Kritik: Rammstein – Streichholz

Das neue Rammstein-Album ist raus und ich werde oft gefragt, wie ich es finde.

Mäßig bis besser, zu langsam.

Live deutlich besser.

Deutschland – musikalisch gut, textlich hinter meinen Erwartungen zurück. Wenn man dreißig Jahre kein neues Album rausgebracht hat, sollte die erste Single schon irgendwie der Bringer sein. Der Text ist typisch Rammstein, für das Thema aber deutlich zu zurückhaltend. In der Anfangszeit wäre das noch ok gewesen, aber das Land hat sich seit den Neunzigern geändert, das kann Till durchaus in den Texten berücksichtigen. Inhaltlich hab ich da einfach mehr erwartet. Das Video dazu fand ich ok, die Aufregung zu groß für den Inhalt.

Besonders blöd: “Wer hoch steigt, der wird tief fallen.”. Was soll hier “hoch gestiegen” bedeuten?

Radio – gefällt mir rundum. Musik, Text, Video passt. Highlights: “Meine Ohren werden Augen” und “Jenes Liedgut war verboten. So gefährlich fremde Noten.”

Zeig Dich – sehr gut, hätte ich mir im Refrain wuchtiger gewünscht. Highlight der Text. “Aus Versehen sich An Kindern vergehen”

Ausländer – von bis. Von “Ich bin kein Mann für eine Nacht – Ich bleibe höchstens ein zwei Stunden” (Yeah) bis “Du kommen mit, ich dir machen gutt” (WTF?) Musikalisch gut, das Video rassistisch. Wie bei “Deutschland” – die Zeiten haben sich seit den 90ern geändert, das sollte auch Rammstein anerkennen. Ich weiß, dass sie keine Rassisten sind, aber diese Unbekümmertheit ist nicht mehr angebracht. Und ja: auch Nichtrassisten können rassistische Dinge tun. Wieder ein Fall von: da hätte ich mehr erwartet. Referenz dazu wäre z.B. das Video zu “Mein Land”.

Sex – Text ok, Musik meh. Potential, aber zündet nicht. Schön: “Denn besser liederlich als wieder nicht”

Puppe – so soll das. Mit Abstrichen. Text Klasse, Musik passend aber zu zurückhaltend, die hätte im Refrain gerne noch abgefahrener sein können. Aber das ist in dem Fall Meckern auf hohem Niveau. “Dam dam”

Was ich liebe – na ja, nicht meins. Sehr melancholisch, als hätte Till noch was zu verarbeiten gehabt. Musikalisch auch nicht der Bringer.

Diamant – wie “Was ich liebe” nicht meins, immer noch was zu verarbeiten. Aber Text und Musik gehen in Ordnung. Ballade.

Weit weg – Oh. Oh je. Nee. Wieder nicht meins.

Tattoo – Potential, Text ok, Musik ok, aber irgendwie beliebig. Highlight: “Deinen Namen stech’ ich mir. Dann bist du für immer hier. Aber wenn du uns entzweist. Such’ ich mir jemand, der genauso heißt”

Hallomann – Idee genial. Text sehr gut,etwas zu verklausuliert. Musik bleibt dahinter zurück. Schöne Melodie aber zu langsam, keine Wucht.

Tja, ich hoffe, das ist nicht die langfristige Richtung, dieses langsame. Ich kann über mittelmäßigen Text hinwegsehen, wenn die Musik stimmt, umgedreht ist das leider nicht so. Und wenn beides mäßig ist, kommt “Bückstabü” raus.

Trotzdem gibt es einige sehr gute Lieder, der Rest ist mittel, richtig schlecht ist keins. Ist ok.

Live gehen auch die mäßigen Lieder gut, Feuer und Lautstärke helfen.

“Richtig ist was Richtig ist”

Kritik: It Follows

It Follows – ein Film von 2014, liegt auch schon eine Weile rum, die Prämisse hört sich erst einmal interessant und gleichzeitig auch ausgelutscht an: ein “Ding” folgt einer Person und wenn es sie kriegt, bringt es sie um.

Könnte, wie gesagt, der 08/15-Horrorfilm werden, aber auch etwas Besonderes, je nachdem, wie man den Film anlegt und was man draus macht.

