Buchbranche

Buchbranche, insbesondere Ihr Verleger – wir müssen reden.

Gerade war die Frankfurter Buchmesse, auf der laut Euren Aussagen insbesondere die elektronischen Bücher vorgestellt werden sollen – stimmt nicht. Hauptplatz gehört den “richtigen” Büchern aus bedrucktem Holz und das finde ich gar nicht so schlecht. Ich lese gerne in einem Buch, das ich mit ins Bett nehme oder ins Bad, da finde ich Elektronik doch noch unpassend. Außerdem ist es haptisch schön, sich in einem Buch von vorn nach hinten durchzuarbeiten.

Was ich schlecht finde, das ist Eure Einstellung gegenüber Büchern im Allgemeinen, darunter auch digitalen Büchern und damit gegenüber mir, der ich Eure Bücher kaufen soll.

Ich vermutete früher, Euer Geschäftsmodell basiert darauf, dass ich Eure Bücher kaufe. Derzeit glaube ich das nicht mehr.

Ich lese sehr gern und sehr gerne das, was allgemein als “Schundliteratur” bezeichnet wird: King, Koontz, Lukanienko, Cook, die Warhammer-Reihe, die Star-Wars-Reihe, Harry Potter etc. Ich denke, Ihr wisst, was ich meine. Damit ist man von vornherein gebrandmarkt: als dumm. Entsprechend werden die Bücher behandelt: schlechte Übersetzer, viele Fehler, schlechte Buchqualität. Das habe ich gelernt, hinzunehmen, vor allem in den schlimmen Neunzigern des letzten Jahrhunderts.

Dort wurde die Qualität meiner Bücher schleichend innerhalb von ca. zwei Jahren grottenschlecht: kaum eine Seite ohne Druckfehler, willkürliche Übersetzungen, Inkonsistenzen innerhalb von Buchserien etc. Begründet wurde das durch die exorbitanten Kosten, die richtige Übersetzer und Lektoren kosten würden. Gleichzeitig wurde die Bücher teurer, Grund waren offiziell die gestiegenen Kosten von Druck, Papier etc. Also gestiegene Produktionskosten nichtmenschlicher Natur (merken, brauch wir später noch, den Fakt). Das brachte mich und einige Freunde dazu, mehr Bücher auszutauschen, da die Anschaffung für den Preis zu hoch war – bis dato hatten wir von guten Büchern jeder ein Exemplar gekauft.

Dann kam die Zeit der originalsprachigen Bücher, die ich aus sprachenlerntechnischen Gründen kaufte. Erst eins, dann zwei, dann viele. Und ich merkte, dass ich mit den Übersetzungen von den Verlagen sehr oft im Stich gelassen wurde. Klar, Hemingway, Shakespeare oder Tolkien werden gut übersetzt. Aber King, Koontz, Brown, Rowling eben nicht. Und das sind die Bücher, die ich bevorzugt lese.

Nur kurz anschneiden möchte ich das leidige Thema Comics/Graphic Novels: ganz traurig in Deutschland. Ist halt Kinderkacke und wird genauso behandelt.

Fazit bisher: den Verlagen war es eine lange Zeit von Mitte der Neunziger bis Mitte der Nuller Jahre recht egal, ob sie Qualität ablieferten, denn die Leute kauften Bücher ja sowieso.

Das fing an, sich zu ändern, als Amazon und Co. auf den Markt kamen. Denn auf einmal standen dem normalen Leser ganz neue Buchwelten offen. Nicht nur, dass man englischsprachige Bücher direkt bestellen konnte, auch die Welt der Comics, Graphic Novels, Mangas etc. wurde plötzlich sichtbar. Und, was nicht zu vergessen ist: mit dem Internet konnte man endlich einmal über seine Leseleidenschaft sprechen, sich mit anderen austauschen, ohne sofort ein Naserümpfen zu ernten. Es gab Gleichgesinnte da draußen.

Mit der massiven Verbreitung des Internet und Verbesserung der Elektronik kamen viele neue technische Errungenschaften auf den Markt: Print-On-Demand; Bücher im Netz zum Lesen, Selbstausdrucken, mitschreiben; elektronische Bücher; Buchscans von Google und vieles andere mehr. Statt nun aber mit Neugierde zu reagieren und die neuen Möglichkeiten auszuloten, mitzugestalten oder wenigstens zu nutzen, beging die Buchwelt den gleichen Fehler wie die Musik- und Filmindustrie: Verteufelung des Neuen.

