zu diesem Heveling fällt mir nur ein: genau solche Kleingeister regieren derzeit unser Land.
Deutschland drohen -20°C
so überschreibt die Süddeutsche einen Artikel.
Was ist da jetzt die Drohung? Und wer droht? Und warum sind Minusgrade im Winter bedrohlich?
Wie wäre es mit Kirche-im-Dorf-lassen?
Trotz klaren Wetters
wollte mich heute früh eine BMW-Fahrerin in geparkte Autos abdrängen. Natürlich wieder in der Rechtskurve am Weidenweg.
Das ist so eine Kurve, die AutofahrerInnen magisch zum Überholen und Schneiden zwingt.
Immerhin fand das nachfolgende Auto das auch nicht ganz i.O. (wahrscheinlich nur meine Reaktion darauf), denn er/sie brach einen idiotischen Überholvorgang ab, stellte sich mitten auf die Straße und fuhr mir dann hinterher. Erstaunlicherweise, ohne schneller zu sein, als hätte er/sie überholt. Sachen gibt es…
Apropos: aus den Pressemitteilungen vom 24.1.12:
Gegen 17 Uhr 45 bog eine 23-Jährige mit ihrem „Golf“ von der Bornstraße in Friedenau nach links in die Hackerstraße ab. Sie gab an, dass plötzlich ein Junge mit seinem Fahrrad vor ihrem Auto aufgetaucht sei und sie zwar noch bremste, einen Zusammenstoß jedoch nicht mehr verhindern konnte. Der Elfjährige stürzte und zog sich Verletzungen an Armen und Beinen zu.
Diese Elfjährigen aber auch, die sich mitten auf der Straße beim Abbiegen manifestieren.
Volltrottel in Verkehr und Literatur
OK, der Verkehr heute war eigentlich ganz ok, früh sogar ein Kastenwagen, der die gesamte Leipziger Straße hinter mir blieb, ohne zu drängeln. Sehr schön.
Dafür auf der Rückfahrt eine Rechtsabbiegerin, die einfach nicht halten wollte. Mich ließ sie noch zähneknirschend vorbei (ohne stehenzubleiben), die Radfahrerin hinter mir musste dann vollbremsen.
John Asht – der “Autor”
Apropos Volltrottel: der mir bis dato unbekannte Autor John Asht macht sich gerade selbst zu einem solchen. Eine an sich lustige Geschichte, die man nicht glauben mag:
Ausgangslage: Myriel schreibt in ihrem Blog Bücherzeit eine Rezension von Twin-Pryx Zwillingsbrut von eben jenem John Asht. Offensichtlich war das Buch nicht ihres, denn nach 90 Seiten bricht sie ab und beschreibt nachvollziehbar, dass das Buch von ihr keine Empfehlung bekommt.
Tja, so läuft das halt manchmal, da gefällt das Buch halt nicht.
Nicht mit John Asht (was auch immer das für ein Pseudonym sein mag, ich will es gar nicht wissen). Denn der weiß, was Sache ist und kommentiert, sagen wir, etwas ungehalten, dass sich Myriel erdreistet a) das Buch nicht zu mögen und b) das auch noch zu sagen. Und das, obwohl sie gar nicht das ganze Buch gelesen hat! Also will er sie verklagen!
Oder in seinen Worten:
Na ja, von einer 23-jährigen Fantasy-Leserin, die mit gehobener Literatur überhaupt nichts anfangen kann, erwarte ich auch nicht mehr als eine solch’ unqualifizierte Pseudo-Rezi.
Mädel, schreib’s dir hinter die Ohren: Phantastische Literatur ist nicht „Fantasy“.
Also, tu uns allen einen Gefallen und bleib bei deinen Zwergen und Elfen – für mehr reichts nicht!
OK, reicht noch nicht:
… außerdem werde ich „Myriel“ und „Bücherzeit“ von meinem Rechtsanwalt gerichtlich ahnden lassen – denn mir sieht diese Einrichtung sehr suspekt aus – etwa so, wie von gewissen Leuten bezahlt, um einem Autor zu vernichten. Das wird teuer, Lady!
Der Roder-Verlag
Har, har. OK, jetzt würde man denken: hoffentlich liest der Verlag mit und schlichtet etwas. Der Verlag liest mit. Auftritt Antje Roder, Geschäftsführerin des Roder-Verlags.
Nur Auszüge, denn ihre Kommentare sind etwas länger:
Grundregel Nummer 1 für eine Rezension ist, dass man das Buch überhaupt gelesen hat!!!
