Rammstein in der Waldbühne

Wünsch’ dir was ich sag’ nicht nein,
Und führ’ dir Nagetiere ein.

Es war mal wieder so weit, Rammstein lässt sich dazu herab, Einzelkonzerte zu geben, statt nur bei Festivals zu spielen. Eine sehr gute Gelegenheit, die Band mal wieder in Augenschein zu nehmen.

2016-07-09_Rammstein-TicketDazu muss man zunächst die Hürde des Kartenkaufs überwinden. Das ist nicht so einfach, wie es klingt, erst einmal Mitglied des Fanclubs werden, um in die erste Verkaufscharge zu kommen. Dann pünktlich zum Starttermin am Rechner sitzen und geduldig die Reload-Taste drücken. Eine halbe Stunde lang, bis der völlig überlastete Server zwei Karten freigibt. Zuschlagen und sich freuen, als habe man die Welt gewonnen.

Warum ist das so schwierig? Rammstein wollen den illegalen Kartenverkauf in den Griff bekommen, einerseits den Massenkauf von Karten verhindern, um möglichst vielen eine Chance auf Karten zu gewähren. Andererseits das teure Verkaufen von Karten unterbinden, weshalb alle Tickets personalisiert sind und man beim Einlass einen Ausweis vorzeigen muss. An sich eine sehr gute Idee, denn genau diese Praktiken sind schlimm und vergällen einem oft den Besuch begehrter Bands.

Trotzdem könnte tickets.de zum Start ein paar mehr Server von Amazon anmieten (7,50 € Buchungsgebühr!), es ist nicht überraschend, dass da Tausende zugreifen wollen. Rammstein war das bewusst und so wurde ein Konzert am 11.7. nachgeschoben nur für diejenigen Fangruppenmitglieder, die kein Ticket bekommen haben.

Am Sonnabend war es nun so weit und ich habe mich vorgefreut, wie schon lange nicht mehr, an sich ein schönes Gefühl. Bange Frage: wann muss man an der Waldbühne sein, um im unteren Drittel zu sitzen? Einlass ab 17 Uhr, Vorband 19:30, Rammstein 21 Uhr. Wir entschieden uns für 18:30 Uhr, das hat auch gut geklappt.

Vor allem der Einlass war problemlos, das hätte ich nicht gedacht, trotz Personenkontrollen und Ausweis vorzeigen waren wir innerhalb von 20 Minuten drin. Ich hatte mit einer Stunde gerechnet (schlechte Erfahrungen mit den Ärzten in der Waldbühne).

Kurz zur Waldbühne: das ist schon eine beeindruckende Anlage, der Ton ist exzellent, aber man sitzt selbst im unteren Drittel recht weit weg von der Bühne. Innenraum wollten wir nicht, dafür muss man dann die Entfernung in Kauf nehmen. oben ist dann noch weiter weg. Und die Toiletten sind strategisch ungünstig positioniert, das gab Stau und viele in den Wald pinkelnde Männer. Nicht schön.

2016-07-09_Rammstein-PeachesPünktlich 19:30 Uhr kam Peaches auf die Bühne, unsere Vorband, eine kanadische Electroclash-Sängerin und Musikproduzentin. Wie heißt es in der englischen Wikipedia so schön: “Ihre Lieder sind bekannt dafür, traditionelle Geschlechternormen zu missachten und sexuell explizite Texte zu enthalten”. Ja, das kann man so unterstreichen. Unterstützt wurde sie von zwei Tänzern, die mal als Vagina verkleidet, mal einfach so auf die Bühne kamen. Es war abgefahren, aber die Musik war gut und die Stimme herausragend. Mir hat es gefallen, wenngleich mir die Show teils zu übertrieben war. Trotzdem beeindruckend und sehr interessant. Offensichtlich kam das bei vielen Fans nicht so gut an – auch nicht schlimm. Leider war Peaches schon nach ungefähr 35 Minuten am Ende, hätte durchaus noch etwas dauern können.

