Comics: Kritzelkomplex

Ich lese gerne Comics im Netz, insbesondere kurze, so viel Spaß macht das am Rechner dann doch nicht. Und da sind wir mit vielen guten Zeichnern/Autoren gesegnet, heute:

Kritzelkomplex

Einfach sehr lustige Geschichten, sehr kurz, guter Humor. Und ein funktionierender RSS-Feed, so dass man nix verpasst. Neue Sachen jeden Tag!

Und scheint auch ein sehr netter Typ zu sein, zumindestens hat er mir sofort auf meine E-Mail geantwortet. Und alle Bilder sind “CC BY-NC-SA“-lizensiert. Kann man ja auch mal positiv erwähnen.

5 Einblicke:

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(Quelle: alle Bilder von w.schinski = kritzelkomplex)

#regrettingmotherhood. Wenn Mütter bereuen

In der Jüdischen Allgemeinen ist letzte Woche ein interessantes Interview mit der Soziologin Orna Donath über ihr Buch erschienen, das sich mit Müttern beschäftigt, die es bedauern, Mutter geworden zu sein.

Dabei werden auch Fragen aufgeworfen, inwiefern Frauen Mütter sein müssen, welche gesellschaftlichen Zwänge es gibt, ob und wie man sich daraus befreien kann. Leider wurde im Interview nicht sehr tief darauf eingegangen.

Ich fand es interessant und unaufgeregt, die angesprochene Diskussion “Bereits 2015 haben Sie die Ergebnisse Ihrer Studie veröffentlicht. In Israel blieb es relativ ruhig. In Deutschland hingegen haben Sie eine gesellschaftliche Debatte ausgelöst.” ist an mir vorbeigegangen, schade eigentlich. Andererseits, vielleicht auch nicht schade, wenn ich die Diskussionskultur zu kontroversen Themen sehe.

Warum geht die Gesellschaft davon aus, dass jede Frau Mutter sein möchte? […] ich halte es für logisch, dass es Frauen gibt, die Mütter werden wollen, und andere, die das nicht wollen. Wir sind verschieden. Nur weil wir alle Frauen sind und das gleiche Reproduktionssystem haben, heißt es nicht, dass wir dieselben Träume, Fantasien oder Ziele haben.
[…]
Viele haben mir erzählt, dass sie ihre Kinder lieben, als Menschen, als Persönlichkeiten. Sie bereuen nur die Mutterschaft, die Beziehung, die sie zu diesen Menschen haben. […] Sie wissen, dass es gesellschaftlich nicht akzeptiert ist, so zu fühlen.

(Quelle: Jüdische Allgemeine, via Mädchenmannschaft)

Saisoneröffnungseis

EisWir haben uns durch die Berlinale-Massen gekämpft, um die diesjährige Eissaison zu eröffnen.

Allen Berlin-Besuchern und Berlin-Insassen sei hiermit Caffè e Gelato am Potsdamer Platz wärmstens ans Herz gelegt. Es gibt kaum eine bessere Eisdiele in Berlin (und ich lehne mich aus dem Fenster:) oder in Deutschland. OK, in Florenz gab es besseres Eis, aber auch nicht in jeder Eisdiele.

Ehrlich Brothers

2015-11-09_EhrlichAm Montag war ich bei den Ehrlich Brothers, zwei deutschen Zauberern und es war gut.

Ich kannte die beiden nicht und bin durch Markus Kompa darauf aufmerksam geworden. Und wenn Markus was empfiehlt, dann schaut man sich das an.

Es war erstaunlich. Die beiden sind nett, unterhaltsam und nicht so schleimig, wie sich das bei vielen Zaubershows über die Jahre einschleift. Also keine halbnackten Assistentinnen, keine unironischen übergroßen Ansagen, einfach Illusionen (die auch als solche benannt werden). OK, es gab das eine oder andere Element, das in die Richtung ging (die Kraft der Liebe?), das haben sie aber meist ironisch gebrochen. Außer Mario Barth. Muss man halt mit leben.

Und, was ich äußerst angenehm und erstaunlich fand: ich wusste nicht, wie sie die meisten Tricks machten. Das mit dem Motorrad ist beeindruckend. Und der Rest auch.

OK, die Tickets sind teuer. Aber man bekommt etwas dafür geboten und, wie die beiden auch erzählen, es werden 30 Leute beschäftigt.

Fazit: uneingeschränkte Empfehlung.

Der Fuß

Peter war seit zehn Jahren Fußmasseur. Er war den harten Weg gegangen, hatte als Handmasseur begonnen, dann einige Köpfe massiert, Nacken und nach einer Weile sogar Rücken.

Aber Füße – das war etwas ganz Besonderes, etwas Heiliges. Er wollte sicher sein, dass er bereit war, bevor er seinen ersten Fuß massierte. Und er war bereit, das bezeugte jeder, der von ihm eine Fußmassage bekam. So sprach sich seine Fähigkeit herum und nach zehn Jahren konnte er von der Fußmassage gut leben. Er hatte eine feste Kundschaft und ab und an neue Kunden, so wie heute.

