Und ständig dieser Lärm

Nein, wir waren nicht beim Ärzte-Konzert, laut war es trotzdem: “everything louder than everything else”.

Ja, Motörhead gaben sich wieder einmal die Ehre, wie jedes Jahr zum Abschluss desselben. Drei Vorbands waren angesagt, 20 Uhr der Beginn, das heißt, frühzeitig da sein, um alles zu sehen. Wir trudelten gegen halb acht ein und kamen natürlich für die erste Band zu spät.

Diese hieß “Valient Thorr” und bestand aus dickbäuchigen oberkörperfreien Bartträgern mit langen Haaren. Diese rockten gerade das Ende ihres Auftritts herbei und hinterließen den Eindruck, dass ich sie gerne gesehen hätte. Lieber als die folgende Band “Skew Siskin”.

Wir traten nach vorne zu den Boxen, unser Standplatz für den Abend. Diese waren so hoch wie ich, doppelt so breit wie hoch, und obendrauf noch einmal ordentlich. Entfernung: ein Meter. Yeah. Ich höre jetzt wieder ohne Rauschen.

Skew Siskin bestand aus jungen Burschen, die mit einer Sängerin zusammenspielten, die Lemmy beim Krächzen nacheiferte. Dabei blieb sie sauber im Singen, technisch war an der Band nichts auszusetzen. Die Lieder waren allerding nicht unser Fall. Lediglich ein guter Rocksong mit einem Gitarristen von Iggy Pop und das letzte Lied gefielen uns.

Nach einer kurzen Umbaupause (erstaunlich schnell) traten “Overkill” auf, wer denkt bei dem Namen nicht auch sofort an Motörhead. Eine interessante Bandgeschichte (vor allem des Sängers), die mir zum Zeitpunkt des Auftritts noch unbekannt war, gibt es ja. Die Musik war für eine Vorband erstaunlich gut. Wenngleich der Sänger sehr hoch sang, was mir nicht so gefällt, gab es gute Musik auf die Ohren. Alle Bandmitglieder cool, gut, schnell. Besonders der Bassists hat es mir angetan. Die Band spielte lange, eine geschätzte Stunde, einziger Wermutstropfen der Fan der Gruppe, klein, kompakt, Stiernacken, der sich neben uns gestellt hatte und begeistert mitmachte. Danach tat mir der Arm weh. Erstaunlich: trotz Fantum konnte er die Worte “Fuck You” des letzten Liedes nicht mitsingen, er rief immer “äh äh”. Wir haben nachträglich gelacht, will ja nicht noch ein blaues Auge.

Es folgte eine längere Umbaupause, da die Boxen-Mikro-Kombination auf der rechten Bühnenseite Probleme bereitete. Nach einer gefühlten halben Stunde ging es weiter.

Jubel “We are Motörhead.” Jubel. “And we play Rock’n’Roll.” Mehr Jubel, erschlagen von Rock’n’Roll.

Die alten Männer (61+46+44) sind einfach unbeschreiblich gut. Wenn man drei Konzerte in seinem Leben hören kann, und keine Möglichkeit hat, zu den Berliner Philharmonikern zu gehen, muss man Motörhead, Metallica und Rammstein gesehen haben. Hilft nix. Motörhead kann man auch mehrmals genießen, dafür bekommt man auch besser Karten.

Moshen geht zu Motörhead gut, dieses Mal haben die Ordner de Leute immer wieder zurückgeschubst. Kam gut. Das Publikum gefiel mir dieses Mal auch besser, wenngleich ein Blick auf die Ränge erschreckende Immobilität zeigt. Da möchte man hochrufen: “Das ist Motörhead.” Aber wahrscheinlich wissen die das.

Anderthalb Stunden später war das Konzert vorbei. Keine Überraschungen, keine Ausfälle, lediglich die Akustikgitarre war schwer verstimmt, die Zeit wurde mit “I already wanted to say, you are the best crowd on this tour.” (Englisch von mir, der Welsh Wanker spricht natürlich fehlerfrei.) Der Schluss kam etwas überraschend, aber wir wollen uns nicht beschweren, es war ein gutes Konzert.