Regisseur David Robert Mitchell macht was Besonderes draus, was einerseits an den DarstellerInnen liegt, allen voran Maika Monroe in der Hauptrolle, und andererseits an der Tonuntermalung des Films, weniger Musik, vielmehr eine eigene Klangwelt, die den entrückten Charakter des Films betont.

Kurz gespoilert: das Ding läuft langsam aber unaufhaltsam auf seine Opfer zu und kann dabei unterschiedliche Menschen nachahmen. Man kann das Ziel des Dings verändern, indem man Sex mit einer anderen Person hat, diese ist dann das neue Ziel. Stirbt sie, geht das Ziel wieder zurück an die Ursprungsperson.

Das klingt abgeschmackt und, wie gesagt, in unfähigeren Händen würde das zu einer Sexklamotte mit Horrorelementen verkommen. Aber der Film schafft es, die Figuren realistisch wirken zu lassen mit verschiedenen Ansätzen und Versuchen, dem Grauen zu entkommen. Dabei wird wenig erklärt, viel auf Stimmung gesetzt und Klischees vermieden. Genau richtig. (Hoffentlich kommt kein “It Follows again” mit Originstory.)

Interessant ist, wie man beim Schauen immer wieder guckt, ob das Ding schon da ist. Es kommt unsubtil aber spannend des Wegs. Und wie man überlegt, was eine Lösung wäre und hofft, dass die im Film ausprobierten  auch klappen. Trotz der Ausgangslage gibt es kaum Tote und trotzdem viel Horror, Kopfkino halt.

Das Ende ist offen aber traurig und damit sehr angemessen.

Fazit: sehr guter Horrofilm, ruhig, melancholisch, trotzdem packend.

Kritik: Der Nachtmahr

Der Nachtmahr erzählt die Geschichte von Tina, einer Teenagerin, die nach einer Fete von einem Nachtmahr “heimgesucht” wird und ihren Umgang damit.

Nach Schneeflöckchen der zweite deutsche Genrefilm in kurzer Zeit für mich, man muss ja auch mal den heimischen Filmmarkt im Auge behalten. Und der gibt offensichtlich einiges her.

“Der Nachtmahr” ist ein sehr eigener, aber sehr interessanter Film. Wir folgen Tina zu einer Party (das werden wir im Lauf des Films noch öfter tun), sie ist einerseits selbstbewusst, andererseits aber auch sehr unsicher und resultierend daraus verletzend, vor allem im Umgang mit ihrem Freund und einer Mitschülerin, die sie nicht mag. Zu Hause warten Eltern auf sie, die bemüht sind, sie ernstzunehmen, das aber nicht wirklich schaffen, und das liegt nicht nur an den Eltern. Die Elternszenen symbolisieren für mich den Umgang mit Pubertierenden, ob das aber stimmt, keine Ahnung.

Auf der Anfangsfeier sieht sie den Nachtmahr zum ersten Mal und es bleibt bis zum Ende des Films unklar, was er eigentlich ist. Symbolisiert er die Ängste von Tina, ihre Sehnsüchte, ihre dunkle Seite? Bildet sie ihn sich ein, ist er real und wie passen der Anfang und das Ende des Films zusammen? Sie stellt sich der Kreatur im Lauf des Films und die Fragen werden dadurch tiefer, Antworten gibt es nicht.

Es gibt bestimmt eine Menge zu analysieren, ich ließ mich eher vom Film einfangen, von der sehr interessanten, eigenartigen Stimmung. Tina ist einerseits verletzlich, andererseits verletzt sie. Sie schafft es, dass man mit ihr leidet, sie aber auch nicht mag. Dazu kommen die sehr unterschiedlichen Szenen: sehr ruhig einerseits, sehr laut andererseits. Viele Drogen, viele Parties, dagegen ruhige Interaktion mit einem Albtraum.

Es ist ein interessanter Film, in dem man viel entdecken kann, den man aber auch nur wirken lassen kann. Regisseur Akiz hat sich auch sicher viel dabei gedacht, von dem nur ein Bruchteil bei mir angekommen ist.