Dann die Zeit vertreiben, bis Rammstein kommt. Große Ablenkung durch den VIP-Bereich, da wir nicht so im Business sind, erkannten wir nur Matthias Schweighöfer, evtl. einen von Boss-Hoss und evtl. auch Sophia Thomalla. Aber wer weiß…

21 Uhr (leichte zwei Minuten Verspätung) erschien dann ein einminütiger Countdown, ab 10 fiel das Publikum ein und das war schon der erste Gänsehautmoment. Beeindruckend, wenn eine bis dahin recht stille Menschenmenge anfängt, zu brüllen.

2016-07-09_RammsteinDann knappe zwei Stunden Rammstein-Konzert, man kann es schlecht beschreiben, wie gut so ein Konzert ist. Der Ton war überragend (nach etlichen Indoor-Enttäuschungen bei anderen Bands), die Pyrotechnik, die Lieder, die Schrammelgitarren, Flake – was soll man sagen. Ein Rammstein-Konzert ist ein Erlebnis.

Ja – Nein – Rammstein!

Es gab zwei neue Lieder, das erste, “Ramm 4”, na ja. OK für ein Konzert. “Hallelujah” schon besser, leider mit Mikroproblemen. Ansonsten kann man die Setliste auf setlist.fm nachlesen.

Die Auswahl der Lieder war gut, leider haben Rammstein mittlerweile so viele Lieder, dass eigene Favoriten fehlen müssen. Ich hätte gerne “Moskau” gehört, oder “Weidmanns Heil”, gern auch “Benzin”, auf jeden Fall “Bück Dich”. Aber was solls, “Ich tu Dir weh” war dabei, “Seemann” (erstaunlich gut gesungen), “Links 2, 3, 4” und “Engel” zum Abschluss.

Gibt es Kritik: klar. Was soll der Mist mit dem Zugabe-Abholen? Einfach durchspielen, bis das Konzert fertig ist und gut ist es. Und wo war “Pussy”? Neben “Ich tu Dir weh” der beste Text! OK, und “Du riechst so gut”.

Also kein:

Steck Bratwurst in Dein Sauerkraut!

Kurze philosophische Anmerkung: dass wir Deutschen eine Band mit solchen herausragenden Texten haben ist so schön… Endlich ein Gefühl dafür, was mit Sprache möglich ist.

Kings of Metal #Manowar #TrueMetal

2016-01-27_ManowarJa, Manowar waren wieder in Berlin, für schweineteure 86 Ocken, und trotz des zwiespältigen Eindrucks unseres letzten Konzerts natürlich ein Grund, das Tempodrom aufzusuchen.

Es war Klasse.

2016-01-27_Manowar_1Bühnenbild ist ein Tempel mit mehreren Leinwänden, auf denen Hintergründe gezeigt wurden, anfänglich etwas verwirrend, als nur Fans gezeigt wurden auch nicht gut, aber dann durchaus beeindruckend.

Vom Beginn des Konzerts bis zum Ende ist klar, wofür Manowar steht: True Metal. Für eine Zeit, in der alle Metaller Brüder sind. Eine Zeit, in der der Stahl regiert, als Schwert oder als Motorrad, idealerweise beides. Eine Zeit, in der Männer noch Muskeln tragen und sich nicht dafür schämen müssen. Eine Zeit, in der Frauen riesige Brüste haben und sich räkeln. Eine Zeit, in der Metaller lange Haare haben, Leder anziehen und Gitarrensoli leben. Eine einfachere Zeit.

Schaut Euch Conan an, schaut Euch den Herrn der Ringe an (ohne selbständige Frauen) – das ist Manowar. Und es ist schön.

Das Konzert war relativ kurz, dafür haben Manowar durchgeballert, nur kürzeste ruhige Abschnitte, dann immer wieder draufgedroschen, Gitarrensoli (schnell), Basssoli (noch schneller), Schreien von Eric Adams, der richtig gut gesungen hat.

Zwischendurch nachdenkliche Momente mit Joey DeMaio, der uns erklärte, dass a) Deutschland ein geiles Land ist, b) er jede Frau ficken würde, das aber nicht tut, weil ihre Freunde Manowar-Fans sind und damit Brüder und Brüder betrügt man nicht, c) alles seinen Preis hat, der Eintrittspreis geht in die Leinwände  und die Crew und d) gebe ich mal lieber nicht wieder.

