, der es zu sein schien. Eine Horde jugendlicher Giggler, die vor, während und nach dem Film unaufhörlich schwätzen mussten. Wir versuchten, dem durch Vorsetzen zu entgehen, hat nur teilweise geholfen.

Der Film fängt gemächlich an, er zeigt ein karges Land mit wortkargen Einwohnern und einer sowas von miserabel gerenderten Wildherde, dass wir dachten, das war’s für den Film. Dann geht er aber in die Vollen und hält die Spannung und den Tenor durch, trotz einiger langatmiger Passagen zwischendurch, die fast alle leider mit Tommy Lee Jones zu tun hatten.

Der unglaublich sympathische Spanier von der Oscar-Nacht spielt einen sehr überzeugenden Bösewicht, Josh Brolin einen, bis auf den Anfang, überzeugenden Amerikaner, der nicht der Schlauste ist, aber versucht, das Beste draus zu machen.

Zwischendurch noch ein paar Tote am Wegesrand und das Ende kann beginnen. Hier setzen die Coen-Brüder erstaunlich interessante Schnitte und Erzählweisen ein, so dass Ermüdungserscheinungen vermieden werden. Noch schnell die letzten Leute umgebracht, ein Splitterbruch und schon ist der Film zu Ende.

Fazit: bis auf einige Längen ein sehr guter, überzeugender Film mit einem sehr coolen Javier Bardem.

BVG-Streik tötet 14jähriges Mädchen

So lautet die unglaubliche Schlagzeile der Bild Berlin heute. Sie bezieht sich auf einen Unfall, der in der polizeilichen Pressemitteilung so dargestellt wird:

Eine 14-jährige Radfahrerin ist heute in Tempelhof vom Anhänger eines LKW
erfasst und tödlich verletzt worden.
Nach den bisherigen Erkenntnissen befuhr die Jugendliche mit ihrem Fahrrad gegen
13 Uhr 10 den Tempelhofer Damm in Richtung Mariendorf. Aus bisher noch
ungeklärter Ursache geriet sie kurz hinter der Kreuzung Ecke Alt-Tempelhof
unter den Anhänger eines 38-jährigen LKW-Fahrers. Die Wiederbelebungsversuche
eines alarmierten Notarztes blieben ohne Erfolg. Das Mädchen ist die 13.
Verkehrsunfalltote in diesem Jahr in Berlin.
Der Anhänger des LKW wurde zwecks Klärung des Unfallherganges sichergestellt.

In Bild (der Online-Artikel) liest sich das Ganze (in Auszügen) so:

[…]
Sandra geriet auf dem Heimweg von der Georg-von-Giesche-Oberschule in
Schöneberg unter einen Laster. Es war der siebte Tag des BVG-Streiks.
Vielleicht könnte das zierliche, brünette Mädchen noch leben, wenn es die
acht Kilometer nach Hause nicht mit dem Rad hätte fahren müssen.

In BILD klagt die Mutter jetzt an: „Sandra ist sonst immer mit Bus und U-Bahn
unterwegs. Sie wäre nicht mit dem Fahrrad gefahren, wenn die BVG nicht
gestreikt hätte.“

[…]

Wie der Unfall genau passierte, ist bis heute nicht klar. Am Steuer des Lasters
saß ein 38-Jähriger. Ein Polizeisprecher gestern zu BILD: „Der Fahrer steht
unter Schock, konnte noch nicht befragt werden.“

Dort, wo Sandra starb, endet der Radweg plötzlich im Nichts. Direkt an der
Kreuzung werden Radfahrer nach links auf den viel befahrenen und gefährlichen
Tempelhofer Damm gezwungen. Auch Sandra.

