Volltrottel in Verkehr und Literatur

OK, der Verkehr heute war eigentlich ganz ok, früh sogar ein Kastenwagen, der die gesamte Leipziger Straße hinter mir blieb, ohne zu drängeln. Sehr schön.

Dafür auf der Rückfahrt eine Rechtsabbiegerin, die einfach nicht halten wollte. Mich ließ sie noch zähneknirschend vorbei (ohne stehenzubleiben), die Radfahrerin hinter mir musste dann vollbremsen.

John Asht – der “Autor”

Apropos Volltrottel: der mir bis dato unbekannte Autor John Asht macht sich gerade selbst zu einem solchen. Eine an sich lustige Geschichte, die man nicht glauben mag:

Ausgangslage: Myriel schreibt in ihrem Blog Bücherzeit eine Rezension von Twin-Pryx Zwillingsbrut von eben jenem John Asht. Offensichtlich war das Buch nicht ihres, denn nach 90 Seiten bricht sie ab und beschreibt nachvollziehbar, dass das Buch von ihr keine Empfehlung bekommt.

Tja, so läuft das halt manchmal, da gefällt das Buch halt nicht.

Nicht mit John Asht (was auch immer das für ein Pseudonym sein mag, ich will es gar nicht wissen). Denn der weiß, was Sache ist und kommentiert, sagen wir, etwas ungehalten, dass sich Myriel erdreistet a) das Buch nicht zu mögen und b) das auch noch zu sagen. Und das, obwohl sie gar nicht das ganze Buch gelesen hat! Also will er sie verklagen!

Oder in seinen Worten:

Na ja, von einer 23-jährigen Fantasy-Leserin, die mit gehobener Literatur überhaupt nichts anfangen kann, erwarte ich auch nicht mehr als eine solch’ unqualifizierte Pseudo-Rezi.
Mädel, schreib’s dir hinter die Ohren: Phantastische Literatur ist nicht „Fantasy“.
Also, tu uns allen einen Gefallen und bleib bei deinen Zwergen und Elfen – für mehr reichts nicht!

OK, reicht noch nicht:

… außerdem werde ich „Myriel“ und „Bücherzeit“ von meinem Rechtsanwalt gerichtlich ahnden lassen – denn mir sieht diese Einrichtung sehr suspekt aus – etwa so, wie von gewissen Leuten bezahlt, um einem Autor zu vernichten. Das wird teuer, Lady!

Der Roder-Verlag

Har, har. OK, jetzt würde man denken: hoffentlich liest der Verlag mit und schlichtet etwas. Der Verlag liest mit. Auftritt Antje Roder, Geschäftsführerin des Roder-Verlags.

Nur Auszüge, denn ihre Kommentare sind etwas länger:

Grundregel Nummer 1 für eine Rezension ist, dass man das Buch überhaupt gelesen hat!!!

Drei(!) Ausrufezeichen. Myriel hat sich nämlich nicht an die Rezensionsregeln gehalten.

[…] Daneben gibt es aber noch solche Autoren, die sich Zeit nehmen für ihr Werk, die Handlungsstränge ausarbeiten und eine Geschichte entwickeln. Daraus entstehen Bücher, die nicht zur Massenware zählen und die den Leser zum Mitdenken anregen wollen – keine vorgekaute Kost. […]
Wer damit nicht mehr umgehen kann, sollte sich künftig besser nur noch mit anspruchsloser Kost berieseln lassen. Das ist auch den Machthabern lieber, denn diese Art von Fast-Food-Leser lassen sich optimal lenken und kontrollieren – eben weil sie allmählich das rationale Denken verlernen.