Jubel. “We are Motörhead.” Jubel. “And we play fucking Rock’n’Roll.” Abschlussjubel.

Videos von Motörhead?
Overkill
Ace Of Spades
Ramones
Sacrifice (mit hörenswertem Trommel-Solo ab 1:30 (Mikkey Dee ist das Tier))

Other Bands Play, Manowar Kill

22.3.2007, 19:20, es regnet in Berlin und ist kalt, wir stehen in einer langen Schlange vor der Max-Schmeling-Halle und begehren Einlass zur Demons, Dragons and Warriors Tour. Während des Wartens haben wir Zeit, den Merchandising-Truck zu bewundern, ist mir aber zu teuer, lediglich das Regencape(!) für fünf Euro wäre erschwinglich, so stark regnet es aber doch nicht. Und ein True-Metal-Anhörer mit Regencape?

19:30, wir sind drin. Es spielt noch keine Band, 19:30 sollte es anfangen, also sind wir rechtzeitig da. Leider haben wir später mitgekriegt, dass “Holy Hell” schon gespielt hat. Warum ist es so schwer, die Anfangszeit der Konzerte so bekannt zu geben, dass man keine Band verpasst?

Also fing unser Konzert mit Rhapsody of Fire, mir noch als “Rhapsody” bekannt, an. Offiziell spielen sie wohl Power Metal, es ist melodischer Rock mit harter Gangart. Schon mal ein sehr guter Eindruck mit Christopher Lee als Sprecher der Hintergrundgeschichte. Wenn man mal die Gelegenheit hat, Christopher Lee im Original zu hören: tun!

Rhapsody haben dann erst einmal einen zwiespältigen Eindruck gemacht. Es ist halt schon länger her, dass ich bei einer grundsätzlichen langhaarigen Metalband war. Es ist gewöhnungsbedürftig, aber nicht schlecht. Immerhin hatten die Leute keinen Spliss, I konnte das genau sehen, da Fabio Lione, der Sänger, später vor uns an der Theke stand. Der Drummer fiel etwas aus dem Konzept heraus, kurze Haare mit Tuch. Er hatte zwischendurch auch ein Solo, spielte ganz ok. Als Referenz war aber noch der Drummer von Motörhead im Hinterkopf, der natürlich auf einem ganz anderen Niveau spielt.

Zurück zu Rhapsody. Der Gitarrist. Luca Turilli. Ui. Glänzendes Kunstleder. Im Ballonseidenstil. Haare zum Alphaville-Gedächtniszopf gebunden. Aber gespielt hat er gut.

Musikalisch waren Rhapsody erwartungsgemäß gut bis besser. Der Sänger konnte wirklich etwas und konnte es auch auf der Bühne umsetzen. Auch die anderen Musiker waren gut. Bis der Flötenschlumpf auftrat. Ein langhaariger Italiener mit Blockflöte, der diese ordentlich blies und dabei rumhampelte ohne Ende. War nicht mein Ding.

Insgesamt spielten Rhapsody ungefähr eine sehr kurzweilige, schnelle, harte Stunde. Sie gaben noch ein Lied Zugabe, dann bereiteten wir uns auf Manowar vor.

Der Umbau des Equipments ging erstaunlich schnell, schon nach einer gefühlten Viertelstunde war es soweit: Manowar.

sign of the hammer21:00, Manowar begannen mit “Manowar”. Langsam aber gut. Danach wurde es immer langsamer und langsamer. Zwischendurch mal ein schnelles Lied, aber nach einer halben Stunde fingen wir leicht an, den Besuch zu bereuen. Dann gab es eine kleine Pause. Dann kam Joey DeMaio (der Bassist) heraus und sorgte nachhaltig für Stimmung: erst wurden wir als “truest of the true” Metal-Fans geehrt (stimmt). Danach wurde ein Erleuchteter bestimmt, der durch Gitarrespielen mit Manowar wiedergeboren werden sollte. Ihm wurden zwei Frauen aus dem Publikum zur Seite gestellt, eine, weil sie in der Nähe stand (sie kam aus Essen) und eine mit großen Titten (Chemnitz).