Drei(!) Ausrufezeichen. Myriel hat sich nämlich nicht an die Rezensionsregeln gehalten.
[...] Daneben gibt es aber noch solche Autoren, die sich Zeit nehmen für ihr Werk, die Handlungsstränge ausarbeiten und eine Geschichte entwickeln. Daraus entstehen Bücher, die nicht zur Massenware zählen und die den Leser zum Mitdenken anregen wollen – keine vorgekaute Kost. [...]
Wer damit nicht mehr umgehen kann, sollte sich künftig besser nur noch mit anspruchsloser Kost berieseln lassen. Das ist auch den Machthabern lieber, denn diese Art von Fast-Food-Leser lassen sich optimal lenken und kontrollieren – eben weil sie allmählich das rationale Denken verlernen.
Myriel ist einfach zu doof für das Buch (zu dem komme ich noch). Aber jetzt kommt’s dicke:
Artikel 5 des Grundgesetzes gibt Ihnen noch lange nicht das Recht, Wirtschaftskriminalität zu betreiben, indem Sie willkülich den Verkauf eines Produktes boykottieren.
Sie sind keine studierte Literaturkritikerin – das sieht man allein schon daran, dass Sie den fantastischen Abenteuerroman „Twin-Pryx, Zwillingsbrut“ fälschlicherweise in die Kategorie „Fantasy“ abgeheftet haben. Fantastische Abenteuerromane sind z. B. das Genre des Jules Verne. Fantasy hingegen ist das Genre der modernen Märchengeschichten, wo Fabelwesen um den Menschen agieren.
[...]
Außerdem werde ich den Börsenverein des Deutschen Buchhandels informieren, dass Sie auf launische Weise Literaturkritiken veröffentlichen, ohne überhaupt das Werk gelesen zu haben – abgesehen davon, dass Sie es wie oben beschrieben falsch kategorisiert haben.
Überlegen Sie sich, was für Konsequenzen das alles für Sie haben wird. Das Recht ist auf unserer Seite!
Uiuiui. Falsche Kategorie genommen und nicht Literaturkritik studiert. Und auf launische Weise Kritiken veröffentlicht. Ein Fall für die spanische Inquisition.
Zum Glück nimmt Myriel das Ganze sportlich und wartet ab, ob endlich gerichtliche Schritte erfolgen. (Herr Staatsanwalt, die hat mein Buch nicht gut gefunden, obwohl sie es nicht zu Ende gelesen hat!!!)
Noch nicht peinlich genug?
OK, dann auf ins Blog von John Asht. Dort beschreibt er nämlich den Vorfall auf seine Art unter dem Titel (und das habe ich mir nicht ausgedacht) “Literatur-Kriminalität im Internet“. Er beginnt mit:
Vor der Internetexplosion gab es noch gestandene Literaturkritiker[...]
Jetzt schwadroniert er sich eine Verschwörungstheorie um eine abgelehnte Autorin zusammen. Muss man lesen. Weiter:
Lady Oberschlau publiziert also ihre unqualifizierte Kritik in ihrem Blog und gibt sogar noch offiziell zu, dass sie das Buch überhaupt nicht gelesen hat.
Die Schlange. Erzählt also offen die Wahrheit. Schlimm.
Der Verlag verwarnt die unseriöse Rezensentin und belehrt sie vorbeugend, dass sie nicht einmal die Literaturgattung des Buches richtig erkannt habe und somit eine Rezension nach den Kriterien eines ganz anderen Genres erstellt hat. Vor allem aber wird sie darauf aufmerksam gemacht, dass sie ein Buch von der ersten bis zur letzten Seite zu lesen habe (sorgfältig), bevor sie überhaupt eine Kritik zu veröffentlichen gedenkt.
Ja, wieder diese Rezensionsregeln, die so gelten. Aus dem Rezensionsgesetzbuch (ok, der war schlecht).
Demonstrativ schickt die pseudo-erpresserische Rezensentin ihre Postanschrift zu – womöglich in der Hoffnung, dass da nun bald ein schönes Paket mit Geschenken und vielleicht auch einem Geldumschlag eintrudelt. Stattdessen aber bekommt sie eine Anzeige wegen Verstoßes gegen § 15 UWG “Geschäftlicher Verleumdung”.
Klar, die wollte Geschenke haben. Mal sehen, was Myriel dazu schrieb:
Hallo Frau Roder,
da Sie so plakativ darauf hinweisen, dass das Recht auf Ihrer Seite ist, dürfen Sie mich gern davon überzeugen. Meine postalische Anschrift habe ich Ihnen soeben per E-Mail übermittelt, so dass Sie Ihre Ankündigungen umsetzen können.
