Kategorie-Archiv: Kultur

Nachtrag: Mad Max – Fury Road

Noch ein kurzer Nachtrag zum Film: was hat der eigentlich so richtig gemacht, gegenüber den vielen Meh-Filmen, die sonst so rumschwirren?

  • keine Erklärungen (endlich)
  • nicht alles musste gezeigt werden
  • keine Erklärungen
  • Mad Max ist nicht gut oder böse
  • keine Sexszene
  • keine kreischenden Frauen
  • Frauen mit Text (dass man das aufschreiben muss)
  • keine unnötige Nacktheit/Sexualität
  • irre Figuren (ohne Erklärung!)
  • Kriegstrommler und -gitarristen
  • die Kamera!
  • coole Andeutungen, die nicht näher betrachtet werden (die Figuren im Sumpf z.B.)
  • gute Schauspieler
  • der Soundtrack

Da fallen die Logiklöcher gar nicht so auf ;)

Wollen wir hoffen, dass die Nachfolgefilme das Niveau halten können und dass nicht versucht wird, noch einen draufzusetzen.

Kritik: Mad Max – Fury Road

2015-05-19_Mad-Max-Fury-RoadYepp, war genauso gut, wie alle sagen. Ein Endzeitfilm, wie er sein sollte: trostlos, einsilbig, Autos, Gewalt, wenig Kompromisse.

Erstaunlich, was George Miller aus Mad Max herausholt, bei der Vorgeschichte hätte da viel schiefgehen können, aber kein Erklärbär, kein “Begins”, kein unnötiges psychologisches Porträt – einfach eine direkt erzählte Geschichte ohne Schnörkel.

Einziger Makel: musste ihn in 3D sehen, ging aber. Einmal (ziemlich am Ende) wird 3D übertrieben, sonst ist das ok.

Fazit: reingehen, wenn man Endzeitfilme mag.

Leute, die sich über Behinderte lustig machen: Frank Pöpsel

Jeder kennt die Arschlöcher, die sich ernsthaft über Behinderte lustig machen. Heute habe ich wieder einen kennengelernt: Frank Pöpsel. Chefredakteur des FOKUS Money.

Seht selbst: Tweet von @GruenSprecher mit Bild

Wer es nicht lesen will: Dr. Toni Hofreiter, seines Zeichens neuer Franktionsvorsitzender der Grünen, will Menschen mit Lese- und Verständnisschwächen das Lesen seiner Homepage erleichtern, und bietet zusätzlich(!) die Informationen über sich in Einfacher Sprache an.

An sich eine nette Idee, nur nicht für Arschlöcher wie Frank Pöpsel. Der findet das schlimm. Wie kann man nur auf solche Menschen eingehen…

(via Mein Senf)

Update (6.1.14): jetzt will er das gar nicht so gemeint haben, schreibt DRadio Wissen:

Pöpsel hat inzwischen mit einem Kommentar auf Facebook auf die Vorwürfe reagiert, er habe weder Behinderte noch Menschen mit Leseschwäche diskriminieren wollen: “Es handelte sich um eine Glosse über das scheinbare Gutmenschentum der Grünen, mit dem ich mich auch an anderer Stelle schon kritisch auseinandergesetzt.”

Klar. Sobald jemand was sagt, war es natürlich nicht so gemeint. Wenn die Leute wenigstens ‘nen Arsch in der Hose hätten.

Eisteerezept

Für alle die, die nicht gerade im Regen in Moskau sind, sondern z. B. in der Sonne Berlins, ein Rezept für einen schnellen, alkoholfreien sehr gut schmeckenden Eistee:

Jeweils die gleiche Menge Schwarztee (3 Minuten ziehen lassen, abkühlen lassen) und Ginger Ale (aus dem Kühlschrank) mischen (z. B. je 1 Liter). Dazu ein Schwapps Limettensaft (soviel, bis es gut schmeckt). Das war’s. Bei Bedarf weiter kühlen oder Eiswürfel rein etc.

