Kritik: FFF – Black Death

Ein Malaga-Eis und einen Kinowechsel nach Tucker & Dale war der zweite Film des Sonnabends Black Death von Christopher Smith, der mir schon Severance gebracht und damit einen Stein bei mir im Brett hat. Zusätzlich war Herr Smith in Berlin und richtete vor und nach dem Film noch einige Worte an uns. Wobei er vorher eigentlich nur betonen wollte, dass, wenn der England-Treffer bei der WM gegeben worden wäre, England Weltmeister geworden wäre.

Dann ging es auch schon los und die ganze Freude von Tucker und Dale war nach den ersten Minuten verflogen. Hier kam kein lustiger Film, sondern ein finsterer, böser Film über die Zeit, als die Pest herrschte und ein Dorf davon verschont blieb.

Das konnte die Kirche nicht auf sich sitzen lassen und schickte einen Ritter, um den dort arbeitenden bösen Zauberer ausfindig und unschädlich zu machen, so dass auch jedes Dorf seine Pest bekomme. Ein Mönch, ein Novize, begleitet die Gruppe aus persönlichen Gründen. Sie finden das Dorf, sie finden den Grund für das Ausbleiben der Pest und dann wird alles noch schlimmer.

So stelle ich mir die erste Hälfte des zweiten Jahrtausends vor: dreckig, überfromm und unfromm zugleich. Einfach abscheulich auf beiden Seiten. Unschuldige Dritte gab es auch, die hatten dann am meisten zu leiden. Das wäre alles noch in einem Film zu ertragen, wüsste man nicht, dass die Menschen tatsächlich so waren und auch heute nicht weit davon entfernt sind.

Nach diesem Film hat man keine gute Laune mehr. Zu Recht.

Nach dem Film gab Herr Smith noch einige Antworten auf Fragen des Publikums, ich habe mich sogar auch kurz gemeldet. Die interessanteste Antwort war: er hat den Film tatsächlich so geplant, und auch so, dass es keine Guten oder Bösen gibt, sondern beide Seiten beides verkörpern. Und dass der eine Schauspieler erst mit dem schlechtesten Haar des Fundus wie Klaus Kinski aussieht, dann aber mit verblüffender Ähnlichkeit.

Fazit: ein starker Film, allerdings ein deprimierender Film.

Kritik: FFF – Tucker & Dale vs. Evil

Tucker & Dale vs. Evil ist ein kanadischer Film über zwei Hillbillies und eine Gruppe Collegestudenten, die beide im Wald Urlaub machen wollen. Am Ende sind viele tot und ein Damenfinger findet ein neues Zuhause.

“Hillbilly” ist, wie die englische Wikipedia so schön sagt: “… a reference in describing socially backward people that fit certain ‘hillbilly’ characteristics …”. Auf Deutsch würde man wahrscheinlich “Hinterwäldler” sagen. Im Film sind Tucker & Dale die beiden vermeintlichen Hillbillies, wunderschön verkörpert von Tyler Labine und Alan Tudyk. Beide wirken etwas zurückgeblieben und naturverbunden, eben wie Hillbillies, während die Gruppe Collegestudenten, die sie an der Tankstelle treffen, wie typische Backwood-Slasher-Studenten aussehen.

Nach der ersten Begegnung treffen sich die Gruppen am See wieder, wo Tucker & Dale Allison vor dem Ertrinken retten, was die anderen als Entführung ansehen.

Ohne zu viel zu verraten: die einen sehen sich den mordenden Unmenschen gegenüber, die anderen wähnen eine Gruppe Suizidstudenten vor sich. Alles, was in einem Slasher vorkommen muss, kommt vor, der obligatorische Sheriff greift ein, Hunde werden bedroht, Motor- und Kreissägen angeworfen, bis zum großen Finale.

Bei diesem Film bleibt kein Auge trocken, ich habe gelacht, wie lange nicht mehr, man muss allerdings eine Menge schwarzen Humor mitbringen. Der Film gönnt sich keine Pause, es gibt ruhige Szenen für die Charaktere, aber nicht zu viele und vor allem kaum langweilige. Die Schauspieler sind ordentlich bis sehr gut, die Auflösung ist vorhersehbar (vor allem, da sie vor dem Vorspann präsentiert wird), aber das ist kein Manko, denn um die Geschichte geht es eher am Rande.

Wer hätte gedacht, dass “You are half hillbilly!” tatsächlich einen tieferen und dunklen Sinn hat. Aber Obacht: bitte auf Englisch schauen, denn bei allem Respekt vor Synchronisationen: hier kann eine Synchro die Sprache und die Witze einfach nicht herüberbringen. Geht nicht.

Fazit: unbedingt ansehen.

