Kritik: Motörhead

Am 11. Dezember 2015 waren wir beim Motörhead-Konzert, wie wir nun wissen, beim nicht nur für uns, sondern auch für Motörhead letzten.

Das Konzert sollte am 27. November stattfinden und wurde kurzfristig verschoben, wegen eines plötzlichen Krankenhausaufenthalts von Phil. Kann man nix machen, außer hoffen, dass der Ersatztermin halbwegs passt. Wir hatten mit Januar gerechnet, es wurde der Dezember, gut für uns.

Wir kamen zur ersten und einzigen Vorband: Saxon; Girlschool musste absagen, keine Ahnung, warum. Saxon waren gut. Kannten wir vorher nicht, aber die machten was her, zumindestens, wenn sie ältere Lieder (aus den 70ern) sangen. Alles neue war lahm. Seltsam. Trotzdem gute Stimmung.

Unsere Plätze waren ok, leider von einigen sehr renitenten und dummen Besoffenen umgeben, die die Vorband und den Anfang des Konzerts versauten. Wie ein anderer Besucher nach dem Konzert (unabhängig von uns) sagte: Warum säuft man sich so zu, dass man das Konzert nicht mitkriegt? Unsere Besoffenen hielten sich nicht an die Anweisung, die Treppen freizuhalten und wurden dann zu unserer Freude und zu unserem Erstaunen rausgeschmissen. Sehr angenehm.

Dann kam Motörhead und es war traurig. Schon letztes Jahr war deutlich zu merken, dass Lemmy nicht mehr voll spielen und singen kann. Und dieses Jahr war es noch schlimmer. Phil und Mikkey Dee versuchten, das zu überspielen, Phil übernahm einen Großteil der Ansagen, beiden machten mächtig Ballett, aber es war nicht zu überhören, dass Lemmy beim Gesang sehr leise gedreht wurde und auch nicht mehr schnell genug spielen konnte. Wenn das Intro zu “Ace of Spades” nicht mehr klappt… Zudem waren die Ansagen von Lemmy ein Grauen, er konnte nur noch nuscheln und keinen Satz geradeaus sagen. Das ist bitter, insbesondere, wo die Ansagen sonst ausnehmend gut waren.

Trotzdem: Motörhead ist Motörhead, wir haben eine Menge Rock’n’Roll bekommen und wurde gut unterhalten. Der “Whorehouse-Blues”. “Bomber”. “Orgasmatron”. Alles lang nicht mehr live gehört.

Insgesamt ein zwiespältiges Erlebnis: Saxon gut, Motörhead gut, Lemmy nicht mehr auf der Höhe.

Morgen: Lemmy.

Babymetal

2015-08-27_BabymetalEnde August waren Babymetal in Berlin, hatten wir erst kurz zuvor durch einen Artikel in der Deadline entdeckt.

Das sieht auf Youtube erst mal so schräg aus, dass wir einfach mal ausprobieren wollten, wie die Band live ist. Kann gut sein, kann schlecht sein, wir würden es sehen.

Das Konzert war im Huxley’s, das Wetter spielte so halb mit, es war warm mit etwas Regen, also mit dem Motorrad hin, erspart einem die lästige Parkplatzsuche. Wir hatten noch keine Karten, es gab noch welche, die aber häßlich generisch waren, daher kein Foto der Eintrittskarte.

Das Huxley’s war gut gefüllt, sehr angenehme Leute, kein Drängeln, keine Aggression, das war ja schon mal was.

Kurz nach acht ging es los, ohne Vorband, nur Babymetal. Erst kamen die Musiker, cool angezogen, und schrammelten los. Und wie. Laut, schnell, hart. So sollte das sein.

Dann kamen die Sängerinnen. Man kann es schlecht beschreiben, aber auf uns hat das einfach gut gewirkt: die brachiale Musik, der piepsige Gesang, die Choreographie, das macht einfach nur gute Laune.

Und es gab keine Pausen, langsame Lieder waren nur am Anfang langsam, dann ging es hart und schnell weiter. Ich habe das Grinsen das ganze Konzert über nicht aus dem Gesicht bekommen, so sollten Konzerte sein.

Interessant auch die Fans: die kannten die Band wohl schon, haben mitgesungen, rumgetanzt, gemoscht, alles dabei.