Aber empfehlen kann ich den Film. Im Gegensatz zu Schneeflöckchen ist er auch nicht offensichtlich gewalttätig oder übermäßig gruselig/grausam. Zumindestens nicht an der Oberfläche.

Fazit: Interessanter Film über eine Teenagerin mit sich manifestierenden Problemen und einem Ende, das ich nicht deuten kann.

Kritik: King Arthur: Legend of the Sword

King Arthur: Legend of the Sword ist die Verfilmung der Artussage durch Guy Ritchie, eine ganz eigene interpretation.

Zwei Vorbemerkungen: eins: ich bin durch den Trailer auf den Film aufmerksam geworden und der Trailer sprach zu mir: “schau Dir diesen Film an”. Es gibt sie also, die Trailer, die gut sind und nicht zu lang oder zu geschwätzig.

Zwei: ich mag Guy Ritchies Filme insgesamt, seine Interpretation von Holmes aber finde ich als Film ok bis zu lang und zu verworren, jedoch der Figur nicht angemessen. Nun ist Holmes ja im Gegensatz zu Artus eine fiktive Person, da ist nicht so viel Spielraum bei der Verfilmung der zugehörigen Fakten. Mein Wissen über Artus speist sich aus den “Nebeln von Avalon” und “Excalibur”, ist also solide. Außerdem hab ich den Tisch der Tafelrunde schon persönlich in Winchester gesehen.

Nun “Legend of the Sword”, das sich tatsächlich auf Excalibur als Storyverhikel stützt und die Geschichte von Artus als Waise (böser Onkel) über Bordellbetreiber bis König von England (eigentlich Britannien, aber wir wollen mal nicht so sein) schildert.

Es ist ein faszinierender Film, er fängt extrem langsam an, dann gibt es die Ritchie-typische einminütige Charakterentwicklungszens von Waise bis Erwachsener und es ist einfach brillant. Bleibt die Frage, was in den restlichen anderthalb Stunden passieren soll.

Im Endeffekt eine typische “Typ will nicht König sein, wird es aber doch und ist gut drin, der Böse stirbt, Typ kriegt die Frau, Happy-End”-Geschichte ohne “Typ kriegt die Frau”, was sehr angenehm ist.

Dabei ist die Geschichte sehr charmant erzählt, Charlie Hunnan passt wie Faust aufs Auge, Humor gibt es auch, einmal sogar mit laut Lachen, die Schauspieler sind adäquat, die Effekte sind gut – es passt einfach alles.

Hervorzuheben sei noch die Musik – ich hab den Abspann wegen der Musik geguckt.

Fazit: Popcorn vom Feinsten.

Kritik: It Came From The Desert

It Came From The Desert ist ein leider sehr zahmer Fun-Trash-Monster-Film mit Riesenameisen basierend auf dem gleichnamigen Computerspiel von Cinemaware, das ich nie gespielt habe.

Wir begleiten zwei Helden, die ihre Prinzessin retten dürfen, die zwischendurch sogar mal kurz aus ihrer Rolle ausbrechen darf. Dabei bemüht sich der Film, die Klischees, die man erwartet und die auch aufgebaut werden, ein klein wenig zu dekonstruieren. Das ist selbstreferentiell, wie auch die vielen Film”anspielungen”, aber durchaus ok, wenn man sich drauf einlässt.

Leider mangelt es dem Film an Stringenz. Der Anfang ist gut, danach hängt die Handlung ein wenig und die Effekte werden immer schlechter. Die innere Logik auch, was schade ist.

Die Schauspieler sind gut, sie füllen ihre Rollen aus, die leider etwas zu klischeehaft ausfallen, das Rumjammern unseres zweiten Haupthelden nervt schon gewaltig.

Fazit: nicht gelangweilt, aber auch kein großer Wurf, evtl. besser zu einer Party genießen.

Andreas Rebers – enttäuschendes Kabarett für Doofe

Vor drei oder vier Jahren hatten wir schon einmal Karten für Andreas Rebers, ich war leider erkältet und konnte nicht hin. Daher ging I allein und kam begeistert zurück: Rebers erfand eine eigene Religion – es muss fantastisch gewesen sein.