Kritik: FFF – Redline

Das Anime Redline erzählt die Geschichte des Redline-Rennens, eines Rennens für am Boden fahrende Fahrzeuge, das man als bester Fahrer des Universums gewinnen möchte.

Der Film beginnt mit dem Qualifizierungsrennen Yellow Line, das der Hauptheld Sweet JP gegen die Hauptheldin Sonoshee verliert. Dabei werden schon zwei Dinge klar: 1. die Rennen sind schnell und unfair, 2. weiße Untertitel auf weißem Grund lesen sich schlecht.

Zum Glück ist die Handlung nicht so kompliziert, aber abgefahren. Obacht: das Redline-Rennen findet auf dem Roboterplaneten statt, dessen Regierung erklärt, alle Rennteilnehmer abzuschießen, worauf zwei Fahrer absagen und JP doch mitfahren kann. JP lässt sich sein Fahrzeug von seinem Mechaniker zusammenbauen, der sein Rennen sabotiert hat, die Teile werden von einer Spinne mit Menschenkopf besorgt. Die anderen Teilnehmer sind: ein Polizist, zwei Verbrecher, eine Maschine, die mit ihrem Fahrzeug verschmilzt, zwei halbnackte Frauen im Dienst der Köngigin, die mit ihren roten Herzen die Ziellinie auf dem Roboterplaneten markiert sowie ein Roboter, der sich rächen will. Zwischendurch wird die große Annihilationsmaschine ausgepackt sowie die Biowaffe aktiviert, die gegen einen Wurm(?) kämpfen muss. Vorher wird noch das Aquariumraumschiff zerstört, in dem Spiralwürmer serviert werden.

Ich hab’ bestimmt noch was vergessen. Und das Finale auch noch nicht verraten.

Es ist lustig, schnell, typisch japanisch, oft kopiert, oft neu.

Fazit: hat mir gut gefallen. Muss man aber mögen.

Kritik: FFF – Gallants

Gallants (Da lui toi) ist ein Film über zwei alte Kung-Fu-Kämpfer, deren Meister im Koma liegt und dessen Kampfschule einem Restaurant weichen musste. Dazu kommt ein trotteliger Büroangestellter und zwei hübsche Frauen unterschiedlichen Alters sowie Gegner, die sich im Verlauf des Films als nicht so böse herausstellen, wie sie anfangs scheinen. Das gilt umgekehrt auch für die Guten. Am Ende steht fast ein Happy-End, je nachdem, wie man so Happy-End definiert.

Die Handlung wird auf asiatische Art mit beißendem, spöttischem Humor vorgetragen, bekommt plötzlich Tiefe und fokussiert sich darauf, ob und wie man die Würde der Kampfkunst alter Schule in neue Zeiten übertragen kann. Wobei die alten Kampfkünstler im Fokus stehen, die Transformation ihrer Werte und Handlungen in die Neuzeit. Und es ist ein Film über das Altern an sich, das langsame Versagen des Körpers und die Akzeptanz oder das Ringen mit dieser Entwicklung.

Zusammengefasst: der Film handelt von Würde.

Dabei klingt die Beschreibung schwerer, als der Film ist, denn von der ersten Einstellung an legt der Film ein unglaublich schnelles Tempo und eine hohe Humordichte vor, die alten Haudegen können noch tüchtig zutreten, allerdings nicht mehr so lang und nicht ohne gehörigen Schweißausbruch. Bis auf zehn Minuten konnte ich mich vor Lachen kaum halten und die zehn Minuten waren ergreifend, ohne dabei unangenehm zu werden.

Fazit: sehr guter, lustiger Film, auf jeden Fall anschauen.

Kritik: FFF – Little Big Soldier

Little Big Soldier (Da bing xiao jiang) ist der neue Film von Jackie Chan, dessen Drehbuch er geschrieben und dessen Hauptrolle er übernommen hat.

Wir gingen mit gemischten Gefühlen ins Kino, denn auch Jackie Chan wird nicht jünger. Und oft werden Schauspieler altersweise oder wollen sich nochmal ein neues Image verpassen, oder gegen ihre Standardrolle anspielen, oder was weiß ich. Nun hat Jackie Chan erst letztes Jahr einen ernsten Film vorgelegt, der neue sollte aber eine Komödie sein, auf entsprechend gesichertem Grund hofften wir, könnten wir aufbauen. Trotzdem waren unsere Erwartungen erst einmal nicht sehr hoch angesetzt.

Umso schöner, wenn man sehr positiv überrascht wird. Little Big Soldier ist ein lustiger, schneller Film mit einem oft kindlichen Humor, der Jackie Chan so auszeichnet. Da stört es auch wenig, dass die Botschaft des Films überdeutlich, schnulzig und sehr pathetisch eingebaut wird. Und wiederholt wird. Sehr oft. Bis es jeder gemerkt hat. Und dann noch einmal.