Tja, sie wartet einfach auf die Anzeige (die bisher noch nicht gekommen ist).
Aber nochmal die Regeln von John Asht:
Sobald eine Rezension veröffentlicht ist, untersteht sie nur dann dem Schutze der freien Meinungsäußerung, insofern sie zutreffend fundiert und objektiv analysiert ist – vor allem aber muss der Rezensent das gesamte Werk von der ersten bis zur letzten Seite gelesen haben. Für nur angelesene Bücher kann man höchstens ein referierendes Statement abgeben – allerdings niemals in einem Rezensionsblog.
Jenau. Und zum Schluss die Tränendrüse:
Was diese rücksichtslosen Wichtigtuer(innen) nicht wissen, ist, dass so mancher Kleinverleger sein ganzes Hab und Gut als Sicherheit bei der Bank hypothekiert hat, nur um einige ausgewählte Manuskripte zu Büchern zu machen, in der Hoffnung, dass ein Broterwerb daraus enstehe, für ihn und seine Autoren.
Tja, sollte der Verlag sich seine Autoren wohl genauer aussuchen. Oder gute Literatur veröffentlichen. Oder sich nicht öffentlich im Netz zum Vollhonk machen. Nur so eine Idee.
Immer noch nicht peinlich genug?
OK, John Asht hat seinen Ursprungsartikel editiert, vorher hat er (laut diesem Screenshot) noch das Wunderargument gezogen, dass die Rezensentin es einfach mal besorgt kriegen muss:
Vielleicht sollte ihnen die Krankenkasse eine Therapie bezahlen: eine Kur in lieblichen Gefilden, wo es reale Jungs gibt, die ihnen besorgend beibringen, worum es im Leben überhaupt geht.
OK, er hat halt ein einfaches Frauenbild, schaut mal auf seinem Blog den Artikel Frauenquote an, in dem er über die böse “Emantipation” herzieht, da gibt es Perlen zur Frauenquote:
Und von wem kommen solche abstrusen Vorschläge? Von Frauen der Regierungsbank, die noch nie einem ehrlichen Beruf nachgegangen sind [...] Aber gerade weil sie Berufspolitikerinnen sind, sollten sie wissen, dass es diese bornierte Experiment schon einmal gegeben hat: im früheren Ostblock. Da wurden urplötzlich Menschinnen gefördert, die kaum noch was Weibliches an sich hatten – Mannsweiber, die überhaupt keine Kinder haben wollten und von grundauf alles hassten was männlich war – und dementsprechend auch alles hinterfragten und widersprachen was von einem Manne im Unternehmen kam. Fazit: Alles ging den Bach runter!
Was ist die Lösung für das Menschinnenproblem?
Natürliche Rollenverteilung braucht die Nation, um als solche weiterbestehen zu können.
[...]
Nun frage ich mich aber, wie viele Frauen haben was genau erfunden und entdeckt bis heute? Da gibts leider nur sehr wenige – und selbts diese Frauen forschten an der Seite ihres Mannes und setzten nach deren Tod deren Errungenschaften fort. Es ist nun mal gegen die Natur einer biologisch richtigen tickenden Frau, plötzlich hochtechnisierte Maschinen, Formeln oder Raketen zu erfinden.
Ein schlichter Geist, dieser John Asht.
Was, noch mehr Peinlichkeit?
Na ja, vielleicht ist er ja ein guter Schriftsteller, wenn er schon sonst eher nicht viel kann. Lesen wir Auszüge aus dem rezensierten Werk TWIN-PRYX, Zwillingsbrut. Oh nein, ich werde jetzt nicht alles hierher kopieren, aber zwei Kostproben sollen sein, einfach selbst lesen. Aber seid gewarnt: schlechte Literatur ahead!
Eine Schweißperle wollte herunter zum Augenwinkel kullern – sie wischte sie weg und wünschte sich, den Albtraum genauso einfach aus ihrem Gedächtnis löschen zu können. Hinterhältige Halunken, überraschend waren sie aus den Büschen gesprungen, hatten sie vom Pferd gezerrt und wortlos in eine dunkle Höhle verschleppt.
“Hinterhältige Halunken”?