Der Junge spielte recht gut Gitarre, ihm wurde jedoch die Schau durch das Mädchen aus Chemnitz gestohlen, das anscheinend animiert genug war, um sich den BH hochzuziehen. Danach spielte Manowar weiter, diesmal auf extrem hohem, schnellem und gutem Niveau. Die Frau aus Chemnitz ließ es sich nicht nehmen, sich noch einmal auf die Bühne zu stellen und sich auszuziehen und zu räkeln. Sie hatte auch schon die Hose offen, aber da war das Lied dann aus. Ich nehme mal an, Videos von diesem sprituellen Erlebnis werden bei YouTube (z.B. hier) zu sehen sein. Das lebende Klischee.

Der zweite Teil war, wie gesagt, einfach gut. Hart, schnell, Gitarrensolos, endlose Liedenden – Klasse.
Danach war eine kurze Umbaupause, in der im Bühnenhintergrund ein Wikingerschiff aufgebaut wurde. Dann fing der dritte Teil an – Odin, Walküren, Berserker. Alles episch, melodisch aber nicht unbedingt hart vertont von Manowar. Auch verfilmt in nebligen Wäldern, Teile der Kämpfe/Geschichte live auf der Bühne dargestellt von Kämpfern. Mir hat’s richtig gut gefallen, ich war allerdings durch die Achilles-Vertonung schon auf sowas vorbereitet. I hat’s nicht gefallen.

rockDann war Ende, nach drei Stunden Manowar, kurz nach Mitternacht. Joey DeMaio ist ein Gott auf dem Bass (nach Lemmy natürlich, aber der zählt ja nicht), und er würde für Metal sterben. Eric Adams singt erstaunlich gut, sein tiefes Grollen kommt live sogar noch viel besser als auf CD. Gitarrist und Drummer reihen sich mit guten Leistungen ein.

Fazit: True-Metal ist nicht jedermanns Sache, ich fand’s gut, I war leicht enttäuscht. Und nicht vergessen: Leder, Stahl, Tod dem falschen Metal und seinen Anhängern.

(archivierter Beitrag aus rauhesitten.blog.de)

“The Devil is a loser and he’s my bitch”

Yupp, gestern spielte Lordi im Postbahnhof und wir waren da. Vorgruppe war The Dogma.

Zunächst zum Postbahnhof, direkt neben dem Ostbahnhof für uns in günstiger Fahrradentfernung mit Fahrradständern vor der Tür gelegen. Am Einlass war ein kleine Schlange, nach 15 Minuten waren wir aber drin, immer noch etwas früh, daher rausgesetzt in den Strandbereich. Sehr gemütlich und auch seltsam, Leute mit Motörhead-, Rammstein- oder Lordi-T-Shirts über Return of Investment sprechen zu hören.

Ziemlich pünktlich 21 Uhr kam “The Dogma”: ui. Der Bassist und der Keyboarder sahen halbwegs grimmig aus, der Gitarrist trug ein Netzhemd und sah aus wie Totti, der Sänger Lack/Kunstleder(?) mit schönen langen Haaren. Anscheinend kamen die Leute aus Italien und spielten melodischen Hard-Rock, ungefähr wie Rhapsody (die wir als Vorgruppe von Manowar im Dezember sehen werden). Musikalisch war das ok, nicht der ganz große Brüller, halt Melody-Rock, ein “Speed-Metal”-Stück drin, das war meines Erachtens auch das beste.

Aber der Sänger. Zwischendurch brachte es Sätze wie “This is fucking rock.” oder “It’s getting hot, this is fucking good.” Das Ganze mit der Betonung und Ausstrahlung eines italienischen Softpornos der 70er. Auch seine Gestik war extrem hölzern, er stieß immer waagerecht mit der Faust vor sich hin, sehr seltsam. Ich meine, es ist ok, wenn man nicht der große Sprecher oder Entertainer ist, dann sollte man sich halt auf’s Singen konzentrieren.

