Saisoneröffnungseis

EisWir haben uns durch die Berlinale-Massen gekämpft, um die diesjährige Eissaison zu eröffnen.

Allen Berlin-Besuchern und Berlin-Insassen sei hiermit Caffè e Gelato am Potsdamer Platz wärmstens ans Herz gelegt. Es gibt kaum eine bessere Eisdiele in Berlin (und ich lehne mich aus dem Fenster:) oder in Deutschland. OK, in Florenz gab es besseres Eis, aber auch nicht in jeder Eisdiele.

Ehrlich Brothers

2015-11-09_EhrlichAm Montag war ich bei den Ehrlich Brothers, zwei deutschen Zauberern und es war gut.

Ich kannte die beiden nicht und bin durch Markus Kompa darauf aufmerksam geworden. Und wenn Markus was empfiehlt, dann schaut man sich das an.

Es war erstaunlich. Die beiden sind nett, unterhaltsam und nicht so schleimig, wie sich das bei vielen Zaubershows über die Jahre einschleift. Also keine halbnackten Assistentinnen, keine unironischen übergroßen Ansagen, einfach Illusionen (die auch als solche benannt werden). OK, es gab das eine oder andere Element, das in die Richtung ging (die Kraft der Liebe?), das haben sie aber meist ironisch gebrochen. Außer Mario Barth. Muss man halt mit leben.

Und, was ich äußerst angenehm und erstaunlich fand: ich wusste nicht, wie sie die meisten Tricks machten. Das mit dem Motorrad ist beeindruckend. Und der Rest auch.

OK, die Tickets sind teuer. Aber man bekommt etwas dafür geboten und, wie die beiden auch erzählen, es werden 30 Leute beschäftigt.

Fazit: uneingeschränkte Empfehlung.

Der Fuß

Peter war seit zehn Jahren Fußmasseur. Er war den harten Weg gegangen, hatte als Handmasseur begonnen, dann einige Köpfe massiert, Nacken und nach einer Weile sogar Rücken.

Aber Füße – das war etwas ganz Besonderes, etwas Heiliges. Er wollte sicher sein, dass er bereit war, bevor er seinen ersten Fuß massierte. Und er war bereit, das bezeugte jeder, der von ihm eine Fußmassage bekam. So sprach sich seine Fähigkeit herum und nach zehn Jahren konnte er von der Fußmassage gut leben. Er hatte eine feste Kundschaft und ab und an neue Kunden, so wie heute.

Vor ihm lag ein älterer Mann, vielleicht Mitte vierzig, Anfang fünfzig, unscheinbar, der zum ersten Mal bei ihm war. Peter war kein Mann der unnötigen Worte, sondern machte sich an die Massage, erst den linken, dann den rechten Fuß, wie er es seit zehn Jahren zu tun pflegte.

Nach fünfzehn Minuten war der linke Fuß massiert, er hatte einige Verhärtungen entdeckt, etwas mehr Hornhaut als nötig, aber insgesamt nichts ungewöhnliches. Also machte sich Peter an den rechten Fuß.

Als er ihn berührte durchzog ihn ein Schmerz, wie er ihn nie zuvor erlebt hatte. Er hatte helle Blitze vor den Augen, durchzogen von Visionen von Schmerz und Tod. Er zog sofort die Hand zurück, und ihm wurde klar: der Fuß war böse. Er sah genauso unscheinbar aus wie der linke Fuß, doch jetzt konnte Peter seine schwarze Aura fast sehen und fühlen.

Vom bösen Fuß hatte Peter schon gehört, abends bei Lehrgängen, diesen jedoch ins Reich der Fabeln verwiesen und nun lag ein solcher Fuß vor ihm. Was sollte er tun? Der Besitzer des Fußes hatte noch nicht auf seine Verwirrung reagiert, auch der Fuß schien noch nichts bemerkt zu haben.

Peter war kein Held. Er begann zu weinen, zog sich zum ersten Mal in seinem Leben Gummihandschuhe an, massierte unter Tränen den bösen Fuß und hoffte, der Fuß würde nichts bemerken…

Flüchtlinge und die ganze erbärmliche Debatte

Thomas Fischer, Bundesrichter in Karlsruhe, hat einen wunderschönen Text in der Zeit über Flüchtlinge und die erbärmliche Debatte und die hirnlosen Vorschläge vieler Politiker  und anderer Menschen geschrieben.

Pointiert, bissig und sehr wütend. Unbedingt lesen.

Herrn Winkler plagte an diesem Abend ein bekannter Phantomschmerz: das sogenannte Tabu. Seine mehrfach wiederholte Schlussfolgerung: Es muss Schluss sein mit der Tabuisierung der Flüchtlingsfrage. […] Ganz schlecht ist es, so meint er, wenn etwas nicht ausgesprochen werden darf. Deshalb spricht er es gleich probeweise aus, ganz unverbindlich, nur für den Fall, dass irgendjemand meint, man dürfe diese Frage nicht stellen.

