Lemmy

Das erste Mal habe ich von Motörhead Anfang der neunziger Jahre in der Titanic gelesen (aus dem Gedächtnis):

Sämtliche Mitglieder von Motörhead sind unverwundbar, unsterblich und mehrere Meter groß.

Sänger Lemmy kann meterdicke Baßsaiten mit bloßen Händen zerreißen.

Danach war etwas Ruhe, bis ich zwei Alben in die Hände bekam: “Bastards” und “1916”. Immer noch unglaublich gute Alben, “Bastards” mit “Death Or Glory” (Aufstehn) und natürlich “Don’t Let Daddy Kiss Me”, “1916” mit “Going To Brazil”, “Ramones” und “1916”. Und mit “No Voices In The Sky”, bei dem mir zum ersten Mal bewusst wurde, dass Lemmy nicht singen kann und dass das nichts macht.

Beide Alben haben mich durch meine “Keine Soundkarte”-Zeit begleitet, “Bastards” einlegen und im Kopf spiele ich Doom.

Ob ich die Futtermeisterin mit Motörhead angesteckt habe oder ob ihr das vorher schon gefiel – wer weiß das schon. Egal, gemeinsam haben wir einen Film über Lemmy im Kino und einen im Fernsehen gesehen, ein Buch gelesen und jedes Jahr Motörhead live genossen.

We are Motörhead. We play Rock’n’Roll.

An das erste Mal “Orgasmatron” oder “Ace Of Spades” oder an das erste Live-Konzert kann ich mich nicht ausdrücklich erinnern. Es ist so, als ob Motörhead einfach ins Leben gekommen sind und dann immer da waren, ohne besonders aufdringlich zu sein. Motörhead war seitdem Teil unseres Lebens, nicht so, dass wir wie verrückt darauf gewartet hätten, aber auch nicht so, dass wir uns nichts draus gemacht hätten. Es ist fast der längste feste Bestandteil unseres gemeinsamen Lebens.

Nun nicht mehr.

Lemmy ist 70 geworden, hat einen, sagen wir, unsteten Lebenswandel geführt und das Leben so genossen, wie er wollte. Was haben wir erwartet? Dass er tatsächlich unsterblich ist? OK, ich könnte jetzt die Plattitüde einwerfen, dass er durch seine Musik weiterlebt, aber das ist nicht gemeint. Auch nicht, dass unsere Katze nach ihm benannt ist. Lemmy war eine der Personen, von denen ich nicht erwartet habe, dass er tatsächlich stirbt.

Bin ich geschockt? Nein. Traurig? Sicher. Höre ich gerade “Bastards”? 😉

Es bleibt eine der überlebensgroßen Figuren des Rock, scharfsinnig, politisch klar und klar links, mit der seltsamen Obsession für deutsche Weltkriegsreliquien, dem Hut und sehr vielen guten Liedern. Nicht nur “Ace Of Spades”.

I had to stand on this platform while the camera went around and did the hologram thing and then they made the model, only smaller. They said it’s an action figure and I said, ‘So, you’re gonna put a dick on it?’ They said, ‘No.’ I said, ‘Well, then it’s not going to get much action then, is it?’ A bad name for it, right?

Kritik: Motörhead

Am 11. Dezember 2015 waren wir beim Motörhead-Konzert, wie wir nun wissen, beim nicht nur für uns, sondern auch für Motörhead letzten.

Das Konzert sollte am 27. November stattfinden und wurde kurzfristig verschoben, wegen eines plötzlichen Krankenhausaufenthalts von Phil. Kann man nix machen, außer hoffen, dass der Ersatztermin halbwegs passt. Wir hatten mit Januar gerechnet, es wurde der Dezember, gut für uns.

Wir kamen zur ersten und einzigen Vorband: Saxon; Girlschool musste absagen, keine Ahnung, warum. Saxon waren gut. Kannten wir vorher nicht, aber die machten was her, zumindestens, wenn sie ältere Lieder (aus den 70ern) sangen. Alles neue war lahm. Seltsam. Trotzdem gute Stimmung.

Unsere Plätze waren ok, leider von einigen sehr renitenten und dummen Besoffenen umgeben, die die Vorband und den Anfang des Konzerts versauten. Wie ein anderer Besucher nach dem Konzert (unabhängig von uns) sagte: Warum säuft man sich so zu, dass man das Konzert nicht mitkriegt? Unsere Besoffenen hielten sich nicht an die Anweisung, die Treppen freizuhalten und wurden dann zu unserer Freude und zu unserem Erstaunen rausgeschmissen. Sehr angenehm.

Dann kam Motörhead und es war traurig. Schon letztes Jahr war deutlich zu merken, dass Lemmy nicht mehr voll spielen und singen kann. Und dieses Jahr war es noch schlimmer. Phil und Mikkey Dee versuchten, das zu überspielen, Phil übernahm einen Großteil der Ansagen, beiden machten mächtig Ballett, aber es war nicht zu überhören, dass Lemmy beim Gesang sehr leise gedreht wurde und auch nicht mehr schnell genug spielen konnte. Wenn das Intro zu “Ace of Spades” nicht mehr klappt… Zudem waren die Ansagen von Lemmy ein Grauen, er konnte nur noch nuscheln und keinen Satz geradeaus sagen. Das ist bitter, insbesondere, wo die Ansagen sonst ausnehmend gut waren.