Jetzt bot sich die Gelegenheit wieder, ihn zu sehen, also nicht lange gezögert und zugegriffen.

Was für ein sexistischer, rückwärtsgewandter, menschenverachtender Dreck, der auf unterstem Niveau “Probleme” anprangerte und einfachste Lösungen bereithielt. Wir waren nicht nur über Rebers enttäuscht, sondern auch über das Publikum, das offensichtlich nur darauf wartete, schenkelklopfend unterhalten zu werden und immer “so isses” rufen zu können.

Wir hatten überlegt, ob wir zur Pause gehen, aber ich hatte irgendwie noch die Hoffnung, dass Rebers zur zweiten Hälfte oder am Ende des Programms herauskommt und allen den Spiegel vorhält, worüber sie jetzt gelacht haben. Das war ein Fehler. Er meinte das alles ernst.

Bevor ich zum Inhalt komme, bei dem ich sicher schon die Hälfte wieder vergessen habe: ich hab mir die Inhalte nicht ausgedacht. Was ich schreibe, hat Rebers so gesagt und auch so gemeint. Keine ironische Brechung, kein Spielen mit Charakteren.

Worum geht es? Rebers möchte der politischen Mitte wieder Mut machen, in dem er sie zum Misstrauen aufruft. Vertrauen ist schlecht, nur Misstrauen ist gut.

Ein Problem sind zum Beispiel die Frauen. Die waren schon für die Erbsünde verantwortlich (nochmal der Hinweis: das meint der Ernst!) Und jetzt wollen sie eine Quote. Da können wir auch Stotterer die Verkehrsnachrichten vorlesen lassen. Oder Autisten als Tatortkommissare einsetzen.

Und überhaupt Frauen. Er hat als Nachbarin eine alleinerziehende Frau im Haus, Vegetarierin und Radfahrerin. (Das war der Brüller überhaupt. Vegetarierin – Bruhaha. Und Radfahrerin – der Saal konnte sich vor Lachen kaum halten. So ein gemeines, mieses Lachen – Ihr kennt das sicher.) Was hat ihm die Frau getan? Nun: vor allem drei Dinge:

  1. sie fährt Rad mit Helm.
    Das ist so schlimm, dass sich Herr Rebers in seinem Diesel auf Radstreifen stellen will, damit der Terror gegen Autofahrer endlich aufhört. In Amsterdam tragen die Leute keinen Helm – also ist doch klar, dass die Frau bekloppt ist und kein Hirn hat.
  2. sie möchte gerne Frieden haben
    Das ist so blöd, da fehlen die Worte. Sie denkt doch tatsächlich, dass Deutschland mit Rüstungsexporten aufhören könnte. Oder sich für Frieden einsetzen. Und benutzt statt “Deutschland” doch tatsächlich “wir”.Da ist nicht Herr Rebers mit gemeint, die Rüstung, das sind die Firmen, da hat Deutschland und insbesondere Herr Rebers nichts mit zu tun.
  3. sie möchte gerne, dass ein Kabarettist Haltung zeigt
    Das ist das Schlimmste, was man sich vorstellen kann. Denn sie will damit den Faschismus einführen, “Haltung” ist etwas Militärisches, dass direkt mit “Führer” zu tun hat.Ergo: Haltung = FaschismusUnd außerdem, wenn Herr Rebers auf der Bühne sagt, dass er den Syrienkrieg nicht gut findet, dann wird das die Kriegsparteien nicht stören. Also braucht er es nicht zu sagen und die Frau ist blöd, weil sie das erwartet. Sie hat doch einen Kopf, der ist rund, damit man Sachen von mehreren Seiten betrachten kann (das hat schon Dieter Hildebrandt gesagt). Aber sie hat ja sowieso kein Hirn, das haben wir schon festgestellt, weil sie Radfahrerin ist.

(Hab ich schon erwähnt, dass ich mir das ehrlich nicht ausdenke?)

Diesel.
Herr Rebers besitzt einen und fand erstaunliche Schimpfworte gegen Dieselfahrverbote, die ja nichts bringen. Dabei hat er festgestellt, dass er den Rechtsstaat ablehnt, ja, dass der Rechtsstaat das größte Problem in Deutschland ist.