[…]

Wenn alle armen Menschen dieser Welt (so die Staatskanzlei Bayern) oder alle Kriegsflüchtlinge dieser Welt (so Prof. Winkler) gleichzeitig zu uns (gemeint: Deutschland in den Grenzen von 1990) kämen, könnte es eng werden. […] Lassen Sie uns überlegen: 360.000 Quadratkilometer für 82 Millionen angebliche Deutsche macht 4.300 m² pro deutschen Menschen (220 pro km²). Kämen nun, sagen wir mal 60 Millionen dazu (derzeit geschätzte Zahl der Kriegsflüchtlinge auf der Welt), blieben für jeden gerade einmal noch 2.600 m², die Dichte stiege auf 360 pro km² an.

[…]

Er schlug deshalb vor, Artikel 16a Absatz 1 des Grundgesetzes wie folgt neu zu fassen: “Politisch Verfolgten gewährt die Bundesrepublik Asyl nach Maßgabe ihrer Möglichkeiten”. […] “Nach Maßgabe der Möglichkeiten” – ein großes Wort eines maßgebenden deutschen Intellektuellen. […] Fragen wir mal so: Kennen Sie, Leserinnen und Leser, irgendeine Norm in diesem Universum, die nicht “nach Maßgabe der Möglichkeiten” gilt? […] Hinter dem großen Gedanken unseres fulminanten Historikers steckt ein klitzekleiner, aber ekliger Trick. Es ist die feine Drehung der Sprache von der Information hin zur Propaganda. Der Mensch lebt seit 200.000 Jahren “nach Maßgabe der Möglichkeiten”. Wenn das Wort “Möglichkeit” einen Sinn haben soll, kann es außerhalb der Logik nur als Verweis auf ungenannte Kriterien zur Beurteilung ungenannter Voraussetzungen verstanden werden. Die Formel “nach Maßgabe der Möglichkeiten” ist also, als verfassungsrechtliche Formel, die Verweisung entweder auf ein intellektuelles Nichts oder auf nichts als die politische Willkür. Und sonst wirklich nichts!

[…]

Die “Grenze der Kapazität” ist in aller Munde. Sie ist aber, so scheint mir, bislang nur die Grenze, bei deren Überschreiten sich an unserem eigenen Leben etwas ändern könnte. Das hat mit “Kapazität” nichts zu tun und auch nichts mit “Möglichkeit”, sondern mit der Definition von Selbst und Fremd, Innen und Außen.

[…]

Die “Belastbarkeit” Deutschlands (und zahlloser anderer Länder) ist um ein Vielfaches größer. “Wir” haben Hunderte von Milliarden Euro Staatsschulden aufgehäuft, um die Banken der Welt von Risiken freizustellen. Wir halten Länder an der Peripherie Europas seit vielen Jahren am Rande eines Chaos, das wir selbst keine drei Monate aushielten, damit wir Weltmeister weiterhin unsere subventionierten Produkte dorthin ausführen können und uns die Sirtaki-tanzenden faulen Griechen die Afrikaner vom Hals halten – notfalls halt ohne Menschenrechte. Wir exportieren die subventionierten Agrarprodukte aus der EU zu noch mal subventionierten Preisen nach Afrika: So lange, bis kein kenianischer Bauer mehr mithalten kann, auch wenn er bloß noch einen halben Dollar am Tag verdient.

Wir haben eine Billion Euro in die Integration von 17 Millionen Ost-Bürgern investiert, denen die ewigen Werte des Grundgesetzes bis heute ein wenig fremd geblieben sind und die sich mehrheitlich eine Mischung aus allumfassender Sozialfürsorge und totaler Freiheit von irgendeinem wünschen, der “da oben” dafür verantwortlich ist, dass das Heißwasser warm genug, das Bier billig und die Wohnung kostenlos ist.

[…]

Da werden wir es doch wohl schaffen, ein paar Millionen Hungerleider in deutschen Turnhallen durchzufüttern, bis ihnen und uns etwas Besseres einfällt.

Herr Winterkorn und seine Spießgesellen – auch dies muss jetzt einmal gesagt werden dürfen – haben in den letzten zwei Wochen knapp 50 Milliarden Euro vernichtet. Davon kann der deutsche Pegidianer bei 2.000 Euro voraussetzungslosem Grundeinkommen 500.000 Jahre lang leben.

(Quelle: Zeit, via Krautreporter)

Babymetal

2015-08-27_BabymetalEnde August waren Babymetal in Berlin, hatten wir erst kurz zuvor durch einen Artikel in der Deadline entdeckt.

Das sieht auf Youtube erst mal so schräg aus, dass wir einfach mal ausprobieren wollten, wie die Band live ist. Kann gut sein, kann schlecht sein, wir würden es sehen.