Und jetzt sind wir beim Thema, das ich eigentlich ansprechen wollte: elektronische Bücher. Und die Vision der Buchindustrie dazu.

Kurz mal meine Gedanken zu elektronischen Büchern: ich finde sie unglaublich praktisch. Text auf einem Rechner zu halten, dort zu kommentieren und immer auf dem aktuellen Stand zu haben ist gut. Wie eingangs erwähnt, würde ich meine Schmöker nicht elektronisch kaufen. Aber bei Sachbüchern sieht das schon ganz anders aus: dort brauche ich Notizen, um Druckfehler auszugleichen oder Gedanken zu sammeln. Ich brauche die Möglichkeit, einen Text zu durchsuchen, wie oft blättere ich durch ein Sachbuch, um eine bestimmte Stelle zu finden, zu der ich nur ein Schlagwort kenne. Außerdem nervt es mich, mit veralteten Büchern zu arbeiten, will aber nicht so gerne Bücher wegschmeißen, außerdem muss ich jedesmal den vollen Preis für ein Update löhnen, bei dem ein paar Kapitel marginal geändert wurden.

Was erwarte ich also: die Möglichkeit, ein Buch elektronisch zu kaufen. Ich möchte das Buch auf meinen Rechnern halten, schön synchronisiert mit Notizen und allem Brimborioum (ja, ich besitze mehrere Rechner, evtl. in Zukuft ein Smartphone oder was auch immer). Ich möchte Updates zu dem Buch haben, wenn es sie gibt. Ich bin bereit, Fehler zu melden und zu korrigieren, damit die nächste Version des Buches besser wird. Dafür erwarte ich einen angemessenen Preis für das Buch, der deutlich unter dem Papierpreis liegt, sowie preiswerte Updates und kostenlose fehlerkorrigierte Versionen.

Das mit dem Preis erwarte ich übrigens, da die Druckkosten für Bücher so exorbitant hoch sind dass sie in den Neunzigern eine deutliche Preiserhöhung rechtfertigten, wie ich oben erwähnte.

Was waren aber die ersten und einzigen Überlegungen, die Ihr angestellt habt? Das Buch darf nicht kopiert werden. Wir wollen die Kontrolle über den Vertriebsweg haben. Wir wollen ein Buch löschen können, auch auf dem Gerät des Kunden. Und die Bücher dürfen nicht billiger werden als ihre Papierpendants.

Mit einigem Nachdenken sollten bestimmt auch Regionalcodes eingesetzt werden, damit ich nicht direkt Bücher aus dem nichteuropäischen Ausland kaufen kann – die Filmindustrie lässt grüßen. Kann ja noch kommen.

An mich als Kunden wurde da nicht einmal gedacht. Das heißt, so ganz stimmt das nicht – ich wurde als Störenfried identifiziert, dessen einziges Sinnen ist, Bücher zu kopieren und so oft wie möglich zu vervielfältigen.

Im Ergebnis sind elektronische Bücher unbenutzbar. Man kann sie zwar kaufen, weiß aber nicht, ob sie nicht später gelöscht werden. Außerdem können sie nur mit einem(!) Gerät genutzt werden und meist auch nur mit einem bestimmten(!) Gerät eines Herstellers. Ein neues Gerät oder ein Update des Rechners können einen Neukauf zur Folge haben. Mehrere Kopien auf mehreren Rechnern sind strikt verboten. Die Preise der Bücher sind exorbitant, Updates oder Preisnachlässe auf Folgeversionen sind nicht vorgesehen.

Nun frage ich Euch, liebe Buchindustrie: warum soll ich mir das antun?

Klar, das ist Euch egal. Noch. Bis Amazon oder Google oder wer auch immer mit einem ordentlichen Angebot kommt, das ich auch nutzen kann. Bis jemand an den Kunden denkt. Und dann geht Euch der Arsch auf Grundeis, wie der Musikindustrie derzeit oder den Zeitungsverlagen. Dann kommt Ihr gejammert und wollt staatliche Hilfe und was nicht alles, damit Euer Geschäft nicht zugrunde geht. Aber selbst mal ein Geschäft zu machen, das fällt Euch nicht ein.

