Nuhr 2010

Gestern haben wir uns Nuhr 2010 angesehen, den Jahresrückblick von Dieter Nuhr, hatten wir aufgenommen und sind jetzt zum Anschauen gekommen.

Obwohl: angesehen ist etwas übertrieben, nach 20 Minuten mussten wir abschalten.

War Nuhr schon immer konservativ/neoliberal bis zum Gehtnichtmehr? Hat er gar kein Gefühl für Situationen und deren Bewertung? Und hat er es nötig, auf der Bühne zu lügen?

Beispiel 1: Stuttgart 21. Da findet er den Bahnhofsbau recht gut, weil ja ein Bahnhof in der Stadt gebaut wird. Wer könnte da was dagegen haben? Die Protestierer sind sowieso alle seltsam, wollen nur Spinnen schützen. Und demokratisch war das Ganze ja auch. Kein Wort zu verletzten Demonstranten oder Polizeigewalt. Warum auch? Aber dann auf die eigene Protestvergangenheit hinweisen. Wird wohl weniger um die Sache gegangen sein damals?

Beispiel 2: Wikileaks. Die haben sowieso nur veröffentlicht, was jeder weiß. Und weil die was aus den USA veröffentlicht haben, sind sie Unterstützer von Nordkorea, Russland oder China.

Beispiel 3: Schweden. Die haben “und das stimmt wirklich” ein Gesetz, dass es Vergewaltigung ist, wenn Frauen nach dem Sex unwohl ist.

Dann hat es uns gereicht. Keine Ahnung, ob er weiter so schwafelt, oder ob das alles Ironie war, die wir nicht erkannt haben, aber größerer Unsinn ist mir in letzter Zeit von einem gebilteten Menschen nicht untergekommen.

Heute abend wird er den Satire-Gipfel übernehmen. Das Interview mit RadioEins verhieß nichts Gutes. Politik müsse nicht unbedingt ins Kabarett. Und früher haben die im Kabarett nur so blöde geredet, jetzt soll auch gelacht werden. Und Matze Knop, der dort auftritt, ist ein ganz lustiger Typ, dessen Witze total toll sind.

Mein Fazit: müssen wir nicht nochmal haben, tut mir das Geld im Nachhinein leid, das wir in Live-Auftritte gesteckt haben.

Korrektur: der Satire-Gipfel kommt morgen, Donnerstag, nicht heute. heute war die Probe.

Vuvuzela, Parteitage

Derzeit geht in den Medien eine Diskussion los, ob Vuvuzelas verboten werden sollten oder rausgefiltert. Das gipfelt oft in der Frage, ob schon mal jemand ausgeschaltet hat wegen der Tröten.

Für mich gilt: ich schalte regelmäßig den Ton wegen der “Reporter” ab, die nur Müll erzählen, Statistiken präsentieren, belangsloses Zeug von sich geben und keine Ahnung von Fußball haben. Die Tröten stören mich nicht. Abgesehen davon: die Verherrlichung der Fangesänge ist auch interessant: dauernd “Arschloch” brüllen ist also besser als rumtröten?

Und was den “inneren Reichsparteitag” angeht: ich kenne nur den “inneren Parteitag” und finde eine solche Redenswendung nicht schlimm.

Fire in the hole

übersetzt man nicht mit “Feuern Sie in das Loch”, liebe Stargate-Universe-Übersetzer, wie in Folge 8 (Time). Dann doch eher mit “Feuer und los” wie in Folge 15 (Lost).

Eine bessere (genauere) Übersetzung wäre z.B. “Deckung” oder “Volle Deckung” oder “Granate” oder “Sprengung”, wäre aber nicht lippensynchron. SO ist “Feuer und los” gar nicht so schlecht.

ZDF neo

zugegeben, ich bin nicht Deine Zielgruppe, da ich nicht mehr zu den jungen Leuten zähle.

Aber: gestern vier Teile “Seewolf” bringen, mit Raimund Harmstorf, eine strunzlangweilige verfilmung, die den gesamten Abend blockiert: ok. Kann ich mir zwar nicht vorstellen, dass junge Leute damit zu begeistern sind, aber was weiß ich schon.