Fazit: jederzeit wieder. Fun-Metal vom Feinsten. Nur etwas kurz (1,5 h). Wahrscheinlich der Jugendschutz…

Hier noch zwei Videos, wenn man das Konzertgefühl halbwegs nachvollziehen will: Bässe voll aufdrehen und bei der Lautstärke nicht sparen.

Hier sogar eins von unserem Konzert (bisschen wacklig aber mit Band):

Kreator im Huxley’s

Letzten Sonnabend waren Kreator im Huxley’s, wir natürlich dabei. Warum? Wir hatten das Video zu Phantom Antichrist auf IM1 gesehen und wollten uns das Ganze mal live antun. Oder wir haben es im Stahlwerk gehört. Wie auch immer…

Das Konzert begann 18:30, das war uns zu früh, noch dazu in der Kälte (ok, kein Zusammenhang). Damit verpassten wir Nile und Fueled by Fire. So vom ersten Youtube-Hören wären Fueled by Fire eher was für uns gewesen – sollte nicht sein.

Wir stiegen mit Morbid Angel ein, Death Metal aus Tampa, Florida. Drücken wir es so aus: ich habe gelernt, dass ich Musik mit Melodie doch lieber höre als schnelle Gitarrenriffs mit etwas Geschrei. Wobei das nicht sagen soll, dass es nichts hatte, aber so richtig hat es mich nicht fasziniert. Ich glaube, I ging es ähnlich. Andererseits kann man nicht sagen, dass wir uns gelangweilt hätte, ca. 70-80 Minuten (geschätzt) gingen schnell vorbei. Ich kann z.B. nicht sagen, wie viele Lieder wir in der Zeit gehört hatten – die gingen nahtlos ineinander über. Aber der Sänger war cool, das muss man ihnen lassen.

Dann Umbau für Kreator, Thrash Metal aus Essen – wir waren gespannt. Die Bühne wurde mit einem weißen Tuch verhangen, ein Beamer aufgebaut. Pünktlich um zehn ging es los mit Einstimmungsvideos zur Bandgeschichte, unterlegt mit “Personal Jesus” (“Jesus ist im Krankenhaus” – kleine Mythenmetzsche Abschweifung). Dann wurde der Blick auf die Bühne freigegeben – sagen wir, mich überrascht selten etwas. Aber eine komplett verkleidete Bühne mit Bühnenbild, Köpfen an den Mikroständern und am Schlagzeug sowie einer Quadriga-Skupltur aus Skelettpferden – das hatte was.

Musikalisch guter Thrash-Metal ging ins Ohr, einige Lieder waren überraschend gut, Phobia z.B. fand ich Spitze. Die Ansagen waren ok, wenngleich etwas martialisch (“Ich will mehr Gewalt im Moshpit sehen”), aber gut im Rahmen. Stimmung sehr gut, wer sich austoben wollte, konnte das tun, wer es etwas ruhiger mochte, musste nicht hinter der Säule stehen. Insgesamt etwas mehr als anderthalb Stunden gute Musik, ich war zufrieden. Highlight: cooles Akustikgitarrensolo von Sami Yli-Sirniö.

Ultrakitschig aber schön – Matt tanzt

Matt tanzt um die Welt – wer es noch nicht kennt: faszinierend aber sehr, sehr kitschig. Zur Überbrückung der Zeit bis zum nächsten Fahrradvideo 🙂

Teil 1 (2006), da tanzt Matt noch alleine, ist so halbgut

Teil 2 (2010), da tanzt Matt mit der Welt seinen Tanz

Teil 3 (2012), da tanzt Matt mit der Welt ihren Tanz

(direct youtube 1, youtube 2, youtube 3)

Bück Dich, befehl’ ich Dir!

Endlich wieder Rammstein auf Tour, mit neuer Show: “Made in Germany“. (Liederliste des Konzerts nur in englischer Wikipedia, ich vermute mal, in der dt. würde sie gelöscht, werde ich mal ausprobieren/recherchieren.)

Nachdem wir doch Karten bekommen haben, gegenüber der Bühne, janz weit weg, gingen wir am Donnerstag mit Fernglas bewaffnet in die O2-Arena. Gespannt, ob sich Rammstein was Neues einfallen lässt, vielleicht mal andere Lieder spielt, die Show verändert etc.