Myriel ist einfach zu doof für das Buch (zu dem komme ich noch). Aber jetzt kommt’s dicke:

Artikel 5 des Grundgesetzes gibt Ihnen noch lange nicht das Recht, Wirtschaftskriminalität zu betreiben, indem Sie willkülich den Verkauf eines Produktes boykottieren.
Sie sind keine studierte Literaturkritikerin – das sieht man allein schon daran, dass Sie den fantastischen Abenteuerroman „Twin-Pryx, Zwillingsbrut“ fälschlicherweise in die Kategorie „Fantasy“ abgeheftet haben. Fantastische Abenteuerromane sind z. B. das Genre des Jules Verne. Fantasy hingegen ist das Genre der modernen Märchengeschichten, wo Fabelwesen um den Menschen agieren.
[…]
Außerdem werde ich den Börsenverein des Deutschen Buchhandels informieren, dass Sie auf launische Weise Literaturkritiken veröffentlichen, ohne überhaupt das Werk gelesen zu haben – abgesehen davon, dass Sie es wie oben beschrieben falsch kategorisiert haben.
Überlegen Sie sich, was für Konsequenzen das alles für Sie haben wird. Das Recht ist auf unserer Seite!

Uiuiui. Falsche Kategorie genommen und nicht Literaturkritik studiert. Und auf launische Weise Kritiken veröffentlicht. Ein Fall für die spanische Inquisition.

Zum Glück nimmt Myriel das Ganze sportlich und wartet ab, ob endlich gerichtliche Schritte erfolgen. (Herr Staatsanwalt, die hat mein Buch nicht gut gefunden, obwohl sie es nicht zu Ende gelesen hat!!!)

Noch nicht peinlich genug?

OK, dann auf ins Blog von John Asht. Dort beschreibt er nämlich den Vorfall auf seine Art unter dem Titel (und das habe ich mir nicht ausgedacht) “Literatur-Kriminalität im Internet“. Er beginnt mit:

Vor der Internetexplosion gab es noch gestandene Literaturkritiker[…]

Jetzt schwadroniert er sich eine Verschwörungstheorie um eine abgelehnte Autorin zusammen. Muss man lesen. Weiter:

Lady Oberschlau publiziert also ihre unqualifizierte Kritik in ihrem Blog und gibt sogar noch offiziell zu, dass sie das Buch überhaupt nicht gelesen hat.

Die Schlange. Erzählt also offen die Wahrheit. Schlimm.

Der Verlag verwarnt die unseriöse Rezensentin und belehrt sie vorbeugend, dass sie nicht einmal die Literaturgattung des Buches richtig erkannt habe und somit eine Rezension nach den Kriterien eines ganz anderen Genres erstellt hat. Vor allem aber wird sie darauf aufmerksam gemacht, dass sie ein Buch von der ersten bis zur letzten Seite zu lesen habe (sorgfältig), bevor sie überhaupt eine Kritik zu veröffentlichen gedenkt.

Ja, wieder diese Rezensionsregeln, die so gelten. Aus dem Rezensionsgesetzbuch (ok, der war schlecht).

Demonstrativ schickt die pseudo-erpresserische Rezensentin ihre Postanschrift zu – womöglich in der Hoffnung, dass da nun bald ein schönes Paket mit Geschenken und vielleicht auch einem Geldumschlag eintrudelt. Stattdessen aber bekommt sie eine Anzeige wegen Verstoßes gegen § 15 UWG “Geschäftlicher Verleumdung”.

Klar, die wollte Geschenke haben. Mal sehen, was Myriel dazu schrieb:

Hallo Frau Roder,
da Sie so plakativ darauf hinweisen, dass das Recht auf Ihrer Seite ist, dürfen Sie mich gern davon überzeugen. Meine postalische Anschrift habe ich Ihnen soeben per E-Mail übermittelt, so dass Sie Ihre Ankündigungen umsetzen können.

Tja, sie wartet einfach auf die Anzeige (die bisher noch nicht gekommen ist).

Aber nochmal die Regeln von John Asht:

Sobald eine Rezension veröffentlicht ist, untersteht sie nur dann dem Schutze der freien Meinungsäußerung, insofern sie zutreffend fundiert und objektiv analysiert ist – vor allem aber muss der Rezensent das gesamte Werk von der ersten bis zur letzten Seite gelesen haben. Für nur angelesene Bücher kann man höchstens ein referierendes Statement abgeben – allerdings niemals in einem Rezensionsblog.