Das Konzert war im Huxley’s, das Wetter spielte so halb mit, es war warm mit etwas Regen, also mit dem Motorrad hin, erspart einem die lästige Parkplatzsuche. Wir hatten noch keine Karten, es gab noch welche, die aber häßlich generisch waren, daher kein Foto der Eintrittskarte.

Das Huxley’s war gut gefüllt, sehr angenehme Leute, kein Drängeln, keine Aggression, das war ja schon mal was.

Kurz nach acht ging es los, ohne Vorband, nur Babymetal. Erst kamen die Musiker, cool angezogen, und schrammelten los. Und wie. Laut, schnell, hart. So sollte das sein.

Dann kamen die Sängerinnen. Man kann es schlecht beschreiben, aber auf uns hat das einfach gut gewirkt: die brachiale Musik, der piepsige Gesang, die Choreographie, das macht einfach nur gute Laune.

Und es gab keine Pausen, langsame Lieder waren nur am Anfang langsam, dann ging es hart und schnell weiter. Ich habe das Grinsen das ganze Konzert über nicht aus dem Gesicht bekommen, so sollten Konzerte sein.

Interessant auch die Fans: die kannten die Band wohl schon, haben mitgesungen, rumgetanzt, gemoscht, alles dabei.

Fazit: jederzeit wieder. Fun-Metal vom Feinsten. Nur etwas kurz (1,5 h). Wahrscheinlich der Jugendschutz…

Hier noch zwei Videos, wenn man das Konzertgefühl halbwegs nachvollziehen will: Bässe voll aufdrehen und bei der Lautstärke nicht sparen.

Hier sogar eins von unserem Konzert (bisschen wacklig aber mit Band):

Nachtrag: Mad Max – Fury Road

Noch ein kurzer Nachtrag zum Film: was hat der eigentlich so richtig gemacht, gegenüber den vielen Meh-Filmen, die sonst so rumschwirren?

  • keine Erklärungen (endlich)
  • nicht alles musste gezeigt werden
  • keine Erklärungen
  • Mad Max ist nicht gut oder böse
  • keine Sexszene
  • keine kreischenden Frauen
  • Frauen mit Text (dass man das aufschreiben muss)
  • keine unnötige Nacktheit/Sexualität
  • irre Figuren (ohne Erklärung!)
  • Kriegstrommler und -gitarristen
  • die Kamera!
  • coole Andeutungen, die nicht näher betrachtet werden (die Figuren im Sumpf z.B.)
  • gute Schauspieler
  • der Soundtrack

Da fallen die Logiklöcher gar nicht so auf 😉

Wollen wir hoffen, dass die Nachfolgefilme das Niveau halten können und dass nicht versucht wird, noch einen draufzusetzen.

Kritik: Mad Max – Fury Road

2015-05-19_Mad-Max-Fury-RoadYepp, war genauso gut, wie alle sagen. Ein Endzeitfilm, wie er sein sollte: trostlos, einsilbig, Autos, Gewalt, wenig Kompromisse.

Erstaunlich, was George Miller aus Mad Max herausholt, bei der Vorgeschichte hätte da viel schiefgehen können, aber kein Erklärbär, kein “Begins”, kein unnötiges psychologisches Porträt – einfach eine direkt erzählte Geschichte ohne Schnörkel.

Einziger Makel: musste ihn in 3D sehen, ging aber. Einmal (ziemlich am Ende) wird 3D übertrieben, sonst ist das ok.

Fazit: reingehen, wenn man Endzeitfilme mag.

Leute, die sich über Behinderte lustig machen: Frank Pöpsel

Jeder kennt die Arschlöcher, die sich ernsthaft über Behinderte lustig machen. Heute habe ich wieder einen kennengelernt: Frank Pöpsel. Chefredakteur des FOKUS Money.

Seht selbst: Tweet von @GruenSprecher mit Bild

Wer es nicht lesen will: Dr. Toni Hofreiter, seines Zeichens neuer Franktionsvorsitzender der Grünen, will Menschen mit Lese- und Verständnisschwächen das Lesen seiner Homepage erleichtern, und bietet zusätzlich(!) die Informationen über sich in Einfacher Sprache an.

An sich eine nette Idee, nur nicht für Arschlöcher wie Frank Pöpsel. Der findet das schlimm. Wie kann man nur auf solche Menschen eingehen…

(via Mein Senf)

Update (6.1.14): jetzt will er das gar nicht so gemeint haben, schreibt DRadio Wissen:

Pöpsel hat inzwischen mit einem Kommentar auf Facebook auf die Vorwürfe reagiert, er habe weder Behinderte noch Menschen mit Leseschwäche diskriminieren wollen: “Es handelte sich um eine Glosse über das scheinbare Gutmenschentum der Grünen, mit dem ich mich auch an anderer Stelle schon kritisch auseinandergesetzt.”

Klar. Sobald jemand was sagt, war es natürlich nicht so gemeint. Wenn die Leute wenigstens ‘nen Arsch in der Hose hätten.