So viel zu elektronischen Büchern, aber Ihr habt ja noch die Holzbücher. Alles in Ordnung. Wenn Ihr da wenigstens mal Qualität abliefern würdet. Aber auch da sind Euch Eure Kunden scheißegal.

Beispiel: die Warhammer-Reihe, Sammelstück für viele Fans. Mit dem schönen Warhammer-Logo auf dem Rücken, gut zu sammeln. Und was fällt Euch da ein? Mitten in der Reihe ändert Ihr die Größe der Bücher und lasst das Logo auf dem Buchrücken weg. Brilliant. Das wird viele Fans animieren, weiter die Bücher zu kaufen, statt sie vom Freund zu leihen. Und wenn wir schon dabei sind: die Übersetzer sind nicht besser geworden in den letzten zwanzig Jahren.

Anderes Beispiel: die Harry-Potter-Romane. Diese sind ein Paradebeispiel für schlechte Übersetzung. Und für verfälschende Übersetzung. Und für Inkonsistenzen innerhalb einer Buchreihe.

Letztes Beispiel: Buchtitel. Klar, der Autor hat sich sicher nichts dabei gedacht, als er sein Buch “The Da Vinci Code” nannte. “Sakrileg” ist da viel besser. Oder “Dinopark” ist viel besser als “Jurassic Park”. Oder, oder, oder.

Von Comics wollen wir gar nicht erst anfangen: teuer ohne Ende, schlecht übersetzt, kaum im Buchhandel zu finden, Kinderkram halt.

Ein letzter Gedanke: habt Ihr schon mal darüber nachgedacht, eine interessante Buchsendung ins Fernsehen zu bringen? Klar, ich schaue Druckfrisch, da sind aber selten Bücher für mich dabei und es werden sehr wenig Bücher vorgestellt. Ich möchte einfach pro Woche eine halbe Stunde Buch: neue Bücher, alte Bücher, mit Anspruch, ohne Anspruch, für Erwachsene, Kinder, Männer, Frauen, etc.

Tja, das war’s auch schon, ich wollte nur mal all das sagen, was ich schon immer mal zu Büchern sagen wollte. Bestimmt habe ich noch was vergessen, aber wenn ich das Gejammere bei Messen immer höre, wie schlecht alles ist, könnte ich kotzen. Weil Ihr nicht auf den Kunden schaut, nicht versucht, ihn zu erfreuen und was für sein Geld zu bieten, sondern Euch auf Euren vertrockneten Lorbeeren ausruht und denkt, Ihr hättet die Weisheit mit Löffeln gefressen. Habt Ihr nicht. Ihr vergrault Eure Kunden. Langfristig.

3 thoughts on “Buchbranche”

  1. Ich stimme insbesondere bei e-Books auch völlig zu. Hauptsache den Leser beschränken und am Besten Buchpreisbindung auch hier einführen. Totale Gängelung.
    Einige Verlage im englischsprachigen Raum haben da aber spannende Konzepte entwickelt mit Abomöglichkeiten und so weiter (Baen zB, allerdings eher SF und Fantasy).

    Bei gedruckten Büchern ist im Übrigen auch die gesamte SF-Sparte extrem schlecht gemacht, mit Schreibfehlern, lieblosen Übersetzungen und schlechter Bindung. Kaum zwei Leute in einem Haushalt schaffen es so, ein Buch vor dem Zerfleddern zu lesen. Und wir gehen sorgsam mit Büchern um!
    Entsprechend bin ich auch dazu übergegangen, nur noch Originalversionen (bei englischen Büchern) zu lesen und kann plötzlich auch wieder Freude empfinden 😉

    Naja, vielleicht bemerken die Verlage es doch noch und zeigen damit mehr Intelligenz als die Musikindustrie… 😀

  2. @petronella man hofft es, aber da sitzen keine Leute mehr, die einen Verlag deswegen betrieben, um Bücher zu verkaufen. Dort sitzen nur noch Leute, die Geld machen wollen. Ähnlich wie bei Zeitungsverlagen ist das halt der falsche Ansatz.

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