Kritik: O Reino Proibido

Das verbotene Königreich (The Forbidden Kingdom), so wird der neue Jackie-Chan/Jet-Li-Film wohl heißen, wenn/falls er in D veröffentlicht wird. Wir konnten eine der letzten Vorstellungen in Portugal besuchen, hier läuft der Film seit Mitte Mai.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Gut gegen Böse in exotischem Ambiente. Es gibt einen unscheinbaren aber nicht ganz unsympathischen Hauptheld zu sehen. Jackie Chan darf Drunken-Stil vorführen und diverse andere Stile. Jet Li sieht alt aus, darf aber auch einiges zeigen, beide kämpfen gegeneinander – eindeutig der Höhepunkt des Films. Eine schöne Asiatin (die wohl Amerikanerin ist) fehlt auch nicht, alles züchtig, humorvoll, leicht und schnell erzählt. Selbst alte Bekannte des Kung-Fu-Films, die lustige Lernphase des Schülers (Junge, Du willst doch noch Kinder kriegen!) wurde integriert.

Es gab drei Mankos am Film: zum einen war die Leinwand nicht gerade, der Film daher teilweise unscharf, zum anderen können weder Jackie Chan noch Jet Li gut Englisch sprechen, Jet Li ist völlig unverständlich. Drittens setzt der Film sehr plakativ auf Gewalt als Problemlösung (ok, das von mir klingt seltsam, ich bin gerade von Koontz’ Odd-Geschichten etwas sensibilisiert).

Fazit: leichte Kost, ordentlich gemacht.

Kritik: O Incrível Hulk

Der unglaubliche Hulk ist schon wieder verfilmt worden, dieses Mal mit Edward Norton als Bruce Banner. Zum Glück werden Filme in Portugal nicht synchronisiert, sondern mit Untertiteln versehen. Das hat zwei Vorteile: die Bevölkerung lernt schneller Englisch und Urlauber können bei schlechtem Wetter das Kino aufsuchen.

Werbung kam wenig, Trailer (Speed Racer scheint schlimm zu werden, der Film mit Angline Jolie wird wohl ein Jungenfilm) ein paar. Mittendrin eine Pause. Kino klimatisiert, aber wir hatten lange Hosen und Pullover mit. Hätte schlimmer werden können.

Viel haben wir uns vom Film nicht erwartet, der Trailer sah schon wieder nach viel Computer und wenig Schauspiel aus, das haben wir auch bekommen.

Die Erschaffung des Hulk ist eher Nebensache, der Film konzentriert sich darauf, wie Banner mit seiner ungebetenen Gabe fertig wird. Außerdem gibt es ja noch Liv Tyler, die von der Ehe mit falschen (aber aufrichtigen, verständnisvollen) Fremden erlöst werden muss. Viel Arbeit für Edward Norton, die er gewohnt gut erledigt. In den Szenen mit echten Schauspielern ist der Film gut, witzig, angenehm zu sehen.

Leider muss ja dann der Hulk auftauchen und, wenngleich Lou Ferrigno ein Cameo hat, sowie den Hulk sprechen darf, ist das Computermonster wie erwartet schlecht. Lässt das erste Auftreten noch hoffen, da dunkel gehalten, ist spätestens beim zweiten Mal Schluss. Da wird Action mit dem Füllhorn inszeniert, eine Szene dümmer und langweiliger als die andere, dann gibt es schlimme Reminiszenzen an King Kong und zum Schluss wird es vollends blöd.

Nein, zu viel gewollt, zu viel reingepackt und wenig erreicht. Der Film kann gerade mal billiges Popcornkino bieten, wenn das das Ziel war: ok. Aber warum dann gute Schauspieler für den Rest casten? Nett die Schlussanspielung auf Iron Man (die uns schon bei der Eröffnungssequenz aufgefallen ist), sonst ein fader Nachgeschmack.

Fazit: viel Potential, wenig draus gemacht.

Indy und der Kristallschädel

Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull, wie der ausführliche Titel des Films ist, tritt ein beträchtliches Erbe an. Bis auf den albernen zweiten Teil sind die Filme großartig, besonders der dritte Teil scheint schwer zu toppen. Dazu kommt, dass der Hauptdarsteller in die Jahre gekommen ist, Abenteurerfilme geboomt haben und wieder abgeflaut sind, und die Protagonisten, allen voran George Lukas, zuletzt tüchtig ins Klo gegriffen haben.