Es geht um einen kleinen Soldaten, der einen General entführt und so sein Glück machen will. Wir begleiten beide auf der Reise, bei der es allerhand Gefahren zu überstehen gilt, es gibt reichlich Action, wieder einmal verblüffende Stunts, aber auch einen stimmigen Film, die Aktion unterstützt den Film, nicht umgedreht.

Viel mehr gibt es nicht zu sagen, die Darsteller machen ihre Sache gut, Jackie Chan kann vor der Kamera nicht überzeugend weinen, dafür sieht er zum Knuddeln aus.

Fazit: Lustig, pathetisch, kurzweilig – ein guter Film.

Kritik: FFF – Centurion

Heute nun ein Film, auf den ich mich seit seiner Ankündigung gefreut habe: Centurion von Neil Marshall. Gefreut vor allem deswegen, weil die ersten drei Filme von ihm, Dog Soldiers, The Descent und Doomsday, einfach sehr gute, innovative, harte und überraschende Filme waren. Wenig Tabus, dafür viel Kreativität und Humor.

Kleine Warnung: es gibt kleine Spoiler im Text.

Centurion weicht von diesem Schema etwas ab, da der Film nicht sehr kreativ/überraschend ist. Das ist jetzt nicht negativ gemeint, aber die Handlung ist bodenständig und vorhersehbar, so dass sich der Regisseur auf Figuren und Inszenierung konzentrieren muss, um dem Film eine besondere Note zu geben.

Und genau das macht Marshall mit Bravour, kurze Einführung der Figuren und Situation, dann in die Vollen und den ganzen Film über nur ein- bis zweimal eine kurze Verschnaufpause einlegen. Die Schauspieler, die Sprechrollen haben, sind gute Schauspieler, alle anderen sind für ihren Zweck passend gecastet, sei es Olga Kurylenko oder seien es die Schlagtote auf beiden Seiten – es wirkt überzeugend.

Michael Fassbender in der Hauptrolle trägt den Film. Am Anfang war ich etwas skeptisch, da er rein körperlich nicht so viel hermacht wie andere Darsteller und mir in Eden Lake tüchtig auf die Nerven gegangen ist, aber er wächst in seinen Rolle hinein und konnte mich überzeugen. Dominic West als General ist stark, schade, dass er nicht sehr lange durchhält. Dafür darf Liam Cunningham mal wieder länger dabeibleiben und hat einen ordentlichen Tod spendiert bekommen. Das war nach Doomsday aber auch Pflicht.

Die Inszenierung ist, wie bereits angedeutet, sehr gut, keine Durchhänger, keine Abweichungen, keine Spielereien. Dafür viel schwarzer Humor, der in zweimaligem Aufstöhnen und zweimaligem Szenenapplaus gipfelte. Der Film reisst mit. Da sei es vergessen, dass sich die handelnden Personen sehr oft strunzdumm benehmen, es sind halt nur Soldaten 🙂

Fazit: Neil Marshall kann es! Starker Film, ungeschnitten sehen!

Kritik: FFF – Solomon Kane

Endlich ist es wieder soweit, das Fantasy-Filmfest beginnt, für mich mit Solomon Kane – einem Fantasy-Spektakel, das im 17. Jahrhundert angesiedelt ist.

Der Film basiert auf der gleichnamigen Figur von Robert Ervin Howard, einem mir bis dato unbekannten Schriftsteller, der auch Conan erfunden hat. Nun ist Conan ja keine schlechte Referenz, und so war ich gespannt, was sich mir bot, vor allem, da auch die Deadline den Film gelobt hat.

Solomon Kane ist ein böser Mensch, der friedfertig werden will, aber, wie es das Schicksal (eigentlich Gott) so will, klappt das nicht. Wäre auch schade, denn dann wäre der Film doch eher langweilig ausgefallen.

So haben die bösen Menschen, Zauberer und Hexen Pech gehabt, wir Zuschauer dagegen Glück. Regisseur Michael J. Bassett geht mit Volldampf in den Film, streut einige langsame Passagen ein, die jedoch nicht stören, sondern tatsächlich Handlung und Figuren unterstützen. Die Kinderrollen sind ebenfalls nicht nervig angelegt, was will man mehr.

Die Schauspieler machen ihre Sache gut, allen voran James Purefoy als Hauptheld, den ich zwar aus Resident Evil hätte kennen können, den ich aber beim besten Willen nicht erkannt habe. Physisch beeindruckend und als Schauspieler gut, gibt er Kane genügend Tiefe, um die langsamen Passagen zu füllen. Alle anderen Schauspieler sind wahre Nebenfiguren, mit Max von Sydow, Pete Postlethwaite oder Alice Krige jedoch sehr gut besetzt.