Vor ihm lag ein älterer Mann, vielleicht Mitte vierzig, Anfang fünfzig, unscheinbar, der zum ersten Mal bei ihm war. Peter war kein Mann der unnötigen Worte, sondern machte sich an die Massage, erst den linken, dann den rechten Fuß, wie er es seit zehn Jahren zu tun pflegte.

Nach fünfzehn Minuten war der linke Fuß massiert, er hatte einige Verhärtungen entdeckt, etwas mehr Hornhaut als nötig, aber insgesamt nichts ungewöhnliches. Also machte sich Peter an den rechten Fuß.

Als er ihn berührte durchzog ihn ein Schmerz, wie er ihn nie zuvor erlebt hatte. Er hatte helle Blitze vor den Augen, durchzogen von Visionen von Schmerz und Tod. Er zog sofort die Hand zurück, und ihm wurde klar: der Fuß war böse. Er sah genauso unscheinbar aus wie der linke Fuß, doch jetzt konnte Peter seine schwarze Aura fast sehen und fühlen.

Vom bösen Fuß hatte Peter schon gehört, abends bei Lehrgängen, diesen jedoch ins Reich der Fabeln verwiesen und nun lag ein solcher Fuß vor ihm. Was sollte er tun? Der Besitzer des Fußes hatte noch nicht auf seine Verwirrung reagiert, auch der Fuß schien noch nichts bemerkt zu haben.

Peter war kein Held. Er begann zu weinen, zog sich zum ersten Mal in seinem Leben Gummihandschuhe an, massierte unter Tränen den bösen Fuß und hoffte, der Fuß würde nichts bemerken…

Flüchtlinge und die ganze erbärmliche Debatte

Thomas Fischer, Bundesrichter in Karlsruhe, hat einen wunderschönen Text in der Zeit über Flüchtlinge und die erbärmliche Debatte und die hirnlosen Vorschläge vieler Politiker  und anderer Menschen geschrieben.

Pointiert, bissig und sehr wütend. Unbedingt lesen.

Herrn Winkler plagte an diesem Abend ein bekannter Phantomschmerz: das sogenannte Tabu. Seine mehrfach wiederholte Schlussfolgerung: Es muss Schluss sein mit der Tabuisierung der Flüchtlingsfrage. […] Ganz schlecht ist es, so meint er, wenn etwas nicht ausgesprochen werden darf. Deshalb spricht er es gleich probeweise aus, ganz unverbindlich, nur für den Fall, dass irgendjemand meint, man dürfe diese Frage nicht stellen.

[…]

Wenn alle armen Menschen dieser Welt (so die Staatskanzlei Bayern) oder alle Kriegsflüchtlinge dieser Welt (so Prof. Winkler) gleichzeitig zu uns (gemeint: Deutschland in den Grenzen von 1990) kämen, könnte es eng werden. […] Lassen Sie uns überlegen: 360.000 Quadratkilometer für 82 Millionen angebliche Deutsche macht 4.300 m² pro deutschen Menschen (220 pro km²). Kämen nun, sagen wir mal 60 Millionen dazu (derzeit geschätzte Zahl der Kriegsflüchtlinge auf der Welt), blieben für jeden gerade einmal noch 2.600 m², die Dichte stiege auf 360 pro km² an.

[…]

Er schlug deshalb vor, Artikel 16a Absatz 1 des Grundgesetzes wie folgt neu zu fassen: “Politisch Verfolgten gewährt die Bundesrepublik Asyl nach Maßgabe ihrer Möglichkeiten”. […] “Nach Maßgabe der Möglichkeiten” – ein großes Wort eines maßgebenden deutschen Intellektuellen. […] Fragen wir mal so: Kennen Sie, Leserinnen und Leser, irgendeine Norm in diesem Universum, die nicht “nach Maßgabe der Möglichkeiten” gilt? […] Hinter dem großen Gedanken unseres fulminanten Historikers steckt ein klitzekleiner, aber ekliger Trick. Es ist die feine Drehung der Sprache von der Information hin zur Propaganda. Der Mensch lebt seit 200.000 Jahren “nach Maßgabe der Möglichkeiten”. Wenn das Wort “Möglichkeit” einen Sinn haben soll, kann es außerhalb der Logik nur als Verweis auf ungenannte Kriterien zur Beurteilung ungenannter Voraussetzungen verstanden werden. Die Formel “nach Maßgabe der Möglichkeiten” ist also, als verfassungsrechtliche Formel, die Verweisung entweder auf ein intellektuelles Nichts oder auf nichts als die politische Willkür. Und sonst wirklich nichts!

[…]

Die “Grenze der Kapazität” ist in aller Munde. Sie ist aber, so scheint mir, bislang nur die Grenze, bei deren Überschreiten sich an unserem eigenen Leben etwas ändern könnte. Das hat mit “Kapazität” nichts zu tun und auch nichts mit “Möglichkeit”, sondern mit der Definition von Selbst und Fremd, Innen und Außen.