Jenau. Und zum Schluss die Tränendrüse:

Was diese rücksichtslosen Wichtigtuer(innen) nicht wissen, ist, dass so mancher Kleinverleger sein ganzes Hab und Gut als Sicherheit bei der Bank hypothekiert hat, nur um einige ausgewählte Manuskripte zu Büchern zu machen, in der Hoffnung, dass ein Broterwerb daraus enstehe, für ihn und seine Autoren.

Tja, sollte der Verlag sich seine Autoren wohl genauer aussuchen. Oder gute Literatur veröffentlichen. Oder sich nicht öffentlich im Netz zum Vollhonk machen. Nur so eine Idee.

Immer noch nicht peinlich genug?

OK, John Asht hat seinen Ursprungsartikel editiert, vorher hat er (laut diesem Screenshot) noch das Wunderargument gezogen, dass die Rezensentin es einfach mal besorgt kriegen muss:

Vielleicht sollte ihnen die Krankenkasse eine Therapie bezahlen: eine Kur in lieblichen Gefilden, wo es reale Jungs gibt, die ihnen besorgend beibringen, worum es im Leben überhaupt geht.

OK, er hat halt ein einfaches Frauenbild, schaut mal auf seinem Blog den Artikel Frauenquote an, in dem er über die böse “Emantipation” herzieht, da gibt es Perlen zur Frauenquote:

Und von wem kommen solche abstrusen Vorschläge? Von Frauen der Regierungsbank, die noch nie einem ehrlichen Beruf nachgegangen sind […] Aber gerade weil sie Berufspolitikerinnen sind, sollten sie wissen, dass es diese bornierte Experiment schon einmal gegeben hat: im früheren Ostblock. Da wurden urplötzlich Menschinnen gefördert, die kaum noch was Weibliches an sich hatten – Mannsweiber, die überhaupt keine Kinder haben wollten und von grundauf alles hassten was männlich war – und dementsprechend auch alles hinterfragten und widersprachen was von einem Manne im Unternehmen kam. Fazit: Alles ging den Bach runter!

Was ist die Lösung für das Menschinnenproblem?

Natürliche Rollenverteilung braucht die Nation, um als solche weiterbestehen zu können.
[…]
Nun frage ich mich aber, wie viele Frauen haben was genau erfunden und entdeckt bis heute? Da gibts leider nur sehr wenige – und selbts diese Frauen forschten an der Seite ihres Mannes und setzten nach deren Tod deren Errungenschaften fort. Es ist nun mal gegen die Natur einer biologisch richtigen tickenden Frau, plötzlich hochtechnisierte Maschinen, Formeln oder Raketen zu erfinden.

Ein schlichter Geist, dieser John Asht.

Was, noch mehr Peinlichkeit?

Na ja, vielleicht ist er ja ein guter Schriftsteller, wenn er schon sonst eher nicht viel kann. Lesen wir Auszüge aus dem rezensierten Werk TWIN-PRYX, Zwillingsbrut. Oh nein, ich werde jetzt nicht alles hierher kopieren, aber zwei Kostproben sollen sein, einfach selbst lesen. Aber seid gewarnt: schlechte Literatur ahead!

Eine Schweißperle wollte herunter zum Augenwinkel kullern – sie wischte sie weg und wünschte sich, den Albtraum genauso einfach aus ihrem Gedächtnis löschen zu können. Hinterhältige Halunken, überraschend waren sie aus den Büschen gesprungen, hatten sie vom Pferd gezerrt und wortlos in eine dunkle Höhle verschleppt.

“Hinterhältige Halunken”?

Sie beschloss, sich noch vor dem Erwachen der anderen Burgbewohner etwas abzukühlen, denn ihr Körper vibrierte nach wie vor von diesem furchtbaren Traum. Nackt schritt sie zur offenen Tür, streichelte zuerst ihre beiden treuen Wolfshunde, die Nacht für Nacht ihren Schlaf bewachten, dann äugte sie sicherheitshalber nach allen Seiten und ging schließlich gemächlich zum Brunnen.
[…]
Zurück in ihren Räumen trocknete sie völlig erfrischt ihren wohlgeformten, sportlichen Körper ab, warf noch einen fast scheuen Blick in den Spiegel und schlüpfte in eine ihrer geliebten Reitermonturen – es war eine dieser Einzelkreationen, wie sie nur die Mutter, bedingt durch ihre indianische Abstammung, hatte anfertigen können.