Unter diesen Vorbedingungen ist der Film nicht so schlecht geworden, wie er hätte sein können. Von Bestform ist er andererseits meilenweit entfernt.

Angesiedelt in den späten fünfziger Jahren sind Nazis als Gegner passé, es müssen Russen herhalten. Der Beginn ist launig, teilweise gelungen, teilweise hanebüchen, aufgefangen vom ersten Wiedersehen mit Indiana Jones, das wiegt viel wieder auf. Aber nicht den Kühlschrank. Und nicht die albernen Viecher. Das ist Kinderhumor à la Lukas, mit dem er schon die alten Star-Wars-Filme in der Neuauflage verseucht hat.

Danach kommt die Geschichte, ein wilder Mix aus Akte X, Mumie, Alien, National Treasure 2 und diversen anderen Filmen. Kaum eigene Ideen, hauptsächlich geklaut, oft sogar szenengetreu. Inklusive sinnloser Verfolgungsjagden, nicht treffenden Maschinengewehren, Holzhammerhumor etc. Nein, der Teil konnte mich nicht überzeugen. Alle Klischees, die schon überwunden geglaubt sind, massenhaft persifliert wurden, werden wieder ausgegraben und ernsthaft umgesetzt. Vom Humor des dritten Teils nur in Ansätzen etwas zu sehen, viel zu selten.

Die Idee, Karen Allen wieder auszugraben, ist nett gemeint, passt aber nicht in die Reihe. Das Ende ist dann allerdings nur noch peinlich. Böse dürfen nicht nur Böse sein, da wird der dritte Teil zitiert, eine schlimme Begegnung der dritten Art folgt. Und der Weichzeichnungsfilter ganz am Schluss ist ernst gemeint. Da kommen alte Moralvorstellungen wieder zum Vorschein, die gerade in den ersten Teilen nicht vorkamen. Ärgerlich.

Fazit: nicht so schlecht wie die Star-Wars-Filme, aber immer noch weit weg vom Niveau der vorigen Indy-Filme (und das schließt den zweiten Teil mit ein).

Deadline – ein Filmmagazin

Auf meiner Suche nach einem Ersatz für die Cinema, die seit Jahren auf einem konstant schlechten Niveau schreibt, bin ich jetzt anscheinend fündig geworden.

Deadline” heißt die Zeitschrift, mit Schwerpunkt auf harten Filmen, Horror, Anime, etc. Ich habe mir Ausgabe 2/08 besorgt, 5 Euro, geht. Die Rezensionen sind locker geschrieben, aber verständlich und nachvollziehbar. Zumindestens soweit ich das beurteilen kann, anhand der Filme, die ich gesehen habe.

Aber kann eine Zeitschrift schlecht sein, in der man Perlen findet, wie:

[…] erfreuen hier 90 Minuten […], die die Wörter “guter Geschmack” zuerst anpinkeln, dann genüsslich zerschneiden und sich schließlich mit den Eingeweiden die haarigen Achselhöhlen polieren.

The other Boleyn girl

Wie der Titel schon sagt, es dreht sich fast alles um die Schwester von Anne (die Geköpfte). Mir war sie vorher unbekannt, die gute Mary. Und der Film zeigt uns ihre Hochzeit, die Liebe zu König Henry und den Aufstieg und Fall ihrer Schwester Anne. So ungefähr in dem Tempo erzählt der Film auch die Lebensgeschichte der beiden. Etwas verwirrend, jedenfalls für mich. Später las ich nach und fand heraus, daß die Historie doch etwas arg adaptiert wurde fürs Kino.

Fazit: Gutes Hollywoodkino, nette Unterhaltung und Natalie Portman und Scarlett Johansson.

Kritik: Eden Log

Mein letzter Film der Fantasy-Filmfest-Nights: Eden Log. Ein französischer Film, derer zur Zeit sehr viele herauskommen, von sehr gut bis mies, aber es tut sich was bei den Galliern. Laut Regisseur und Produzent des Films, die im Kino waren, ist das hauptsächlich auf Canal+ zurückzuführen, die derzeit sehr viele harte, phantastische Filme finanzieren.

Apropos Auftritt: die beiden waren sehr charmant, sprachen aber sehr schlecht englisch, wir sehr schlecht französisch. So war das Interview unterhaltsam, aber die Informationen aufgrund der Sprache und der Scheuheit der beiden doch eher spärlich. Macht aber nix.