Joey hat auch am Ende des Konzerts die Saiten seines Basses zerrissen und Fans geschenkt.

Wahnsinn. Gutes Konzert. Immer noch zu teuer, aber es ist Manowar. Die einzige Band, die im Genre “True Metal” unterwegs ist.

Abschließend noch ein Video aus Bratislava: “King of Kings”. Etwas wackelig, wenn man aber wissen will, was Manowar ist: ansehen!

Lemmy

Das erste Mal habe ich von Motörhead Anfang der neunziger Jahre in der Titanic gelesen (aus dem Gedächtnis):

Sämtliche Mitglieder von Motörhead sind unverwundbar, unsterblich und mehrere Meter groß.

Sänger Lemmy kann meterdicke Baßsaiten mit bloßen Händen zerreißen.

Danach war etwas Ruhe, bis ich zwei Alben in die Hände bekam: “Bastards” und “1916”. Immer noch unglaublich gute Alben, “Bastards” mit “Death Or Glory” (Aufstehn) und natürlich “Don’t Let Daddy Kiss Me”, “1916” mit “Going To Brazil”, “Ramones” und “1916”. Und mit “No Voices In The Sky”, bei dem mir zum ersten Mal bewusst wurde, dass Lemmy nicht singen kann und dass das nichts macht.

Beide Alben haben mich durch meine “Keine Soundkarte”-Zeit begleitet, “Bastards” einlegen und im Kopf spiele ich Doom.

Ob ich die Futtermeisterin mit Motörhead angesteckt habe oder ob ihr das vorher schon gefiel – wer weiß das schon. Egal, gemeinsam haben wir einen Film über Lemmy im Kino und einen im Fernsehen gesehen, ein Buch gelesen und jedes Jahr Motörhead live genossen.

We are Motörhead. We play Rock’n’Roll.

An das erste Mal “Orgasmatron” oder “Ace Of Spades” oder an das erste Live-Konzert kann ich mich nicht ausdrücklich erinnern. Es ist so, als ob Motörhead einfach ins Leben gekommen sind und dann immer da waren, ohne besonders aufdringlich zu sein. Motörhead war seitdem Teil unseres Lebens, nicht so, dass wir wie verrückt darauf gewartet hätten, aber auch nicht so, dass wir uns nichts draus gemacht hätten. Es ist fast der längste feste Bestandteil unseres gemeinsamen Lebens.

Nun nicht mehr.

Lemmy ist 70 geworden, hat einen, sagen wir, unsteten Lebenswandel geführt und das Leben so genossen, wie er wollte. Was haben wir erwartet? Dass er tatsächlich unsterblich ist? OK, ich könnte jetzt die Plattitüde einwerfen, dass er durch seine Musik weiterlebt, aber das ist nicht gemeint. Auch nicht, dass unsere Katze nach ihm benannt ist. Lemmy war eine der Personen, von denen ich nicht erwartet habe, dass er tatsächlich stirbt.

Bin ich geschockt? Nein. Traurig? Sicher. Höre ich gerade “Bastards”? 😉

Es bleibt eine der überlebensgroßen Figuren des Rock, scharfsinnig, politisch klar und klar links, mit der seltsamen Obsession für deutsche Weltkriegsreliquien, dem Hut und sehr vielen guten Liedern. Nicht nur “Ace Of Spades”.

I had to stand on this platform while the camera went around and did the hologram thing and then they made the model, only smaller. They said it’s an action figure and I said, ‘So, you’re gonna put a dick on it?’ They said, ‘No.’ I said, ‘Well, then it’s not going to get much action then, is it?’ A bad name for it, right?

Kritik: Motörhead

Am 11. Dezember 2015 waren wir beim Motörhead-Konzert, wie wir nun wissen, beim nicht nur für uns, sondern auch für Motörhead letzten.

Das Konzert sollte am 27. November stattfinden und wurde kurzfristig verschoben, wegen eines plötzlichen Krankenhausaufenthalts von Phil. Kann man nix machen, außer hoffen, dass der Ersatztermin halbwegs passt. Wir hatten mit Januar gerechnet, es wurde der Dezember, gut für uns.