Aber erst einmal die Vorband anhören: Deathstars aus Schweden, wie uns der Sänger mit tiefer (wirklich tiefer) Stimme mitteilte (Ah, ah, aaaah!). Eine fünfköpfige Männerband (Männer deswegen betont, da wir uns nicht sicher waren, ob ein oder zwei Frauen mitspielen – tun sie nicht). Hat mich beeindruckt. Laut, tief, schnell, klangen ein wenig vom Sound her in Richtung Rammstein, ohne zu kopieren, sehr schön. Auf der Facebook-Seite gibt es zum Reinhören. Es spricht für sich, dass ich teilweise nicht durch das Fernglas beobachten konnte, da ich mit Kopfwippen beschäftigt war und das kommt durch’s Fernglas nicht so gut.

Sehr kurzweilige, gut unterhaltende, laute, harte 40 Minuten, die uns Deathstars da präsentierten. Hatte ich schon die tiefe Stimme des Sängers erwähnt?

Danach kurze Umbaupause und pünktlich um neun (deutsche Band) kamen Rammstein in die Arena. Sie gingen durch einen Seiteneingang hinein, angeführt von Oliver Riedel mit Fackel, dann der Rest, zwei Fahnen: Rammstein und Berlin. Sie gingen über eine eigens heruntergelassene Brücke auf die Bühne und dann ging es los.

Selten habe ich so ein lautes Konzert erlebt. Und schnell. Meine Fresse, was da allein in der ersten halben Stunde abging ist für andere Konzerte schon genug. Unglaublich gut. Das ist mal die Wand, von der im Stahlwerk auf Fritz immer gesprochen wird. Eine schöne Mischung an Liedern, nicht nur neue, auch alte, z.B. schön, mal wieder “Asche zu Asche” zu hören. Dazu wieder eine geniale Bühne, die, wie üblich, nach und nach erweitert wird. Nicht ganz so bombastisch wie in älteren Konzerten, aber dennoch sehr gut.

OK, das mit der Bühne relativierte sich, nachdem Richard. Z. Kruspe verschwand und auf einer kleinen Zusatzbühne mitten im Saal wieder auftauchte. Und dort erst einmal allein die Massen per Keyboard unterhielt (ok, das war vom mitmachen her an der Grenze zur Peinlichkeit). Bis die Brücke wieder herunterfuhr und der Rest der Band an Ketten von Doom Schneider geführt auf die Zusatzbühne kroch. Und wir saßen genau in der Sichtachse und hatten ein Fernglas. Genial. Übrigens: es ist unglaublich, mit welcher Liebe zum Detail Rammstein vorgehen, an sich müsste man jedes Gesicht die ganze Zeit über beobachten, so viel Schauspiel wird da geboten, nicht nur von Till Lindemann.

Als alle angekommen waren, kam “Bück Dich”, was hab’ ich das vermisst. Ein gutes Lied. Und eine gute Show dabei, übrigens der Grund, warum die erste Konzert-DVD in einer 16er- und einer 18er-Fassung veröffentlicht wurde. Danach noch “Mann gegen Mann”. Das Ganze ohne Pyro, einfach eine kleine Bühne mit Rammstein drauf. Genial.

Als Abschluss wurde wieder die große Bühne gewählt, nach zwei Stunden war dann alles vorbei. Aber was für ein Konzert, jedes Mal, wenn ich denke, es wird nicht mehr besser, denken sie sich was richtig gutes aus. Und das nach der eher schwachen Neuveröffentlichung von “Mein Land”, das übrigens nicht gespielt wurde. Wie so viele Lieder, die ich gerne wieder gehört hätte, aber dann wären wir auch nach vier Stunden noch da gewesen.

Tja, was gibt es zu kritisieren? Wenig. Mich stört jedesmal, wenn das Ende des Konzerts mitten im Konzert verkündet wird und es dann doch weitergeht. Kann man da nicht einfach eine kurze Pause ausrufen? Aber mehr fällt mir nicht ein.

Also: wer kann: reingehen. Was besseres dürfte man in absehbarer Zeit kaum zu sehen und zu hören bekommen. Ohrstöpsel mitnehmen. Leider wissen das viele und fast alle Konzerte sind ausverkauft.