Heute noch einmal den Seewolf zu bringen, die 2009er-Verfilmung: was glaubt Ihr denn, wie junge Leute heutzutage aussehen, was sie im Fernsehen sehen wollen? Ist “jung” bei Euch ein Synonym für “unter 70”? Mann-mann-mann.

Kritik: heute-show

Die heute-show ist der Versuch, ein Format wie The Daily Show with Jon Stewart auch im deutschen Fernsehen zu etablieren. Kurze Zusammenfassung für Nichtkenner der Daily Show: Satire über Fernsehen und Politik, in letzter Zeit mit starkem Fokus auf Politik. Dabei steht Jon Stewart im Vordergrund, der zwei Drittel der Show unterhält (gerne mit Einspielern und anderen Korrespondenten) und ein Drittel mit einem Gast redet. Sehr unterhaltsam, sehr gut, sehr liberal (übersetzt: links). Vor allem: Jon Stewart steht hinter seinen Themen, nimmt daran Anteil, engagiert sich.

Oliver Welke unternimmt nun den Versuch, das auf deutsche Verhältnisse zu übernehmen und anzupassen. Als Fan der Daily Show erhoffe ich diesen Schritt schon lange und stehe dem Versuch offen gegenüber. Und es zeigt sich, dass diese Hoffnung nicht unberechtigt ist. Insgesamt hat mir die Show sehr gut gefallen, es hakt noch überall, aber für eine erste Show fand ich es gelungen.

Im Detail: Oliver Welke als Moderator ist gelungen. Kann ich nicht anders sagen. Ich erlebe ihn immer zwiegespalten: im Fernsehen oft schwankend, im Radio überragend, kann er so eine Show stemmen. Es fehlt noch die Lockerheit und das Selbstverständnis, aber was ich sah, war ok. In einigen Passagen kam die Lockerheit und der Bezug zum Thema sogar richtig gut, in anderen, den vorbereiteten Gesprächen, eher weniger gut.

Die Einspieler waren gut bis schlecht, Martina Hill hat sehr hohes Potential, Christian Ehring fand ich blass, Dietrich Hollinderbäumer war gar nix, Olaf Schubert lala bis gut, Martin Sonneborn stark. Das ist alles ausbaufähig aber mit sehr guten Ansätzen.

Ein ganz großer Kritikpunkt bleibt: Kamera auf Oliver Welke oder den Reporter. Bitte, bitte (wirklich bitte): zeigt mir keine Zuschauer oder Studioaufnahmen. Das ist unnötig, überflüssig und lenkt ab. Ich weiß, das widerspricht allen “Gesetzen” der Kameraführung von Studioaufnahmen, ist aber ein großes Plus der Daily Show.

Zweiter großer Kritikpunkt: einmal im Monat ist zu wenig. So eine Show muss sich einspielen, man muss viel ausprobieren, viel testen, bis eine gute Show entsteht. Jon Stewart hat zwei Jahre dafür gebraucht bei vier Sendungen pro Woche. Noch einmal: einmal im Monat ist zu wenig. Die Politik gibt dafür genug her.

Sehr gut: kein Fernsehtrara, keine Witze über Gameshows etc. Nur Politik. Sehr schön.

Fazit: sehr gute Ansätze, muss noch curlen.

BTW: die Kontaktmöglichkeiten zur Show oder zum ZDF sind sehr mager. Es wird noch nicht einmal eine Mailadresse angeboten, nur ein Online-Formular. Junge, Junge.

Update [21.6.]: Rechtschreibfehler korrigiert

Uri Geller

Uri Geller darf ab heute abend wieder sein Unwesen treiben. Er wäre ein recht annehmbarer Zauberer, wenn er nicht explizit darauf bestehen würde, ein Zauberer zu sein, der ohne Tricks arbeitet. Leider versagen seine Kräfte, wenn man ihn, wie in der Tonight Show, mit nichtpräparierten Sachen arbeiten lässt.

Ein sehr nettes Video von ca. 14 Minuten Länge zeigt interessante Einblicke. Auch der Heilprediger Peter Popoff wird gezeigt. Wie die heutige Sendung zeigt, kommen solche Scharlatane immer wieder.

(gefunden bei Stefan Niggemeier)