Sie beschloss, sich noch vor dem Erwachen der anderen Burgbewohner etwas abzukühlen, denn ihr Körper vibrierte nach wie vor von diesem furchtbaren Traum. Nackt schritt sie zur offenen Tür, streichelte zuerst ihre beiden treuen Wolfshunde, die Nacht für Nacht ihren Schlaf bewachten, dann äugte sie sicherheitshalber nach allen Seiten und ging schließlich gemächlich zum Brunnen.
[...]
Zurück in ihren Räumen trocknete sie völlig erfrischt ihren wohlgeformten, sportlichen Körper ab, warf noch einen fast scheuen Blick in den Spiegel und schlüpfte in eine ihrer geliebten Reitermonturen – es war eine dieser Einzelkreationen, wie sie nur die Mutter, bedingt durch ihre indianische Abstammung, hatte anfertigen können.
Nicht sagen, dass ich nicht gewarnt hätte.
Es mag Leute geben, denen sowas gefällt. Aber dass Myriel sich durch 90 Seiten dieser gequirlten Kacke gelesen hat, ringt mir Hochachtung ab. Ich habe es nicht mal durch die Leseprobe auf der Webseite geschafft.
Lest die Kommentare bei Myriel und Astrodicticum durch, da ist viel gesagt. Dort sind auch weitere lesenswerte Seiten verlinkt.
Und lest mal wieder ein gutes Buch.
PS: eigentlich warte ich noch darauf, dass ich auf einen ganz raffinierten Hoax reingefallen bin.
Quellen:
- gefunden bei Astrodicticum Simplex
- der Artikel von Myriel (mit schönen Kommentaren)
- John Ashts Blog (Vorsicht)
- der uneditierte Originaltext (Auszug)
- die Leseprobe
Personalisierte Werbemails
Das mag ja für Werbetreibende der feuchte Traum sein, personalisierte Mails zu senden, aber wenn ich eine Mail bekomme mit dem Subject “80% Bücher jetzt radikal reduziert, Ekkart Kleinod”, dann kann mir Thalia mal den Buckel runterrutschen.
Mich stößt sowas ab, wenn da dauernd mein Name drin auftaucht.
Muss man ja mal sagen, sonst denken die Leute, sie tun mir was Gutes.
Apropos blöde Ideen: dieses Jahr soll jeder Haushalt kostenlos eine Bild bekommen, zum Bild-Geburtstag. Ist schon angekündigt, dass auf “Keine Werbung”-Aufkleber keine Rücksicht genommen wird. Ich kann mir gerne auch “Keine Bild” drankleben, dachte aber, das versteht sich von selbst.
Apropos Bild: es heißt nicht Bild-Zeitung. Das ist keine Zeitung. Auch offiziell nicht. Wird auch von Bild nicht behauptet.
Kritik: Chillerama
Apropos schöne Filme: ich bin noch nicht mit den FFF-Filmen komplett durch.
Heute: Chillerama.
Ein Episodenfilm, lose zusammengehalten durch die Geschichte eines Autokinos, dessen letzte Vorstellung anfängt. Dort werden drei und ein bisschen Filme gezeigt, dann gibt es eine Zombieeinlage im Autokino. Klasse.
Der erste Film: “Wadzilla” – ein Sperma, dass immer weiter wächst, bis es wie Godzilla über die Stadt “kommt” (sorry, der musste sein). War so lala, für mich der schwächste Teil des Films.
Danach “The Diary of Anne Frankenstein” – eine eigene Erzählung der Tagebuchgeschichte mit interessantem Hitler, der die perfekte Tötungsmaschine bauen will, und Eva Braun und einem Frankenstein. Für Deutsche besonders lustig, denn Hitler spricht etwas, was wie Deutsch klingt, dafür ordentlich Englisch untertitelt ist. Das Ganze in schwarz-weiß. Das Segment allein reicht schon als Grund, den Film zu sehen. Brillant.
Es folgt “I Was a Teenage Werebear”, ein Musical über schwule Werbärenrocker. Ebenfalls Klasse. Tränen gelacht.
Jetzt der gewöhnungsbedürftige Teil, bei dem ich die Augen teilweise schließen musste: Deathication. Ausscheidungshumor vom Schlimmsten. Zum Glück ist es nach ein paar Minuten vorbei.
Dann fängt der lustige Zombieteil im Autokino an.
Fazit: anschauen, nicht alles zündet, aber Joel David Moore als Hitler und Kristina Klebe als Eva Braun.