Nicht sagen, dass ich nicht gewarnt hätte.

Es mag Leute geben, denen sowas gefällt. Aber dass Myriel sich durch 90 Seiten dieser gequirlten Kacke gelesen hat, ringt mir Hochachtung ab. Ich habe es nicht mal durch die Leseprobe auf der Webseite geschafft.

Lest die Kommentare bei Myriel und Astrodicticum durch, da ist viel gesagt. Dort sind auch weitere lesenswerte Seiten verlinkt.

Und lest mal wieder ein gutes Buch.

PS: eigentlich warte ich noch darauf, dass ich auf einen ganz raffinierten Hoax reingefallen bin.

Quellen:

Buchbranche

Buchbranche, insbesondere Ihr Verleger – wir müssen reden.

Gerade war die Frankfurter Buchmesse, auf der laut Euren Aussagen insbesondere die elektronischen Bücher vorgestellt werden sollen – stimmt nicht. Hauptplatz gehört den “richtigen” Büchern aus bedrucktem Holz und das finde ich gar nicht so schlecht. Ich lese gerne in einem Buch, das ich mit ins Bett nehme oder ins Bad, da finde ich Elektronik doch noch unpassend. Außerdem ist es haptisch schön, sich in einem Buch von vorn nach hinten durchzuarbeiten.

Was ich schlecht finde, das ist Eure Einstellung gegenüber Büchern im Allgemeinen, darunter auch digitalen Büchern und damit gegenüber mir, der ich Eure Bücher kaufen soll.

Ich vermutete früher, Euer Geschäftsmodell basiert darauf, dass ich Eure Bücher kaufe. Derzeit glaube ich das nicht mehr.

Ich lese sehr gern und sehr gerne das, was allgemein als “Schundliteratur” bezeichnet wird: King, Koontz, Lukanienko, Cook, die Warhammer-Reihe, die Star-Wars-Reihe, Harry Potter etc. Ich denke, Ihr wisst, was ich meine. Damit ist man von vornherein gebrandmarkt: als dumm. Entsprechend werden die Bücher behandelt: schlechte Übersetzer, viele Fehler, schlechte Buchqualität. Das habe ich gelernt, hinzunehmen, vor allem in den schlimmen Neunzigern des letzten Jahrhunderts.

Dort wurde die Qualität meiner Bücher schleichend innerhalb von ca. zwei Jahren grottenschlecht: kaum eine Seite ohne Druckfehler, willkürliche Übersetzungen, Inkonsistenzen innerhalb von Buchserien etc. Begründet wurde das durch die exorbitanten Kosten, die richtige Übersetzer und Lektoren kosten würden. Gleichzeitig wurde die Bücher teurer, Grund waren offiziell die gestiegenen Kosten von Druck, Papier etc. Also gestiegene Produktionskosten nichtmenschlicher Natur (merken, brauch wir später noch, den Fakt). Das brachte mich und einige Freunde dazu, mehr Bücher auszutauschen, da die Anschaffung für den Preis zu hoch war – bis dato hatten wir von guten Büchern jeder ein Exemplar gekauft.

Dann kam die Zeit der originalsprachigen Bücher, die ich aus sprachenlerntechnischen Gründen kaufte. Erst eins, dann zwei, dann viele. Und ich merkte, dass ich mit den Übersetzungen von den Verlagen sehr oft im Stich gelassen wurde. Klar, Hemingway, Shakespeare oder Tolkien werden gut übersetzt. Aber King, Koontz, Brown, Rowling eben nicht. Und das sind die Bücher, die ich bevorzugt lese.

Nur kurz anschneiden möchte ich das leidige Thema Comics/Graphic Novels: ganz traurig in Deutschland. Ist halt Kinderkacke und wird genauso behandelt.

Fazit bisher: den Verlagen war es eine lange Zeit von Mitte der Neunziger bis Mitte der Nuller Jahre recht egal, ob sie Qualität ablieferten, denn die Leute kauften Bücher ja sowieso.