Nicht zu lange aufheben, da sonst die Kohlensäure raus ist, dann schmeckt es etwas schal.

Rassismus und Denis Scheck

Diese ganze Debatte um die “Reinigung” von Büchern um rassistische Worte ist ja schon bizarr genug.

Da nimmt ein Kinderbuchverlag(!) aus seinen Kinderbüchern(!) rassistische Worte heraus und jetzt steht der Fall des Abendlandes bevor? Hängt das Glück und die Freiheit alter weißer Männer der Feuilletons wirklich daran, ob in einem Kinderbuch(!) das N-Wort steht?

Und falls ja: wäre das die Vorstufe zur Zensur? Immerhin handelt es sich um eine Aktion des Verlags, der Staat hat nichts (in Zahlen: 0) damit zu tun. Er hat den Verlag nicht direkt oder indirekt dazu gezwungen. Im Gegensatz zu z.B. Filmen und Computerspielen, bei denen ein indirekter Zwang durch den Jugendschutz vorliegt, gibt es so etwas im Buchbereich nicht. Das heißt: nein, in dem Fall ist das keine Zensur.

Und dass sich Menschen im Feuilleton und im Fernsehen lang und breit dazu äußern dürfen, ist ja wohl Beweis genug, dass das auch möglich ist. Es ist nur nicht gebildet, klug, einleuchtend, nachvollziehbar oder was auch immer.

Und ja: ich hoffe, dass Denis Scheck für seine Blackface-Aktion wenigstens einen Rüffel von der ARD bekommt, besser wäre wohl eine längere Auszeit seiner Sendung, sofern er sich nicht vernünftig und sauber damit auseinandersetzt.

Apropos Denis Scheck: er ist in den gleichen Denkfehler gelaufen, wie schon Dieter Hallervorden: “Nur, weil ich kein Rassist bin, kann ich nichts Rassistisches machen.” Schön wär’s. Aber zu so einem Thema in Blackface herumzustehen, schön mit weißen Handschuhen an: dazu fällt mir wenig ein. Dann ist auch der Inhalt seiner Worte egal, die höre ich nicht, wenn schon das Äußere durch und durch rassistisch ist. Dann schalte ich ab oder spule darüber hinweg.

Die Entschuldigung wird wohl (wie bei Hallervorden) zusammengefasst lauten: ich habe das anders gemeint, achtet auf die Worte, haben wir schon immer so gemacht.

Noch mal ganz deutlich: das N-Wort ist rassistisch. Man kann es nicht neutral verwenden. Wenn das früher getan wurde, war es auch schon nicht neutral, jedoch wurde damals leider nicht darauf geachtet. Jetzt sind wir weiter. Die Sprache noch nicht, das N-Wort ist ein Schimpfwort. Also sollten wir es nicht gebrauchen. Eigentlich einfach.

Eine Frage: “Aber wie soll ich dann meinen farbigen Mitarbeiter nennen?” Ja, hat der Kerl denn keinen Namen? Ruft Ihr alle anderen “He, Weißer?” Mann.

Die Frage, ob Bücher von veralteten bzw. rassistischen/beleidigenden Worten “gereinigt” werden sollten ist damit noch nicht beantwortet. Hier ist meine Meinung: in Kinderbüchern: auf jeden Fall. Ein Kind lernt. Wenn es früh lernt, dass ein farbige Menschen Namen haben und nicht aufgrund ihrer Hautfarbe zu bezeichnen sind: um so besser. Gemein, bösartig und beleidigend können sie schon noch früh genug werden, Bücher, also Bildung, sollte dazu nicht beitragen. In Erwachsenenbüchern kommt es darauf an. Karl May kann man vom Bild des primitiven Scharzen nicht befreien, Mark Twain sollte man nicht. Aber das sind halt Bücher für Erwachsene. Ganz andere Baustelle.