Little Shop of Horrors, König der Löwen
Wenn mal wieder einfach ein gutes Musical schauen möchte (im Fernsehen z.B.), dann sollte man “Little Shop of Horrors” wählen. Wundervolle Musik, Klasse Gesang (außer von Rick Moranis, aber er bemüht sich), insbesondere Ellen Greene – was für eine Stimme. Und ist auch nicht gruselig.
Someone tell Lady Luck that I’m stuck…
Shalalala – Little Shop of Horrors…
Und wenn man einfach mal vor sich hinweinen will, dann die Eröffnungsszene vom König der Löwen. Man kann auch nur mitsummen ohne Körperflüssigkeit. Wenn man ein harter Hund ist.
Polizeigewalt, Fußball und Bürgerbeteiligung
OK, nur die beiden ersten Themen gehören heute zusammen, Bürgerbeteiligung läuft extra.
Seit einiger Zeit divergieren Berichte von Polizei/Medien und Fußballfans/Beteiligten an Fußballrandalen erheblich. Während in Medien und Polizeistellungsnahmen immer nur Chaoten auftreten, sind es bei den Fußballfans oft auch überreagierende Polizisten. Und während sich die Medien noch vor zwanzig Jahren eine eigene Meinung erlaubten, wird heutzutage ausschließlich aus Polizeisichtwinkel berichtet (freiwilliges(!) Staatsfernsehen und -presse).
So z.B. beim Schweinske-Cup am 6.1.12, bei dem ein Turnier von rechten Schlägern überfallen wurden, die Leute beleidigten, beklauten, schlugen und danach vor den Augen der Polizei die Halle verließen. Diese eroberte dann die Halle, benutzte ausgiebig Pfefferspray und richtete noch einmal deutlich mehr Schaden an als die blöden Nazis.
Natürlich waren in der Halle alles gewaltbereite Idioten und die Polizei hat natürlich angemessen und mit Augenmaß gehandelt. Klar.
Da das nun schon seit Jahren irgendwie immer so ist und mittlerweile Videoaufnahmen einfacher werden, lassen sich solche Schilderungen nicht mehr so einfach halten. Lest das einfach mal in Ruhe auf der Publikative nach. Ist schon erschreckend. Immerhin erkennt Hamburgs Innensenator Michael Neumann, dass das was schiefgelaufen ist und sucht den Dialog. Ein erster Schritt. Gut so. Jetzt dabei bleiben. Aber wenn er dann auch sowas sagt:
So wie es in der Fanszene einzelne Problemfälle gebe, sei auch die große Mehrheit der Polizisten anständig und ärgere sich genauso über die Vorfälle.
Dann hat er recht. Aber es gilt auch:
Neumann erwähnte, dass nach Anzeigen auch bereits zwei Ermittlungsverfahren gegen Polizisten liefen. Abzuwarten bleibt indes, ob diese nicht wie zumeist üblich im Sande verlaufen. Amnesty International beklagt seit Jahren, dass Polizeigewalt in Deutschland praktisch nie verfolgt wird – und selbst wenn, kommt es nur äußerst selten zu strafrechtlichen Konsequenzen für die vom Apparat gut geschützten Beamten.
Eben. Und solange das gilt (und das gilt noch lange, wir in Berlin wissen das), hat die Polizei einen schlechten Ruf.
Zur Bürgerbeteiligung: dass die Makulatur ist, sieht man z.B. an der Petition gegen das bestehende Verbot gewaltverherrlichender Videospiele sowie gegen die Indizierung in ihrer jetzigen Form. Diese Petition wurde zunächst vom Petitionsausschuss nicht freigeschaltet, da es eine gleichlautende Petition gab. Diese wollte zwar mehr Verbote für Videospiele, aber beide enthielten offensichtlich das Wort “Videospiele”.
nicht zugelassen, weil sie “nicht den gewünschten Erfolg haben wird“. Dies sei der Fall, da “eine Umsetzung Ihres Anliegens angesichts der gegenwärtigen Handlungspriorität auf diesem Gebiet ausgeschlossen erscheint“.
Also: es werden nur Petitionen zugelassen, die sowieso beschlossen werden sollen? Eine andere Meinung kommt gar nicht durch? Der Bundestag muss vor dem Bürger beschützt werden? Wir wollen uns nicht mit Dingen beschäftigen, mit denen wir uns sonst nicht beschäftigen?
Aber dann wundern, wenn sich die Bürger nicht mehr beteiligen. Bestimmt war bei S21 die Beteiligung genauso einfach und transparent. Klar.