Das fing an, sich zu ändern, als Amazon und Co. auf den Markt kamen. Denn auf einmal standen dem normalen Leser ganz neue Buchwelten offen. Nicht nur, dass man englischsprachige Bücher direkt bestellen konnte, auch die Welt der Comics, Graphic Novels, Mangas etc. wurde plötzlich sichtbar. Und, was nicht zu vergessen ist: mit dem Internet konnte man endlich einmal über seine Leseleidenschaft sprechen, sich mit anderen austauschen, ohne sofort ein Naserümpfen zu ernten. Es gab Gleichgesinnte da draußen.

Mit der massiven Verbreitung des Internet und Verbesserung der Elektronik kamen viele neue technische Errungenschaften auf den Markt: Print-On-Demand; Bücher im Netz zum Lesen, Selbstausdrucken, mitschreiben; elektronische Bücher; Buchscans von Google und vieles andere mehr. Statt nun aber mit Neugierde zu reagieren und die neuen Möglichkeiten auszuloten, mitzugestalten oder wenigstens zu nutzen, beging die Buchwelt den gleichen Fehler wie die Musik- und Filmindustrie: Verteufelung des Neuen.

Und jetzt sind wir beim Thema, das ich eigentlich ansprechen wollte: elektronische Bücher. Und die Vision der Buchindustrie dazu.

Kurz mal meine Gedanken zu elektronischen Büchern: ich finde sie unglaublich praktisch. Text auf einem Rechner zu halten, dort zu kommentieren und immer auf dem aktuellen Stand zu haben ist gut. Wie eingangs erwähnt, würde ich meine Schmöker nicht elektronisch kaufen. Aber bei Sachbüchern sieht das schon ganz anders aus: dort brauche ich Notizen, um Druckfehler auszugleichen oder Gedanken zu sammeln. Ich brauche die Möglichkeit, einen Text zu durchsuchen, wie oft blättere ich durch ein Sachbuch, um eine bestimmte Stelle zu finden, zu der ich nur ein Schlagwort kenne. Außerdem nervt es mich, mit veralteten Büchern zu arbeiten, will aber nicht so gerne Bücher wegschmeißen, außerdem muss ich jedesmal den vollen Preis für ein Update löhnen, bei dem ein paar Kapitel marginal geändert wurden.

Was erwarte ich also: die Möglichkeit, ein Buch elektronisch zu kaufen. Ich möchte das Buch auf meinen Rechnern halten, schön synchronisiert mit Notizen und allem Brimborioum (ja, ich besitze mehrere Rechner, evtl. in Zukuft ein Smartphone oder was auch immer). Ich möchte Updates zu dem Buch haben, wenn es sie gibt. Ich bin bereit, Fehler zu melden und zu korrigieren, damit die nächste Version des Buches besser wird. Dafür erwarte ich einen angemessenen Preis für das Buch, der deutlich unter dem Papierpreis liegt, sowie preiswerte Updates und kostenlose fehlerkorrigierte Versionen.

Das mit dem Preis erwarte ich übrigens, da die Druckkosten für Bücher so exorbitant hoch sind dass sie in den Neunzigern eine deutliche Preiserhöhung rechtfertigten, wie ich oben erwähnte.

Was waren aber die ersten und einzigen Überlegungen, die Ihr angestellt habt? Das Buch darf nicht kopiert werden. Wir wollen die Kontrolle über den Vertriebsweg haben. Wir wollen ein Buch löschen können, auch auf dem Gerät des Kunden. Und die Bücher dürfen nicht billiger werden als ihre Papierpendants.

Mit einigem Nachdenken sollten bestimmt auch Regionalcodes eingesetzt werden, damit ich nicht direkt Bücher aus dem nichteuropäischen Ausland kaufen kann – die Filmindustrie lässt grüßen. Kann ja noch kommen.

An mich als Kunden wurde da nicht einmal gedacht. Das heißt, so ganz stimmt das nicht – ich wurde als Störenfried identifiziert, dessen einziges Sinnen ist, Bücher zu kopieren und so oft wie möglich zu vervielfältigen.