Genug davon, Umbaupause, Zeit für die Betrachtung, dass entgegen meinen Befürchtungen eine passable Anzahl Leute reingelassen wurde aber nicht zu viel. Und die Luft war wesentlich besser als vor einem Jahr bei Kurt Krömer. Wir standen neben dem Tontechniker, der nach dem Soundcheck eine selbstgebrannte CD einlegte, das war dann das Intro. Auch nicht schlecht.

Damit waren “Lordi” angekündigt, kamen und rockten. Die Lieder waren hauptsächlich aus “Get Heavy” und “The Arockalypse”, Lordi (diesmal ist der Sänger gemeint) bekommt seine Stimme exakt wie auf dem Album hin. Die restlichen Bandmitglieder auch, so dass musikalisch nichts auszusetzen war, wer gerne normalen harten Rock hört, dem sei Lordi wärmstens ans Herz gelegt. Vergleichen würde ich sie ungefähr mit den guten Liedern von Alice Cooper, nur ohne Balladen, was das Ganze sehr sehr erträglich macht.

Mit dem Aussehen muss man sich eventuell anfreunden, wenn man nicht auf Monsterrock steht. Aber das ist so dezent, man muss schon schwer Realität und Show verwechseln, um das falsch zu verstehen. Die Show war auch ok, “Lordi” bemühen sich sichtlich, ein gutes Konzert abzuliefern. Vor allem die Details beim Bühnenbild haben mich beeindruckt, zum Beispiel hing im Hintergrund (sicher von 90% der Zuhörer unbemerkt) eine bemalte Leinwand, um der Deko Tiefe zu verleihen. Sowas ist stark, denn es wäre auch ohne gegangen. Oder auf den Grabsteinen sind verwelkte Blätter aufgeklebt, das sieht man wirklich kaum. Die Pyrotechnik ist noch überarbeitbar, das war teilweise etwas wenig, einmal hat die Pyro sogar versagt. Schade.

Dem Sänger Lordi hab ich schon gehuldigt, er war stark. Awa an den Keyboards hat die undankbare Aufgabe, eher die Hintergrundmusik und -stimme zu liefern, hatte aber auch ihren guten Auftritt. Außerdem sind an den Keyboards die einzigen mir bekannten Metal-Schwibbögen angebracht. Ox, der Bassmann, ist beeindruckend. Die Sachen, das sieht einfach gut aus. Kita an den Trommeln hatte ein schönes Solo und durfte einen Bühnentechniker sprengen, was will man mehr? Amen, die Mumie, ist extrem beweglich, sprang auf der Bühne rum, hat eine lange Zunge und sein Mikro auf Bauchnabelhöhe angebracht, kommt aber trotzdem mit dem Kopf hin. Stark.

Sonstige Beobachtungen: die Bühnentechniker mussten Kutten mit Kapuzen tragen. Jeder Musiker wurde von einem Ventilator angeblasen. Fotohandys sind eine Erfindung des Teufels. Für richtige Pyro mal Rammstein anschauen. Lordis Anfangsumhang mit Wolfskopf ist guuut. Das Publikum, das mehr als 10 Sekunden einen Takt halten kann, muss noch gefunden werden.

Nach knapp zwei Stunden war das Konzert dann vorbei, nicht ohne zwei Zugaben abzubetteln: wann kommt eigentlich mal die Band, die (wie Rammstein ganz früher) ihr Zeug abspielt und gut ist. Die Zugaben sind sowieso geplant. Na ja. “The Dogma” waren unterdessen auch rausgekommen, alles eher kleine Leute. Die wirkten auf der Bühne größer. Nach dem Ende, als alle Leute sich noch am Ausgang drängelten, drängelte die Security von der anderen Seite, wir sollten endlich rausgehen. Das ist mir schon in der Columbiahalle negativ aufgefallen, statt in Ruhe zu warten, muss man mit dem stinkenden Partyvolk die engen Gänge nach draußen füllen.

Gesamteindruck: Vorgruppe ok, Lordi stark. Wieder anschauen, Pyro verbessern.

(archivierter Beitrag aus rauhesitten.blog.de)