[…]

Die “Belastbarkeit” Deutschlands (und zahlloser anderer Länder) ist um ein Vielfaches größer. “Wir” haben Hunderte von Milliarden Euro Staatsschulden aufgehäuft, um die Banken der Welt von Risiken freizustellen. Wir halten Länder an der Peripherie Europas seit vielen Jahren am Rande eines Chaos, das wir selbst keine drei Monate aushielten, damit wir Weltmeister weiterhin unsere subventionierten Produkte dorthin ausführen können und uns die Sirtaki-tanzenden faulen Griechen die Afrikaner vom Hals halten – notfalls halt ohne Menschenrechte. Wir exportieren die subventionierten Agrarprodukte aus der EU zu noch mal subventionierten Preisen nach Afrika: So lange, bis kein kenianischer Bauer mehr mithalten kann, auch wenn er bloß noch einen halben Dollar am Tag verdient.

Wir haben eine Billion Euro in die Integration von 17 Millionen Ost-Bürgern investiert, denen die ewigen Werte des Grundgesetzes bis heute ein wenig fremd geblieben sind und die sich mehrheitlich eine Mischung aus allumfassender Sozialfürsorge und totaler Freiheit von irgendeinem wünschen, der “da oben” dafür verantwortlich ist, dass das Heißwasser warm genug, das Bier billig und die Wohnung kostenlos ist.

[…]

Da werden wir es doch wohl schaffen, ein paar Millionen Hungerleider in deutschen Turnhallen durchzufüttern, bis ihnen und uns etwas Besseres einfällt.

Herr Winterkorn und seine Spießgesellen – auch dies muss jetzt einmal gesagt werden dürfen – haben in den letzten zwei Wochen knapp 50 Milliarden Euro vernichtet. Davon kann der deutsche Pegidianer bei 2.000 Euro voraussetzungslosem Grundeinkommen 500.000 Jahre lang leben.

(Quelle: Zeit, via Krautreporter)

Babymetal

2015-08-27_BabymetalEnde August waren Babymetal in Berlin, hatten wir erst kurz zuvor durch einen Artikel in der Deadline entdeckt.

Das sieht auf Youtube erst mal so schräg aus, dass wir einfach mal ausprobieren wollten, wie die Band live ist. Kann gut sein, kann schlecht sein, wir würden es sehen.

Das Konzert war im Huxley’s, das Wetter spielte so halb mit, es war warm mit etwas Regen, also mit dem Motorrad hin, erspart einem die lästige Parkplatzsuche. Wir hatten noch keine Karten, es gab noch welche, die aber häßlich generisch waren, daher kein Foto der Eintrittskarte.

Das Huxley’s war gut gefüllt, sehr angenehme Leute, kein Drängeln, keine Aggression, das war ja schon mal was.

Kurz nach acht ging es los, ohne Vorband, nur Babymetal. Erst kamen die Musiker, cool angezogen, und schrammelten los. Und wie. Laut, schnell, hart. So sollte das sein.

Dann kamen die Sängerinnen. Man kann es schlecht beschreiben, aber auf uns hat das einfach gut gewirkt: die brachiale Musik, der piepsige Gesang, die Choreographie, das macht einfach nur gute Laune.

Und es gab keine Pausen, langsame Lieder waren nur am Anfang langsam, dann ging es hart und schnell weiter. Ich habe das Grinsen das ganze Konzert über nicht aus dem Gesicht bekommen, so sollten Konzerte sein.

Interessant auch die Fans: die kannten die Band wohl schon, haben mitgesungen, rumgetanzt, gemoscht, alles dabei.

Fazit: jederzeit wieder. Fun-Metal vom Feinsten. Nur etwas kurz (1,5 h). Wahrscheinlich der Jugendschutz…

Hier noch zwei Videos, wenn man das Konzertgefühl halbwegs nachvollziehen will: Bässe voll aufdrehen und bei der Lautstärke nicht sparen.

Hier sogar eins von unserem Konzert (bisschen wacklig aber mit Band):

Nachtrag: Mad Max – Fury Road

Noch ein kurzer Nachtrag zum Film: was hat der eigentlich so richtig gemacht, gegenüber den vielen Meh-Filmen, die sonst so rumschwirren?

  • keine Erklärungen (endlich)
  • nicht alles musste gezeigt werden
  • keine Erklärungen
  • Mad Max ist nicht gut oder böse
  • keine Sexszene
  • keine kreischenden Frauen
  • Frauen mit Text (dass man das aufschreiben muss)
  • keine unnötige Nacktheit/Sexualität
  • irre Figuren (ohne Erklärung!)
  • Kriegstrommler und -gitarristen
  • die Kamera!
  • coole Andeutungen, die nicht näher betrachtet werden (die Figuren im Sumpf z.B.)
  • gute Schauspieler
  • der Soundtrack

Da fallen die Logiklöcher gar nicht so auf 😉

Wollen wir hoffen, dass die Nachfolgefilme das Niveau halten können und dass nicht versucht wird, noch einen draufzusetzen.