Wir kamen zur ersten und einzigen Vorband: Saxon; Girlschool musste absagen, keine Ahnung, warum. Saxon waren gut. Kannten wir vorher nicht, aber die machten was her, zumindestens, wenn sie ältere Lieder (aus den 70ern) sangen. Alles neue war lahm. Seltsam. Trotzdem gute Stimmung.

Unsere Plätze waren ok, leider von einigen sehr renitenten und dummen Besoffenen umgeben, die die Vorband und den Anfang des Konzerts versauten. Wie ein anderer Besucher nach dem Konzert (unabhängig von uns) sagte: Warum säuft man sich so zu, dass man das Konzert nicht mitkriegt? Unsere Besoffenen hielten sich nicht an die Anweisung, die Treppen freizuhalten und wurden dann zu unserer Freude und zu unserem Erstaunen rausgeschmissen. Sehr angenehm.

Dann kam Motörhead und es war traurig. Schon letztes Jahr war deutlich zu merken, dass Lemmy nicht mehr voll spielen und singen kann. Und dieses Jahr war es noch schlimmer. Phil und Mikkey Dee versuchten, das zu überspielen, Phil übernahm einen Großteil der Ansagen, beiden machten mächtig Ballett, aber es war nicht zu überhören, dass Lemmy beim Gesang sehr leise gedreht wurde und auch nicht mehr schnell genug spielen konnte. Wenn das Intro zu “Ace of Spades” nicht mehr klappt… Zudem waren die Ansagen von Lemmy ein Grauen, er konnte nur noch nuscheln und keinen Satz geradeaus sagen. Das ist bitter, insbesondere, wo die Ansagen sonst ausnehmend gut waren.

Trotzdem: Motörhead ist Motörhead, wir haben eine Menge Rock’n’Roll bekommen und wurde gut unterhalten. Der “Whorehouse-Blues”. “Bomber”. “Orgasmatron”. Alles lang nicht mehr live gehört.

Insgesamt ein zwiespältiges Erlebnis: Saxon gut, Motörhead gut, Lemmy nicht mehr auf der Höhe.

Morgen: Lemmy.

Babymetal

2015-08-27_BabymetalEnde August waren Babymetal in Berlin, hatten wir erst kurz zuvor durch einen Artikel in der Deadline entdeckt.

Das sieht auf Youtube erst mal so schräg aus, dass wir einfach mal ausprobieren wollten, wie die Band live ist. Kann gut sein, kann schlecht sein, wir würden es sehen.

Das Konzert war im Huxley’s, das Wetter spielte so halb mit, es war warm mit etwas Regen, also mit dem Motorrad hin, erspart einem die lästige Parkplatzsuche. Wir hatten noch keine Karten, es gab noch welche, die aber häßlich generisch waren, daher kein Foto der Eintrittskarte.

Das Huxley’s war gut gefüllt, sehr angenehme Leute, kein Drängeln, keine Aggression, das war ja schon mal was.

Kurz nach acht ging es los, ohne Vorband, nur Babymetal. Erst kamen die Musiker, cool angezogen, und schrammelten los. Und wie. Laut, schnell, hart. So sollte das sein.

Dann kamen die Sängerinnen. Man kann es schlecht beschreiben, aber auf uns hat das einfach gut gewirkt: die brachiale Musik, der piepsige Gesang, die Choreographie, das macht einfach nur gute Laune.

Und es gab keine Pausen, langsame Lieder waren nur am Anfang langsam, dann ging es hart und schnell weiter. Ich habe das Grinsen das ganze Konzert über nicht aus dem Gesicht bekommen, so sollten Konzerte sein.

Interessant auch die Fans: die kannten die Band wohl schon, haben mitgesungen, rumgetanzt, gemoscht, alles dabei.

Fazit: jederzeit wieder. Fun-Metal vom Feinsten. Nur etwas kurz (1,5 h). Wahrscheinlich der Jugendschutz…

Hier noch zwei Videos, wenn man das Konzertgefühl halbwegs nachvollziehen will: Bässe voll aufdrehen und bei der Lautstärke nicht sparen.

Hier sogar eins von unserem Konzert (bisschen wacklig aber mit Band):