Ihre Mutter wünscht sich: „Da muss endlich ein Radweg hin, ehe noch jemand
stirbt. Vielleicht wäre der Tod von Sandra dann nicht so sinnlos.“

[…]

Es ist unfassbar. Man ist von Bild ja einiges gewohnt, aber das finde ich so was von zum Kotzen. Der Mutter kann man sicher keinen Vorwurf machen, ihr Kind ist gerade gestorben. Genau zu dieser Zeit haben Journalisten eine besondere Verantwortung. Jetzt aber die BVG für einen Unfall verantwortlich zu machen, indirekt sogar Verdi, der durch schlechte Verkehrsplanung, den LKW-Fahrer oder das Kind, man weiß es nicht, verursacht wurde, ist meiner Meinung nach schon verhetzend, verleumdend.

Im Bildblog wird die Angelegenheit auf meinen Hinweis hin auch behandelt.

Ich könnte jetzt sagen, die sollen sich schämen. Aber wer bei Bild arbeitet, schämt sich nicht. Traurig.

Ich hatte mich eigentlich darauf gefreut, auch mal einen Eintrag für das Bildblog zu liefern. Bei dieser Geschichte vergeht mir das.

Kritik: Severance

Severance – ein Film über den Team-Building-Ausflug der britischen Verkäufer einer internationalen Waffenfirma nach Ungarn.

Dieser Film ist gut. Die Figuren werden soweit eingeführt, dass man Mitleid oder Schadenfreude über ihren Tod empfindet, dann wird auch schon gestorben. Die Auflösung ist so abgefahren, dass es schon wieder schön ist. Die Schauspieler machen ihre Sache durch die Bank weg gut, lediglich die ungarischen Begleitdamen sind, sagen wir, nach anderen Gesichtspunkten als der schauspielerischen Eleganz gecastet.

Der Film baut bereits mit dem Vorspann eine unglaubliche Atmosphäre auf und hält diese dann auch durch – auch etwas, das nicht selbstverständlich ist.

Fazit: ein sehr guter Film, sehr lustig, sehr blutig.

Roy Scheider

Roy Scheider ist am Sonntag gestorben. Ein Schauspieler, der mit Blue Thunder einen der prägendsten Filme meiner Jugend gedreht hat. Sowieso ein großartiger Film, sind gerade Roy Scheider und Malcolm McDowell in ihren Rollen herausragend.

Später habe ich dann Jaws gesehen, einen weiteren Meilenstein in der Filmliste, der war mir zu langweilig. Genau wie 2010. Aber beide Filme hatten etwas. Von den 88 in der IMDB gelisteten Filmen habe ich nur die wenigsten gesehen und Roy Scheider in Erinnerung behalten, gerade mal The Punisher fällt mir da auf.

Aber genau wie Lance Henriksen war Roy Scheider ein Schauspieler, der jeden Film durch seine, meist kleinen Rollen besser machen konnte.

Kritik: Bubba Ho-Tep

Heute mal ein Film, der in D nicht im Kino lief: Bubba Ho-Tep von Don Coscarelli mit Bruce Campbell.

Nun ist es ja so: Filme mit Bruce Campbell haben, sagen wir, oft den Ruch des B-Films, des Independentfilms. So auch hier. Allerdings im positiven Sinn der Worte.

Bubba Ho-Tep erzählt von Elvis (ja, dem King), der eine Wucherung auf dem Penis hat, und John F Kennedy, der nach seiner gefaketen Ermordung gefärbt wurde und jetzt wie ein Schwarzer aussieht, die in einem Altersheim wohnen, das von einer Mumie heimgesucht wird, eben jenem Bubba Ho-Tep, der den Bewohnern die SelleSeele durch den Anus saugt.

Genauso ist der Film. Einfach gut. Allerdings muss man sagen, der Film ist extrem langsam. Die Szenen sind toll, Bruce Campbell schauspielert sehr gut, alle Figuren sind genau getroffen. Trotzdem ist der Film halt langsam, ruhig, man wohnt ja im Altersheim. Trotzdem ist der Film gut gedreht, nicht schnarchig, einfach ruhig.

Fazit: Toller Film, wenn man sich auf die ruhige Erzählweise einlässt.