Gleichberechtigung:
Gleichberechtigung ist, wenn man “respektvoll die Ungleichheit anerkennt”. Das bedeutet: man sollte sich endlich wieder über dumme und behinderte Menschen lustig machen. Das war früher so schön, wenn der Dorftrottel beim Krippenspiel “Melchior” nicht sagen konnte und alle haben gelacht und dann hat er einen Schnaps gekriegt und das war gut. Und seine Schwester ist auch behindert und die hat auch einen Schnaps gekriegt und war immer lustig und das war gut.

Außerdem sollte man sich endlich wieder über dicke Kinder lustig machen wie früher. Die hat man ins Tor gestellt und 100 Bälle drauf geschossen, alle haben gelacht und das war gut.

Wo wir grad bei Kindern sind: Erziehung sollte verstärkt auf Prügel setzen. Den Kindern eine schallern, das ist richtig und gut. Und wenn es fremde Kinder sind, sollte man ihnen auflauern und sie zusammenschlagen (oder zusammenschlagen lassen).

Nicht ausgedacht, so gesagt und so gemeint.

Ach ja: die AfD.
Die ist schlimm, Nazis auch. Aber man muss auch mal unbequeme Wahrheiten aussprechen können. Und das war nicht erlaubt und deswegen gibt es die AfD. Und das ist ein ostdeutsches Problem, denn die AfD-Wähler heißen Ronny und Chantal und Maik und …

Religion – die Buddhisten machen es richtig, die Bibel auch, der Islam eigentlich auch. Aber Religion ist auch schlimm. Und dann wieder gut. Ehrlich – das mit der Religion ist mir komplett undurchschaubar geblieben.

Dann noch ein paar Zoten übers Fremdgehen, über Legastheniker, dann hatten wir es fast hinter uns.

Dann kam die Zugabe und plötzlich wurde es gut, ein Lied über einen Schlachter und industrielle Tierhaltung und ein Abschlussinstrumental. Da war zu erahnen, was der Abend hätte werden können – etwas hintergründig, etwas albern aber gut. Ich vermute, das ist vor der Vereinfachung der Gedanken geschrieben worde, als Herr Rebers noch das Nachdenken, Überlegen und “von mehreren Seiten betrachten” betrieben hatte.

So haben wir einen sehr schwer erträglichen Abend hinter uns gebracht.
Im Nachhinein hätte wir nach der Pause gehen sollen, denn es wurde noch  schlimmer, aber ich hatte noch Hoffnung und hinterher ist man schlauer.

Das Programm war voller übler Schimpfworte und das fand Rebers auch niveaulos und dazu steht er. Das hat mich nicht gestört, die Niveaulosigkeit war in den Gedanken, nicht in der Sprache.

Wenn das die Gedanken der “Mitte” sind, dann ist das erschreckend. Denn die sind flach. Da sind keine Argumente oder Ideen, das ist nur nach unten treten, “früher war alles besser” und “wir nehmen sowieso zu viel Rücksicht”. Das aber nicht irgendwie im Ansatz begründet, sondern einfach in den Raum gestellt. Da kann man auch nicht gegen oder für argumentieren, denn dafür bräuchte es Argumente.

Dem Publikum hat’s gereicht. Denn ihm wurde Absolution für die niedrigsten, gemeinsten Ideen gegeben, Probleme sind von anderen gemacht und “wir” können da sowieso nichts machen.

Dabei auch noch Dieter Hildebrandt zu erwähnen – schlimm. Der Hildebrandt, den ich noch kenne, der hätte das Programm in der Luft zerrissen. Aber der hatte ja auch noch Haltung, war also ein Faschist.

Was ist das mit alten Männern, bevorzugt weiß, die sich plötzlich verfolgt fühlen und in ihre kleine, enge, vermoderte Welt zurückwollen, in der alles noch einfach ist – Frauen in der Küche, Behinderte zur Belustigung da, Kinder zum Schlagen.