Der Film beginnt langsam. Sehr langsam. So langsam, dass ich mich fragte, ob ich a) wach bleiben würde und b) mich wieder ärgern müsste. Aber die Furcht war unbegründet, nach geschätzten 20 Minuten nimmt der Film Fahrt auf und hält sie bis zum (unbefriedigenden) Ende durch.

Eine dunkle Geschichte, die unter der Erde spielt (gedreht wurde unterhalb von Paris, dort wo früher die Pariser Champignons gezüchtet wurden), in verschiedenen Stockwerken, die durch Diaprojektionen an Beton versinnbildlicht wurden. Das fand ich etwas enttäuschend, da sah billig auch billig aus. Das galt für das gesamte Set. Andererseits kann man an solchen Filmen prima erklären, wie Computerspiele trotz mehrerer Ebenen für den Spieler mit nur einer technischen Ebene auskommen. Aber ich schweife ab.

Der Hauptdarsteller ist toll, Clovis Cornillac, ich kannte ihn noch nicht, habe aber auch nicht Asterix gesehen, den er seit Neuestem spielt. In F. ist er wohl ein Star. Physisch sehr präsent, trägt er den Film fast alleine. Die Geschichte ist durchdacht, schwer zu folgen, aber mit genügend Erklärungen, wenn man mal nicht aufgepasst hat. Das Ende hat mir nicht gefallen, eine ökologische Botschaft (so sagten die beiden), die sich mir verschloss.

Fazit: Sehenswert, langsam, finster, neue Ideen.

Kritik: Sukiyaki Western Django

Ich weiß, wer Takashi Miike ist, ich kenne seine Bedeutung, trotzdem habe ich noch keinen Film von ihm gesehen. Diese Lücke konnte ich nun bei den Fantasy-Filmfest-Nights mit Sukiyaki Western Django schließen.

Ein Western, der so albern anfängt, dass wir (I war mit) uns verwundert ansahen. Japanische Schauspieler, die Englisch radebrechen, als gelte es ihr Leben. Alles falsch betont, was geht, falsche Pausen, eigenartig. Daher auch englische Untertitel, damit man verstand, was die Schauspieler gerade auf Englisch sagen. Dazwischen Quentin Tarantino, der mich erstmals seit langer Zeit mal nicht geärgert hat, sondern zwei gute Auftritte hinlegte.

Nach dem Prolog, bei dem die Richtung als albern bis scheißegal vorgegeben wurde, geht die eigentliche Western-Handlung los. Es ist müßig, den Inhalt zu beschreiben. Es passiert alles, was man sich vorstellen kann, in unglaublicher Geschwindigkeit, es wird geschossen, was das Zeug hält, Filme werden zitiert (Herr der Ringe, z.B.), keine Peinlichkeit wird ausgelassen, keine coole Pose verfehlt. Grandios. Wenn man bis dahin nicht gelacht hat, beim Versuch, das Schwert mit klatschenden Händen aufzufangen, rutschte ich tief in den Sessel vor Lachen. Diese Szene war allein den Eintritt wert.

Zwei andere Beispiele: der Showdown funktioniert nur im Schnee? OK, dann schneit es halt in einer Minute einen halben Meter. Who cares?
Der Hauptheld ist verprügelt worden und sieht aus wie ein Steak? Eine Nacht beim Wunderheiler und er sieht aus wie neu. Mit der Dialogzeile “Der Trick des Indianers hat funktioniert”.

Fazit: was für ein Film. Abgedreht, schnell, blutig. Klasse.

Kritik: Frontière(s)

Frontière(s), der neue Film von Xavier Gens, darauf habe ich mich bei den Fantasy-Filmfest-Nights gefreut, nachdem ich Hitman für sehr gelungen hielt.

Aber ach, nach einem starken Anfang sollte ich das Kino extrem enttäuscht verlassen.

Der Film beginnt in Paris, vier Jugendliche fahren von dort los, in ein Motel, eine nicht verratene Anzahl von Menschen überlebt. Der erste Teil des Films erinnert stark an Hostel, ohne dessen Beschränkungen, was das Blut angeht. Hier geht es richtig zur Sache. Gut gespielt, gute Darsteller, gute Inszenierung, keine Kritik.