Die Tricks schwanken von der Qualität her, aber selbst die schlechteren sind von annehmbarer Qualität. Dafür sind die Bösen sehr gut gemacht, auch die CGI-Kreaturen sind ok. Die Schauplätze sind sehr schön und bringen die Stimmung exakt rüber.

Der Schnitt war an zwei Stellen extrem abgehackt, als ob Teile des Films fehlen würden. Ob tatsächlich was fehlt oder der Schnitt einfach sehr hart ist, weiß ich nicht.

Fazit: gut gemachter Hau-Drauf-Fantasy-Film. Sehr schön.

Kritik: FFFN: Daybreakers

Der letzte Film für mich war Daybreakers, ein Vampirfilm.

Auch hier ein ausgelutschtes Genre, bei dem innovative Ansätze gefordert sind. Und einen solchen bietet der Film. Die Vampire haben die Gesellschaft übernommen, ihnen gehen bloß die Menschen aus. Und damit das Blut. Um eine normale Gesellschaft aufrechtzuerhalten braucht es Blutersatz. Oder wahlweise Menschen, derer wenige noch frei sind und sich wehren.

Eine interessante Geschichte, gut gedreht, gut dosierte Action, gut dosierte Blutfontänen, teilweise sehr schwarzer Humor – dieser Film macht alles richtig. Da stört auch das hölzerne Spiel von Ethan Hawke nicht, Willem Dafoe, Sam Neill und Claudia Karvan machen das wieder wett.

Fazit: guter, kurzweiliger, origineller Film. Anschauen.

Kritik: FFFN: Heartless

Das Fest geht weiter mit Heartless, dem neuen Film von Philip Ridley, der uns schon Perlen gebracht hat, die ich nicht gesehen habe, daher konnte ich unvoreingenommen allerdings auch uninformiert an den Film gehen.

Es geht um einen Mann mit Muttermal, der Dämonen sieht, einen Pakt eingeht und unsinniges Zeug macht, bis das Ende eine mehr oder weniger schlüssige Auflösung des Ganzen bringt. Das klingt jetzt schlechter als es war, die einzige Kritik am Film ist die, dass er zu lang ist. Deutlich zu lang.

Ansonsten ist die Geschichte durchaus originell und wird originell erzählt, mit schönen Bildern, skurrilen Figuren, mit etlichen Längen zwischendrin und etlichen kurzen Schockmomenten sowie einer humorvollen Szene. Eine klare Einordnung in ein Genre ist dadurch nicht möglich, was aber auch nicht schlimm ist, denn mal etwas anderes ist auch nicht schlecht.

Die Hauptrolle spielt Jim Sturgess sehr gut, der Wechsel der Persönlichkeiten gelingt ihm beeindruckend. Die anderen Figuren fallen etwas ab, allerdings eher drehbuchbedingt, schauspielerisch ist nichts auszusetzen.

Fazit: zu lang, aber sonst ein gelungener Film.

Kritik: FFFN: La Horde

Zweiter Film heute: La Horde, ein französischer Zombiefilm.

Die Story ist recht einfach: zwei rivalisierende Gruppen sitzen in einem Hochhaus fest, während rundherum Zombies aus dem Boden sprießen. Das ist nun nicht wirklich neu, Elemente davon kommen in “28 Days later” vor, oder in jedem anderen Zombiefilm oder in Filmen, die mit rivalisierenden Gruppen arbeiten.

Umso erstaunlicher, dass die beiden Regisseure Dahan und Rocher es schaffen, einen interessanten, spannenden und teilweise überraschenden Film zu drehen. Beinhart, manchmal ernst, vereinzelt sogar moralisch. Getragen von sehr guten Schauspielern, die Storylücken überspielen können. Zwischendrin sogar sehr komisch.

Leider etwas getrübt durch den Popcornesser rechts neben mir. Zum Glück hielt das Popcorn nur ca. 30 Minuten durch. Die Nachos links neben mir ebenfalls, leider hatte der Kerl eine Tüte Gummibärchen für diesen Fall mitgebracht. Zum Glück konnte ich das Rascheln nicht so stark hören, da er dauernd mit seinem Freund geschwatzt hat.

Am Ende des Films haben die Analysten vor dem Kino gewartet, die Ungereimtheiten feststellten in der Art, wie die Zombies auf Kugeln reagierten. Manche starben schnell, manche hielten sich etwas. War aber erträglich, wenn man, wie ich, am Nachmittag erleben musste, wie die Abspann-Scherzreißer um sich griffen (“Ich hol’ jetzt meine Maske. Har, har, har.”).

Fazit (des Films): sehr guter Zombiefilm. Die Franzosen haben’s drauf.