Kritik: The Conjuring 2

Wie schon bei The Conjuring geschrieben, war der Film so erfolgreich und gut, dass mehrere Fortsetzungen und Spin-Offs gedreht wurden.
So auch The Conjuring 2, das sich mit dem Enfield-Poltergeist beschäftigt.

Wieder Haunted House, wieder Ed und Lorraine Warren, neues Haus, neuer Geist, gleiche Geschichte.

Aber: der Film ist gut. Auch wenn man weiß, was passiert (und was soll schon passieren) – der Film ist gruselig, spannend und reißt einen mit. Die neuen Spin-Off-Figuren Nonne und Crooked Man – Klasse. Vor allem die Nonne.

Zwischendurch flacht die Spannung leider etwas ab, ich weiß nicht genau, woran das lag. Vielleicht wurde das Böse zu früh gezeigt oder die Geschichte war doch zu vorhersehbar. Das ging aber vorbei und der Film wurde erstaunlich schnell und geradlinig beendet.

Schauspielerisch gibt es nichts auszusetzen, auch Ausstattung, Musik, Effekte – alles in Ordnung.

Wermutstropfen eins: das dauernde Zweifeln an sich von Ed und Lorraine. Und die daraus erzeugte Dramatik. Och nee.

Zweiter Wermutstropfen: wie beim ersten Teil sollte klar sein, dass hier Scharlatane am Werk waren und es im wirklichen Leben keine Geister gibt, sondern Betrüger. Im Film kann ich das Setup akzeptieren, die Übernahme aus Geld- und Werbegründen in die reale Welt und das So-Tun also ob es Geister gäbe, nicht.

Fazit: grusliger, solider Nachfolger.

Kritik: Jurassic World

Jurassic World – wieder ein Film, den ich im Kino verpasst hatte und daran erinnert wurde, da just der Nachfolger in die Kinos kommt. Grund genug, sich den Film anzusehen, ich hatte auch keine Kritiken dazu gelesen, konnte also unvoreingenommen an den Film herangehen.

Im Prinzip wird die Geschichte des ersten Teils mit leicht veränderten Variablen und Charakteren erzählt, alles aufgehübscht, neue Dinos, mehr Glanz. Wir fahren mit zwei Kindern (die erstaunlich unnervig sind) zur Isla Nublar und werden von der immer noch schönen, emotionalen Musik in den Dinopark gezogen.

Die Kinder sollen eigentlich mit ihrer Tante, der Managerin des Parks durch selbigen ziehen, die aber arbeiten muss und die Aufsicht delegiert. Also legen die kleinen Racker[tm] allein los und erleben Dinos, Katastrophen, werden halb aufgegessen, reparieren ein Auto und überleben. Immerhin.

Die Tante stellt Investoren verbal und dem Parkbesitzer direkt den neuen Überdino vor, eine Kreuzung aus verschiedenen Tieren, die Intelligenz, Unsichtbarkeit, thermale Variabilität etc. einbringen, alles Dinge, die der angesprochenen Katastrophe förderlich sind. Und es fehlt noch Chris Pratt, der Tierbändiger, der eine Vierergruppe Raptoren be-alphat.

Wie gesagt – Katastrophe (erstaunlich blutig), tote Dinos, tote Menschen, Riesenwasserdino, Verfolgungsjagden durch den Dschungel, Rettung, Hilfe durch T-Rex, Happy-End.

Die Schauspielerinnen und Schauspieler machen ihre Sache ordentlich, wie gesagt – die Kinder sind nicht nervig, nur der Parkbesitzer. Die Geschichte ist nicht innovativ, aber solide erzählt, mit angenehmem Humor. Vincent D’Onofrio darf mal wieder einen Bösewicht spielen, das ist die einzige Figur, die für mich nicht funktioniert hat. Ohne die Figur wäre der Film auch nicht schlechter gewesen, im Gegenteil.

Die Effekte sind extrem gut, mit Abzügen bei der Verfolgungsjagd durch den Dschungel – hier sind die Menschen blöd ins Bild geschnitten, sie wirken deutlich unechter als die Raptoren. Die Raptoren – cool. Richtig gut gemacht. Vor allem gut dosiert. Vier, nicht hundert.