Aber es wird laufen, wie es Sula so treffend wie traurig resignierend beschrieben hat:

Ich schlage vor, wir beenden die Debatte. Machen wir weiter wie bisher: Ihr lest euren Kindern rassistische Bücher vor, und wir kaufen die Bücher nicht. Wir schauen eure Filme nicht, zeigen sie nicht unseren Kindern und erkundigen uns, bevor sie mit ihrer Schulklasse ins Theater gehen ganz genau, um was es geht, um uns dann noch immer nicht sicher zu sein, dass sie nicht an diesem Nachmittag traumatisiert nach Hause kommen. Wir drehen uns schweigend um, wenn ihr wieder einmal einen rassistischen Witz reißt und denken uns unseren Teil, wohl wissend, dass wir in eurer nächsten Konfrontation mit jemandem, der/die es noch nicht müde ist, zu versuchen mit euch über Rassismus zu reden, als die eine Schwarze Person herhalten müssen, die Eure rassistischen Äußerungen “gar nicht schlimm findet”, was dann die Legitimität der individuellen Perspektiven aller anderen Schwarzen Menschen auf der Welt auslöscht.

Alle paar Jahrzehnte macht jemand aus eurer Mitte einen winzigen Vorstoß und eliminiert, sagen wir, einen rassistischen Begriff aus einem eurer liebsten Kinderbücher. Nur ein Wort. Die kolonialen Allmachtsfantasien dürfen bleiben und ganz sicher stellen, dass eure Kinder zu genauso guten, weißen Deutschen heranwachsen können, wie ihr es seid. Ein bisschen epistemische Gewalt braucht die deutsche Volksseele halt. Und dann könnt ihr wieder ein paar Wochen so tun, als wäre das Anliegen, als Schwarze Person nicht in den eigenen Kinderbüchern, in Filmen, im Theater, in der Presse, auf dem Schulhof und in Schulbüchern oder im Unterricht mit rassistischen Beleidigungen konfrontiert zu werden jetzt ja “ganz neu”, weil ihr ja immer alles nicht lest, was wir schreiben, aus Prinzip sozusagen. Und deshalb könnt ihr auch dann wieder behaupten, dass das N-Wort vor 30 Jahren ganz harmlos und überhaupt nicht bös gemeint war. Und ganz fest daran glauben, dass ihr das nicht denkt, weil vor 30 Jahren in Deutschland rassistische Gewalt eben so normal war, wie ihr sie heute immer noch findet.

Was an dem Text so schlimm ist? Dass es ein “wir” und ein “ihr” gibt. Und dass sich nicht darum gekümmert wird, sondern um die Wichtigkeit des N-Worts für die deutsche Sprache.

Wer mich dabei bisher am meisten enttäuscht hat, ist Denis Scheck. Dem hätte ich mehr zugetraut.

(Quelle: Mädchenmannschaft)

Schulessenfotos

Jetzt will ich auch mit-Streisanden: Das NeverSeconds-Blog darf keine Fotos mehr posten.

Die kleine neunjährige Veg hat das Schulessen ihrer Schule fotografiert und in einem Blog kommentiert. Damit hat sie a) Aufmerksamkeit erregt und b) das Schulessen verbessert.

Das Ganze mit Unterstützung ihrer Schule. Da hat jeder was von: die Schüler mit gutem Essen, Zeitung und Fernsehen mit einer guten Geschichte und die Allgemeinheit, denn Veg sammelt über das Blog Spenden für gute Zwecke.

Wer könnte da was dagegen haben? Richtig: der Argyll and Bute Council, in dem Vegs Schule liegt. Die haben ihr letzten Donnerstag verboten, weiterhin Fotos zu machen und zu besprechen. Da bleibt einem nur Kopfschütteln ob der Angst gestandener Ratsmänner und -frauen ob der Bedrohung ihrer Gemeinde durch Fotos von schlechtem Essen, die was verbessert haben.

Bleibt zu hoffen, dass der Shitstorm, den sie jetzt haben, ein Einlenken bewirkt. Aber wäre das nötig gewesen? Hätte man Veg nicht lieber auszeichnen sollen?

(direkt NeverSeconds, via Astrodictum Simplex)