Im Ergebnis sind elektronische Bücher unbenutzbar. Man kann sie zwar kaufen, weiß aber nicht, ob sie nicht später gelöscht werden. Außerdem können sie nur mit einem(!) Gerät genutzt werden und meist auch nur mit einem bestimmten(!) Gerät eines Herstellers. Ein neues Gerät oder ein Update des Rechners können einen Neukauf zur Folge haben. Mehrere Kopien auf mehreren Rechnern sind strikt verboten. Die Preise der Bücher sind exorbitant, Updates oder Preisnachlässe auf Folgeversionen sind nicht vorgesehen.

Nun frage ich Euch, liebe Buchindustrie: warum soll ich mir das antun?

Klar, das ist Euch egal. Noch. Bis Amazon oder Google oder wer auch immer mit einem ordentlichen Angebot kommt, das ich auch nutzen kann. Bis jemand an den Kunden denkt. Und dann geht Euch der Arsch auf Grundeis, wie der Musikindustrie derzeit oder den Zeitungsverlagen. Dann kommt Ihr gejammert und wollt staatliche Hilfe und was nicht alles, damit Euer Geschäft nicht zugrunde geht. Aber selbst mal ein Geschäft zu machen, das fällt Euch nicht ein.

So viel zu elektronischen Büchern, aber Ihr habt ja noch die Holzbücher. Alles in Ordnung. Wenn Ihr da wenigstens mal Qualität abliefern würdet. Aber auch da sind Euch Eure Kunden scheißegal.

Beispiel: die Warhammer-Reihe, Sammelstück für viele Fans. Mit dem schönen Warhammer-Logo auf dem Rücken, gut zu sammeln. Und was fällt Euch da ein? Mitten in der Reihe ändert Ihr die Größe der Bücher und lasst das Logo auf dem Buchrücken weg. Brilliant. Das wird viele Fans animieren, weiter die Bücher zu kaufen, statt sie vom Freund zu leihen. Und wenn wir schon dabei sind: die Übersetzer sind nicht besser geworden in den letzten zwanzig Jahren.

Anderes Beispiel: die Harry-Potter-Romane. Diese sind ein Paradebeispiel für schlechte Übersetzung. Und für verfälschende Übersetzung. Und für Inkonsistenzen innerhalb einer Buchreihe.

Letztes Beispiel: Buchtitel. Klar, der Autor hat sich sicher nichts dabei gedacht, als er sein Buch “The Da Vinci Code” nannte. “Sakrileg” ist da viel besser. Oder “Dinopark” ist viel besser als “Jurassic Park”. Oder, oder, oder.

Von Comics wollen wir gar nicht erst anfangen: teuer ohne Ende, schlecht übersetzt, kaum im Buchhandel zu finden, Kinderkram halt.

Ein letzter Gedanke: habt Ihr schon mal darüber nachgedacht, eine interessante Buchsendung ins Fernsehen zu bringen? Klar, ich schaue Druckfrisch, da sind aber selten Bücher für mich dabei und es werden sehr wenig Bücher vorgestellt. Ich möchte einfach pro Woche eine halbe Stunde Buch: neue Bücher, alte Bücher, mit Anspruch, ohne Anspruch, für Erwachsene, Kinder, Männer, Frauen, etc.

Tja, das war’s auch schon, ich wollte nur mal all das sagen, was ich schon immer mal zu Büchern sagen wollte. Bestimmt habe ich noch was vergessen, aber wenn ich das Gejammere bei Messen immer höre, wie schlecht alles ist, könnte ich kotzen. Weil Ihr nicht auf den Kunden schaut, nicht versucht, ihn zu erfreuen und was für sein Geld zu bieten, sondern Euch auf Euren vertrockneten Lorbeeren ausruht und denkt, Ihr hättet die Weisheit mit Löffeln gefressen. Habt Ihr nicht. Ihr vergrault Eure Kunden. Langfristig.

Kritik: Daemon

Daemon ist ein Buch von Daniel Suarez, das davon handelt, wie ein toter Spieleeentwickler mit Hilfe eines verteilten Daemon (im Computersinne) die Weltherrschaft übernimmt. Grob zusammengefasst.