Die Dinos sind Tiere und verhalten sich entsprechend. Sie sind vor allem böse und gefährlich durch die Bank weg. Bis auf den Retter-T-Rex, der war seltsam.

Fazit: sehr gute, kurzweilige Neuauflage.

Kritik: Storage 24

Storage 24, ein britischer Horrorfilm von 2012 mit durchaus bekannten Schauspielern, allen voran Noel Clarke in der Hauptrolle, der gleichzeitig auch die Idee zum Film lieferte und produzierte.

Ich kannte den Film vorher nicht, nichts drüber gelesen, nur das Titelbild gesehen und die Musik am Anfang des Films gehört und sofort gedacht: mal sehen, wie nah der Film an Alien sein wird.

Ergebnis: sehr nah und leider doch so weit weg.

Grob gesagt ist der Film ein “Alien im Lagerhaus”, mit einer leicht angepassten Geschichte, der Übernahme von Szenen bis zu ganzen Einstellungen (Rohrkriechen in Aliens).

Das hat durchaus Charme, ist jedoch nur halbgut umgesetzt. Die Schauspieler sind gut, unser Hauptheld ist aber ein Arsch. Sein Kumpel ist viel besser, bis er plötzlich und ohne Motivation zum Bösen wird. Es gibt skurrile Figuren, die leider schnell wieder aufgegeben werden. Dazu viele Jump-Scares zur Ablenkung.

Wenn jetzt das Monster gelungen wäre, wäre das ein guter Spaß für den Abend, leider ist das Monster nicht gut geworden. Wirklich nicht. Neben dem Aussehen agiert es maximal unlogisch, z.B. variiert die Zeit vom Treffen des Monsters bis zum Ableben des Protagonisten sehr stark, je nachdem, was das Drehbuch gerade verlangt. Das ist nicht gut, weil die innere Logik nicht hält.

Wenn jetzt die Kills wenigstens noch gut wären – sind sie aber nicht.

Dazu teilweise hanebüchene Spezialeffekte. Was ist so schwer daran, einen Reifen einfach wirklich anzuzünden, statt CGI-Flammen zu verwenden? Gleiches gilt für den brennenden Plüschhund, der stundenlang zu sehen ist.

Der Film ist by-the-numbers-Alien, bei dem die Abweichungen zum Schlechteren ausfallen. Die Einzelszenen kann man tatsächlich abhaken.

Die Filmmusik ist gut.

Was ist aus der Hundefrau geworden?

Fazit: oker Film, der viel besser hätte sein können.

Kritik: Survival Game

Survival Game, auch Mafia: Survival Game, auch (hier Titel mit kyrillischen Buchstaben denken, die WordPress nicht kann, auch nicht als Link auf die russische Wikipedia, daher hier der Link auf die englische Wikipedia, dort bitte weiterklicken) ist die Filmversion des russischen Spiels Mafia, in Deutschland weiter verbreitet als Die Werwölfe von Düsterwald, eine französische Adaption.

Grob gesagt: eine Gruppe Menschen soll herausfinden, wer von Ihnen Mafiosi sind, die Zuordnung erfolgt zufällig am Anfang des Spiels. In jeder Runde wird eine Verdächtige bzw. ein Verdächtiger bestimmt, der daraufhin stirbt. Je nachdem, ob am Ende Mafiosi oder Zivilisten überigbleiben, hat die jeweilige Fraktion gewonnen (im Film viel Geld).

Im Film wird das Spiel nun als Fernsehshow umgesetzt mit echten Toden, bei denen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihren größten Ängsten stellen müssen.

Das klingt erst mal gut und spannend, der Film fängt auch bildgewaltig und interessant an, flacht danach aber sehr schnell ab, wird eher langweilig und kann der Prämisse nichts wirklich Gutes abgewinnen.

Die größten Ängste sind nicht wirklich angsteinflößend, die Auswahl der Kandidaten ist albern, es zieht sich, dann ist der Film zu Ende und irgendwie passiert das sehr nebenbei.

Die Tricks und die Umsetzung ist ok mit Einbrüchen nach unten am Ende. Die Schauspielerinnen und Schauspieler schwanken qualitativ sehr stark.

Fazit: leider nicht viel draus gemacht.