(Quellen: “Fußballchaoten” setzen Untersuchungskommission ein auf Publikative; Petition blockiert und Petition gegen Zensur abgelehnt auf Stigma Videospiele)
Rechtsabbieger
Abbieger – die tödlichste Gefahr für Radfahrer im letzten Jahr. Heute hat mich auch fast wieder ein Rechtsabbieger erwischt. Natürlich Radweg. Muss man halt bereit sein, vollzubremsen.
Im letzten Jahr 6 Tote durch Abbieger (3 rechts, 3 links), 1 durch Raser im Längsverkehr, 4 selbst schuld.
Das sollte man sich vergegenwärtigen, wenn “zum Schutz der Radfahrer” wieder Licht, Bremsen etc. kontrolliert werden. Oder Kopfhörer verteufelt werden. Oder Helme gefordert.
Halbierung der tödlichen Unfälle durch Abschaffung aller Radwege und konsequente Bestrafung von unachtsamen Autofahrern.
Aber die “freie Fahrt” (wo auch immer die sein mag, in Berlin jedenfalls nicht), ist uns dieses Opfer unter Radfahrern wert.
(Zahlen via Rad-Spannerei)
Ruhiger Verkehr, leichter Gegenwind, Dieter Hallervorden
Tja, der Verkehr ist wieder einmal zum stehen gekommen mit den ganzen Autos drin, da ist es erstaunlich ruhig. Nur zwei Leute im Weg, rückwärts sogar gar nichts. Wird sich schon noch ändern, morgen muss ich die Torstraße lang…
Gegenwind. Schon seit Anfang letzter Woche. Zwar nur hinwärts, aber trotzdem nicht motivierend.
Dieter Hallervorden hat auf die Vorwürfe gegen das Schlossparktheater geantwortet. Und stark am Thema vorbeigeschrieben.
Beispiel:
In meiner Gedankenwelt ist absolut kein Platz für Rassismus.
Davon bin ich ausgegangen, und, soweit ich mitbekommen habe, auch die meisten anderen Kommentatoren bei Facebook. Daher war ja das Erstaunen über die Aufführung umso größer. Gleich danach aber:
Bevor jemand einen diesbezüglichen Vorwurf erhebt, sollte er sich die Vorstellung ansehen[...]
Und ab hier wird es krude, denn soweit ich das übersehen kann, hat sich niemand über das Stück beschwert. Oder über die Vorstellung bzgl. Inhalt, schauspielerischem Können. Es geht darum (Kommentar):
Wie so oft in den vergangenen Tagen missverstehen Sie die Kritik.
Es geht nicht darum, ob eine weiße Person Midge spielen darf oder nicht, sondern darum, ob eine schwarz angemalte Person Midge spielen darf.
Exakt das ist die Frage. Und die lohnt es sich zu diskutieren. Aber für Diskussionen ist bei Hallervorden kein Raum:
Mein Rat: Leute, lest das Stück – dann werdet ihr erkennen, dass es glücklicherweise gar keinen Raum für Rassismus bietet! Macht euch erst mal kundig, bevor die Sicherungen durchbrennen, nur weil ihr auf einem Plakat einen Weißen seht, der schwarz geschminkt ist!
Oder, gleich ins Lächerliche ziehend:
Denken wir die Vorwürfe zu Ende: Darf Hallervorden einen Juden spielen, obwohl er kein Jude ist? Darf Sigmar Gabriel sich für Maßnahmen gegen den Hunger in der Welt einsetzen, obwohl er über Leibesfülle verfügt??
Das ist nicht nur schlechter Stil, das ist Scheiße. Und ja: Hallervorden darf einen Juden spielen, wenn er diesen jedoch mit riesiger Hakennase, Löckchen und gierigen Raffhänden spielen würde, wäre das bedenklich. Ist doch nicht so schwer zu verstehen.
Oder, noch besser ausgedrückt ein Kommentar:
Kurz: Ich bin so antirassistisch, dass ich rassistisch sein darf, wann immer ich es für angemessen und richtig halte. Rassismuskritik von Betroffenen sind stets als ungerechtfertigte Vorwürfe zu werten und bedürfen keinerlei Auseinandersetzung. Ich habe mit rassistischer Praxis Menschen verletzt, aber es ist mir egal, ich mache genauso weiter. Zur rassistischen Einstellungspraxis meines Theaters lässt sich soviel sagen, dass Schwarze Schauspieler nun mal nicht geeignet sind. Gesucht haben wir aber auch nicht danach. Warum auch? Wir könne ja einfach weiße Buddies des Ensembles schwarz anmalen.
(Antwort von Dieter Hallervorden)