Auch wenn das erst einmal weit hergeholt klingt, es funktioniert unter den Prämissen des Buches erstaunlich gut. Dabei sind die Annahmen gar nicht so weit hergeholt, außer vielleicht, dass die amerikanische Regierung geldgierige Säcke sind, die sich einen Dreck um Menschen scheren.

Das Buch liest sich sehr gut, es ist flott geschrieben, die Charaktere sind glaubwürdig und agieren ebenso, das Setting stimmt und ist nicht allzu abgehoben, und, und das ist fast das Wichtigste, alle Computerdetails stimmen. Es ist erstaunlich, wie oft ich mich ertappt habe bei: “Jetzt müsste er aber das machen.” oder “Ein Computer würde jetzt aber…” und dann trat genau das ein. Und zwar, weil es logisch zwingend war. Eine Folge von Ereignissen findet genau so statt, wie sie muss und nicht anders. Großes Vergnügen.

Kleines Manko (nicht für mich): man muss schon etwas Ahnung von Computern haben, um das Buch zu verstehen und ihm folgen zu können.

Fazit: guter Lesestoff, vor allem für Nerds ein Muss, für alle anderen: mal reinschauen.

Die Klinge

Mal angenommen, an den Polen der Erde, dort, wo die Achse herausschaut, wäre eine große Klinge festgeschraubt. Diese Klinge reicht von Pol zu Pol, einmal halb um die Erde herum. Der Nachteil: sie ist 1,5 Meter vom Erdboden entfernt. Und sie kommt jeden Tag einmal vorbei.

Wie wäre das Leben auf der Erde betroffen?

Zunächst einmal gäbe es keine Bäume, zumindestens keine großen. Es gäbe auch keine Berge, zumindestens keine großen. Die Menschen würden sich anpassen. Ob sie kleinwüchsig würden oder sich einfach nur einmal am Tag ducken würden, lässt sich nicht ohne weiteres entscheiden. Bei langlebigen Species würden sich sicher kleinere Exemplare durchsetzen.

Häuser wären versenkbar. Sie würden einmal am Tag heruntergefahren und dann wieder hoch. Das schränkt die Verkehrswege ein. Es gibt flache Autos und viele unterirdische Wege. Dafür bräuchten Flugzeuge nur sehr tief fliegen.

Dumme Menschen ohne Zeitgefühl überleben nicht lange. Mörder bräuchten ihre Opfer nur zur richtigen Zeit hochheben.

Mode

“…heute sah ich im Kaufhaus eine Frau, die offensichtlich eine Wette verloren hatte. Der Wetteinsatz war, in aller Öffentlichkeit in der Modeabteilung mit einem geblümten Hemd, einer schwarzen, enganliegenden Hose, die knapp über dem Knie endete sowie gänzlich unpassenden Schuhen einkaufen zu gehen. Das sieht bei einer Frau mittleren Alters mit Beinen, die eine Fußballerin vermuten lassen, einfach nicht gut aus.”

“Zum Glück wurde sie ausgestochen von der älteren Dame im hellblauen Faltenhemd mit Hochwasserhose, schwarzen Knöchelsöckchen und Sandalen, so dass man die kleinen Löcher in den Socken gut sehen konnte. …”

aus “Erja Groß”

Moers und König

Freitag abend haben wir den neuen Moers (“Adolf – Der Bonker”) und den neuen König (“DSCHINN DSCHINN 2: Schleierzwang im Sündenpfuhl”) gekauft.

Moers ruht sich mal wieder auf seinen Lorbeeren aus, das Comic selbst ist Durchschnitt am unteren Ende mit extrem vielen Selbstreferenzen. Der beiliegende Film (Videoclip “Adolf die Nazisau”) ist genial.

König übertrifft fast den erste Teil von Dschinn Dschinn, beide Teile sind absolut gleichwertig, mit wirklich guten Einfällen. Latex-Burka – yeah.

Daher: Kaufempfehlung für König, YouTube-Empfehlung für Moers.

(archivierter Beitrag aus rauhesitten.blog.de)