Nach ca. einer Stunde kommt jedoch ein starker Durchhänger mit Erklärungen, Nazis, Unsinn etc. Nicht nur, dass die Spannung auf den Nullpunkt sinkt, hier sind Overacting, schlechte Schauspieler und seltsamer Nazischeiß von Feinsten zu besichtigen. Da fragt man sich schon: was hat Herrn Gens da geritten? Ähnlichen Unsinn habe ich zuletzt bei Rivières pourpres II sehen müssen, auch da hat es den ganzen Film restlos zerstört. Und nebenbei: so weit ist D. doch auch nicht entfernt, dass man den deutschen Text nicht korrekt aussprechen lassen kann, oder?

Und so erholt sich auch dieser Film nicht von dem Intermezzo, die Jagd geht zwar weiter, jetzt jedoch auf einem unterirdischen Niveau. Schauspielern bedeutet unartikuliert schreiben und mit dem Kopf wackeln. Einfach Mist.

Fazit: nach einer Stunde abschalten. Oder ärgern.

Om Shanti Om

Jetzt habe ich ihn mir angesehen, den neuen Film von SRK. Denn so wird er in Fachkreisen ausschließlich genannt.

Das Thema Wiedergeburt ist uns Europäern doch etwas fremd, ebenso wie die Kleidung der Inder in der 70er Jahren. Aber ich schweife ab, es geht um Om, einen Kleindarsteller des Bollywood-Kinos, der Shanti liebt. Beide sterben, Om wird wiedergeboren diesmal als Star der Filmindustrie und nimmt Rache. Dazu viel Tanz und Musik, wie üblich und nicht zu vergessen die Cameo-Auftritt-Orgie. Lustig war auch der Abspann, da durfte jeder mal auftreten bis hin zu den Spot Boys – in Indien hält so ein Anzug ein ganzes Leben lang. 😉

Fazit: Mal etwas anderes Bollywood Kino bei dem nicht ganz soviel auf die Tränendrüse gedrückt wird. SRK zeigt Sixpack und kann wirklich alles spielen. 😀 Endgesang erinnerte mich stark an das Phantom der Oper. Ich fand den Film gut.

Kritik: Doomsday

Die 80er sind zurück. Snake Plissken, Aliens, Mad Max, sie alle haben einen würdigen Nachfolger gefunden: Doomsday von Neil Marshall.

Neil Marshall hat ja schon für einige Perlen gesorgt: Dog Soldiers oder The Descent (bei dem das erste “e” als kurzes “äh” gesprochen wird, wie in “at”, nicht als “i”, nur mal so nebenbei). Während diese beiden Film reine Genrefilme der Bereiche Werwolf und Survival-Horror sind, ist Doomsday eine wilde Mischung aus 80er-Jahre-Action-Filmen, dem Video zu “Wild Boys”, Liedern der 80er Jahre, Excalibur und dem Besten von heute.

Doomsday wird im August herauskommen, ob geschnitten, weiß keiner. Ich habe den Film im Rahmen der Fantasy-Film-Nächte gesehen, in Anwesenheit der Regisseurs, der genau obige Mischung ankündigte. Und sie kam. Memo an mich: wenn der Regisseur kommt, was zum Signieren mitnehmen. Ich Blödmann.

Zum Film: er fängt als Escape from New York an, geht als Resident Evil: Apocalypse weiter und steigert sich zu Aliens (inclusive des tollen Fluchtfahrzeugs). Danach kommt Mad Max durchmischt mit “Wild Boys”, wir gehen über zu Excalibur und dann alles wieder in umgekehrter Reihenfolge zurück auf Anfang. Nur ein paar Highlights: Punks und “Good Thing” von den Fine Young Cannibals: der Bandname ist Programm. Oder eine Verfolgungsjagd zu “Two Tribes” von Frankie Goes To Hollywood. Grandios.

Dabei geht der Film ordentlich zur Sache, mit blutleer ist hier nix. Schauspieler, die ihren Namen verdienen, allen voran Rhona Mitra, Bob Hoskins oder Malcolm McDowell.

Die oben genannten Film- und Musikreferenzen sind sicher nicht alle, aber ich habe den Film ja erst einmal gesehen. Mir fällt zur Zeit noch ein: Pulp Fiction. Nebenbei: laut Marshall waren wir die ersten Zuschauer, die beim blutigen Abgang des Kaninchens geklatscht haben. Da waren die anderen wohl Weicheier.

Fazit: unbedingt ansehen, wenn man eine blutige Hommage an die 80er sehen will. Planet Terror ist der letzte Film, der mich derart begeistern konnte.