Trotzdem: Motörhead ist Motörhead, wir haben eine Menge Rock’n’Roll bekommen und wurde gut unterhalten. Der “Whorehouse-Blues”. “Bomber”. “Orgasmatron”. Alles lang nicht mehr live gehört.

Insgesamt ein zwiespältiges Erlebnis: Saxon gut, Motörhead gut, Lemmy nicht mehr auf der Höhe.

Morgen: Lemmy.

Babymetal

2015-08-27_BabymetalEnde August waren Babymetal in Berlin, hatten wir erst kurz zuvor durch einen Artikel in der Deadline entdeckt.

Das sieht auf Youtube erst mal so schräg aus, dass wir einfach mal ausprobieren wollten, wie die Band live ist. Kann gut sein, kann schlecht sein, wir würden es sehen.

Das Konzert war im Huxley’s, das Wetter spielte so halb mit, es war warm mit etwas Regen, also mit dem Motorrad hin, erspart einem die lästige Parkplatzsuche. Wir hatten noch keine Karten, es gab noch welche, die aber häßlich generisch waren, daher kein Foto der Eintrittskarte.

Das Huxley’s war gut gefüllt, sehr angenehme Leute, kein Drängeln, keine Aggression, das war ja schon mal was.

Kurz nach acht ging es los, ohne Vorband, nur Babymetal. Erst kamen die Musiker, cool angezogen, und schrammelten los. Und wie. Laut, schnell, hart. So sollte das sein.

Dann kamen die Sängerinnen. Man kann es schlecht beschreiben, aber auf uns hat das einfach gut gewirkt: die brachiale Musik, der piepsige Gesang, die Choreographie, das macht einfach nur gute Laune.

Und es gab keine Pausen, langsame Lieder waren nur am Anfang langsam, dann ging es hart und schnell weiter. Ich habe das Grinsen das ganze Konzert über nicht aus dem Gesicht bekommen, so sollten Konzerte sein.

Interessant auch die Fans: die kannten die Band wohl schon, haben mitgesungen, rumgetanzt, gemoscht, alles dabei.

Fazit: jederzeit wieder. Fun-Metal vom Feinsten. Nur etwas kurz (1,5 h). Wahrscheinlich der Jugendschutz…

Hier noch zwei Videos, wenn man das Konzertgefühl halbwegs nachvollziehen will: Bässe voll aufdrehen und bei der Lautstärke nicht sparen.

Hier sogar eins von unserem Konzert (bisschen wacklig aber mit Band):

Kreator im Huxley’s

Letzten Sonnabend waren Kreator im Huxley’s, wir natürlich dabei. Warum? Wir hatten das Video zu Phantom Antichrist auf IM1 gesehen und wollten uns das Ganze mal live antun. Oder wir haben es im Stahlwerk gehört. Wie auch immer…

Das Konzert begann 18:30, das war uns zu früh, noch dazu in der Kälte (ok, kein Zusammenhang). Damit verpassten wir Nile und Fueled by Fire. So vom ersten Youtube-Hören wären Fueled by Fire eher was für uns gewesen – sollte nicht sein.

Wir stiegen mit Morbid Angel ein, Death Metal aus Tampa, Florida. Drücken wir es so aus: ich habe gelernt, dass ich Musik mit Melodie doch lieber höre als schnelle Gitarrenriffs mit etwas Geschrei. Wobei das nicht sagen soll, dass es nichts hatte, aber so richtig hat es mich nicht fasziniert. Ich glaube, I ging es ähnlich. Andererseits kann man nicht sagen, dass wir uns gelangweilt hätte, ca. 70-80 Minuten (geschätzt) gingen schnell vorbei. Ich kann z.B. nicht sagen, wie viele Lieder wir in der Zeit gehört hatten – die gingen nahtlos ineinander über. Aber der Sänger war cool, das muss man ihnen lassen.

Dann Umbau für Kreator, Thrash Metal aus Essen – wir waren gespannt. Die Bühne wurde mit einem weißen Tuch verhangen, ein Beamer aufgebaut. Pünktlich um zehn ging es los mit Einstimmungsvideos zur Bandgeschichte, unterlegt mit “Personal Jesus” (“Jesus ist im Krankenhaus” – kleine Mythenmetzsche Abschweifung). Dann wurde der Blick auf die Bühne freigegeben – sagen wir, mich überrascht selten etwas. Aber eine komplett verkleidete Bühne mit Bühnenbild, Köpfen an den Mikroständern und am Schlagzeug sowie einer Quadriga-Skupltur aus Skelettpferden – das hatte was.

Musikalisch guter Thrash-Metal ging ins Ohr, einige Lieder waren überraschend gut, Phobia z.B. fand ich Spitze. Die Ansagen waren ok, wenngleich etwas martialisch (“Ich will mehr Gewalt im Moshpit sehen”), aber gut im Rahmen. Stimmung sehr gut, wer sich austoben wollte, konnte das tun, wer es etwas ruhiger mochte, musste nicht hinter der Säule stehen. Insgesamt etwas mehr als anderthalb Stunden gute Musik, ich war zufrieden. Highlight: cooles Akustikgitarrensolo von Sami Yli-Sirniö.